Kanton Solothurn

Mit Seife und auf Distanz - die wichtigsten Fragen zum Schulbeginn im Überblick

Im Kanton Solothurn werden auf einzelne Schulen zugeschnittene Schutzkonzepte zur Anwendung kommen.

Im Kanton Solothurn werden auf einzelne Schulen zugeschnittene Schutzkonzepte zur Anwendung kommen.

Am Montag starten die Schülerinnen und Schüler im Kanton Solothurn in das neue Schuljahr. Nach dem Coronafrühling soll das Schuljahr so normal wie möglich verlaufen, einige Einschränkungen bleiben aber bestehen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Lernen vor dem Laptop statt vor der Wandtafel: Das war für einige Kinder und Jugendliche noch bis zu den Sommerferien angesagt. Schuld daran war das Coronavirus. Um Ansteckungen zu verhindern, wurden die Schulen im Frühling geschlossen und blieben bis im Mai zu. Am nächsten Montag geht die Schule wieder los. Zeit, bei den Schulen nachzufragen, wie der Schulstart ablaufen wird.

Kehren alle Kinder und Lehrpersonen an die Schulen zurück?

Grundsätzlich ja. Im neuen Schuljahr ist kein Fernunterricht mehr geplant, die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Lehrpersonen sollen wieder gemeinsam im Schulzimmer lernen. Auch Halbklassenunterricht ist vorerst kein Thema. Lehrpersonen, die zu einer der Risikogruppen gehören, müssen aber besonders sorgfältig geschützt werden, erklärt Mathias Stricker, der Präsident des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Solothurn LSO. Das funktioniert zum Beispiel mit räumlicher Trennung oder Schutzmasken.

Wichtig ist es laut Stricker, Einzelfälle zu betrachten. «Es gibt Risikolehrpersonen, die sind sehr vorsichtig, und andere, die gerne wieder unterrichten wollen. Wir müssen pragmatisch sein und Schutz gewährleisten mit individuellen Lösungen. Und akzeptieren, wenn es einfach nicht geht und Homeoffice nötig ist.»

Für den Schutz der Lehrpersonen sind die Schulen verantwortlich. In den meisten Fällen ist es laut Roland Misteli, dem Geschäftsführer des LSO, gelungen, eine Lösung zu finden. «Es gibt aber auch Ausnahmen», so Misteli weiter. «Es ist besonders störend, wenn Vorgesetzte die Ängste und Bedenken von Mitarbeitenden nicht ernst nehmen oder gar bagatellisieren. Wenn die Schutzmassnahmen nur unzulänglich umgesetzt werden, geht der Arbeitgeber das Risiko einer Verletzung der Fürsorgepflicht ein. Das kann unter Umständen zu haftungsrechtlichen Problemen führen.»

Wie viele Risikolehrpersonen nicht an die Schulen zurückkehren, ist nicht bekannt. Auch Kinder, die zu den Risikopatienten gehören, werden besonders geschützt. Unter anderem müssen die Schulen darauf achten, dass sie auch in den Pausen nicht in engen Kontakt mit anderen Personen kommen.

Mit welchen Schutzmassnahmen starten die Schulen im Kanton in das neue Schuljahr?

Es werden auf einzelne Schulen zu­geschnittene Schutzkonzepte zur Anwendung kommen. Die Vorgaben dafür stammen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Im Zentrum stehen die üblichen Hygienemassnahmen wie re­gelmässiges Waschen der Hände, Reinigen der Oberflächen und Ab- standhalten.

Im Kanton gibt es keine generelle Maskenpflicht. Punktuell kann das Tragen von Masken auf Stufe der Berufs- und Kantonsschulen angeordnet werden, wenn der nötige Abstand über längere Zeit nicht eingehalten werden kann. An der Volksschule ist die punktuelle Maskenpflicht laut dem Kanton nicht vorgesehen. Der Grund dafür ist, dass Kinder nach dem aktuellen Wissensstand seltener infiziert werden und das Virus weniger häufig weitergeben als Erwachsene.

Die genannten Schutzmassnahmen können je nach Entwicklung der Fallzahlen angepasst werden. Wenn es an einer Schule positive Fälle gibt, dann kann es zu auch zur Schliessung einzelner Klassen kommen. Auch einzelne, kurzzeitige Schulschliessungen sind laut dem Kanton denkbar.

Was ist die grösste Herausforderung in den ersten Schulwochen?

Eine der wichtigsten Fragen, welche die Lehrpersonen und Schulleitungen in den ersten Tagen beschäftigen wird, ist diejenige danach, wie die Kinder und Jugendlichen nach den Ferien zurückkommen, erklärt LSO-Präsident Mathias Stricker. «Wenn wir feststellen, dass Kinder in Risikoländer gereist sind, kann es sein, dass wir Kinder wieder nach Hause schicken müssen», so Stricker.

Für die Quarantänemassnahmen sind grundsätzlich die Eltern verantwortlich. Viele Schulen haben die Eltern deshalb bereits diese Woche per Post oder per E-Mail über allfällige Quarantänemassnahmen informiert.

Kinder, die in Quarantäne müssen, erhalten für diese Zeit Hausaufgaben. Laut Adrian Van der Floe, Präsident des kantonalen Schulleiterverbandes, werden maximal fünf Prozent der Kinder den Schulstart wegen Quarantänemassnahmen verpassen. Das sagte er gegenüber Radio SRF.

Wie gut lässt sich das Schuljahr überhaupt planen?

Seit dem Frühling müssen die Lehrpersonen den Schulalltag flexibel gestalten, und das wird auch in den nächsten Wochen noch so bleiben. Langfristige Planungsunsicherheiten für das Schuljahr gibt es zum Beispiel in Bezug auf Schulreisen und Klassenlager, aber auch in Bezug auf die aktuellen Richtlinien an den Schulen. Je nach Pandemieverlauf müssen diese bereits vor den Herbstferien wieder verschärft werden.

«Bisher gingen die Lehrpersonen pragmatisch um mit der Situation und haben stets das Beste daraus gemacht. Wir haben alle gelernt, kurzfristige Entscheidungen zu treffen», so Mathias Stricker zu der anhaltenden Planungsunsicherheit.

Können allfällige Wissenslücken, die im vergangenen Schuljahr entstanden sind, im nächsten Schuljahr geschlossen werden?

Für die Lehrpersonen sei es nicht ganz leicht, herauszufinden, wie viel Wissen im Fernunterricht tatsächlich verloren ging. Grund dafür sei der Sommerferieneffekt, erklärt Mathias Stricker. «Die Kinder waren fünf Wochen lang nicht in der Schule. Es gibt Studien, die zeigen, dass in dieser Zeit Wissen verloren geht.»

Die Lehrpersonen hätten deshalb aufgelistet, was in der Zeit im Fernunterricht nicht behandelt werden konnte. Wird eine Klasse von einer anderen Lehrperson weitergeführt, dann ist diese darüber informiert und kann den Stoff im kommenden Schuljahr einbauen.

In einigen Fällen sei es zudem möglich, den Stoff auf einer anderen Stufe nachzuholen: «Der Schulstoff ist oft zirkular aufgebaut, ein Teil wird regelmässig wiederholt. Es ist wichtig, die gesamte Schullaufbahn von neun Jahren im Blick zu haben und sich nicht nur auf ein einzelnes Schuljahr zu konzentrieren.»

In Einzelfällen sei es aber durchaus der Fall, dass viel Wissen verloren gegangen ist. «Es gibt Jugend­liche, die sind in der Zeit des Fernunterrichts völlig abgetaucht», so Stricker. «Hier braucht es schnelle Lösungen, damit Ressourcen für allfällige Zusatzlektionen für unterstützenden Unterricht gesprochen werden können.»

Autor

Rebekka Balzarini

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