Wenn man den Jura mit dem Schwarzwald verwechselt, dann landet man am falschen Ort: So geschah es einem deutschen Fliegeroffizier vor 100 Jahren, der im Zweiten Weltkrieg General der Flieger werden sollte. Er setzte seine Jagdmaschine auf Solothurner Boden auf. Knapp zwei Jahre später landete ein amerikanischer Pilot bei Deitingen. Sein Flugzeug existiert noch heute.

In der Luft ist es keine grosse Distanz zwischen dem Schwarzwald und dem Raum Solothurn. Das merkten im Ersten Weltkrieg gleich zwei Jagdpiloten aus beiden kriegführenden Parteien. Die beiden, ein Deutscher und ein Amerikaner, verfranzten sich und landeten schliesslich bei Solothurn respektive Deitingen und brachten mit ihren modernen Jagdflugzeugen willkommenen Zuwachs bei der Schweizer Fliegertruppe. 

Die Landung Nummer eins ereignete sich vor 100 Jahren am 13. Oktober 1916. Das Flugzeug kam um 15 Uhr östlich der Hasenmatt über den Jura und flog dann in kaum 100 Meter Höhe über die Dächer von Bellach, bevor es 400 Meter südlich der Bahnlinie im Brühl auf Solothurner Stadtboden landete. «In den schwarzen eisernen Kreuzen war die Nationalität des Fliegers sofort und sicher erkenntlich», schrieb die «Solothurner Zeitung». Der Jagdmaschine Fokker D II, die einige Patronen verschossen hatte, entstieg der bayrische Oberleutnant Otto Deßloch (siehe Kasten unten). «Das ist doch nicht möglich, dass ich auf Schweizerboden gelandet bin», soll er gerufen haben. Er sei richtig ergriffen und niedergeschlagen gewesen, dass er dermassen die Orientierung verloren hatte.

Gemäss seinen Angaben startete er an diesem Freitag in Donaueschingen und wurde mit seiner Einheit über Belfort in einen Luftkampf verwickelt. Während dieser Kämpfe verlor Deßloch die Orientierung. Die Gebirgszüge unter ihm – es war der Jura – betrachtete er als Ausläufer des Schwarzwaldes, den Fluss südlich davon als den Rhein und die Landschaft dahinter als die Schweiz. So achtete er darauf, dass er nördlich des Flusses auf vermeintlich deutschem Boden landete.

Aber der Fluss war eben die Aare und das Land nördlich davon Solothurner Boden … – Otto Deßloch wurde ins Hotel Krone gebracht und später in Thun interniert. Nach einigen Monaten konnte er die Schweiz wieder verlassen. Die Fokker kam zur Fliegertruppe nach Dübendorf, wo sie gemäss den Akten sicher von den beiden bekannten Piloten Alfred Comte und Oskar Bider geflogen wurde. 1921 wurde sie nach dem Ausbau der Waffen an Gottlieb Batt in Bern übergeben, der sie als CH-55 zivil registrierte.

Froh, in der Schweiz zu sein

Fall Nummer 2 betraf einen amerikanischen Piloten. Man schrieb den 25. Juni 1918, als das Bauerndorf Deitingen früh um 6.45 Uhr mit dem Ersten Weltkrieg konfrontiert wurde. Sein Schicksal wollte es, dass der junge Fliegerleutnant James F. Ashenden aus Chicaco Bekanntschaft mit dem Kanton Solothurn machte. Offenbar erfolgte die Landung Richtung Derendingen, da diese Ortschaft im Tagebuch der Fliegertruppe verzeichnet ist.

Ashenden war als Begleitschutz-Jäger bei einem Bombenangriff auf Metz beteiligt, als auch er in einen Luftkampf geriet, dabei einen Treffer erhielt und die Orientierung verlor. Auch Ashenden wähnte sich über dem Schwarzwald, als er die Rötifluh sah und wegen Benzinmangels eine Notlandung machen musste, bei der das Flugzeug stark beschädigt wurde. Er war aber unverletzt und fragte den ersten ankommenden Velofahrer, ob er in «Switzerland» sei. Als dies bejaht wurde, habe er sich sehr gefreut.

Die Nieuport N28 von James Ashenden – bereits in schweizerischen Farben.

Die Nieuport N28 von James Ashenden – bereits in schweizerischen Farben.

Im Tagebuch der Fliegertruppe in Dübendorf ist an diesem Tag notiert: «Landung eines amerik. Flugzeugs bei Derendingen (Solothurn). Oblt Ramp mit 3 Mann fahren mit dem 5 Uhr Zug von hier ab, zur Bergung des Apparates!» Das Flugzeug war eine Nieuport N28, die wegen ihres niedlichen Aussehens von den Schweizer Piloten mit dem Beinamen «Bébé» bedacht wurde. Bis im Sommer 1925 stand sie mit der Nummer 607 im Einsatz bei der Fliegertruppe. Dann wurde sie während 30 Jahren auf dem Militärflugplatz Thun als Ausstellungsobjekt aufbewahrt. Nach der Schliessung des Flugplatzes Thun 1955 kam das «Bébé» nach Dübendorf. Und, fast unglaublich: 98 Jahre nach seiner Landung bei Deitingen kann das Jagdflugzeug noch heute im dortigen «Flieger und Flab»-Museum bestaunt werden.

Quellen: Bundesarchiv; Zentralbibliothek Solothurn: Solothurner Zeitungen Bände 1916 und 1918; Urech/Hunziker: Die Flugzeuge der Schweizer Fliegertruppe seit 1914, Th. Gut & Co. Stäfa 1974