Ständeratskandidat

«Mit kurzer Hose und Flipflops zur Arbeit geht gar nicht» – 33 Sommerfragen an Stefan Nünlist

33 Sommerfragen an die fünf Solothurner Ständeratskandidaten – heute: Stefan Nünlist, FDP, Olten.

Was ist der Sommer für Sie? Zeit der Musse oder des Müssens?

Stefan Nünlist: Sommer ist für mich definitiv Zeit der Musse, des Zurückfahrens, bewussteren Lebens in der Natur und des Geniessens.

Gönnen Sie sich in diesen Wochen bewusste Nachlässigkeit?

Ja sicher: mal mit kurzer Hose, T-Shirt und Flipflops in die Stadt und fast jeden Tag eine Glace.

Was geht trotz etwas lockerer Sitten gar nicht?

Mit kurzer Hose und Flipflops zur Arbeit. Und mit den gerade in der Politik so beliebten Kurzarmhemden ist das eben auch so eine Sache.

Für die einen ist der Sommer Traumzeit, für die andere Übergangszeit zwischen Frühling und Herbst. Für Sie?

Ich liebe alle Jahreszeiten. Was mir am Sommer besonders gefällt, ist das Leben draussen, die langen Tage, das Schwimmen in der Aare und die Motorradausfahrten.

Bleiben Sie überzeugt daheim? Oder gehen Sie unverdrossen in den Süden?

Ich bin in der Schweiz und im benachbarten Markgräflerland, wo meine Partnerin wohnt, ausgezeichnet aufgehoben. Im Sommer fahre ich lieber in den Norden. In den Süden zieht es mich eher im Herbst, und zwar am liebsten nach Griechenland oder Italien.

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb sich die Affenhitze im Ausland besser aushalten lässt als zu Hause?

Das ist eine Frage der Einstellung und der Lebensgewohnheiten. Mich stören weder Hitze noch Kälte.

Wohin führt Sie der Sommer?

Zuerst auf dem Töff in die weitere Region bis und mit Schwarzwald und dann ein paar Tage ins Wallis.

Und Ihr Sommersehnsuchtsort?

Ganz schöne Sommerzeiten durfte ich an der Ostsee und Mecklenburger Seenplatte verbringen.

Und wohin wollten Sie schon immer einmal?

Mit dem Töff nach Irland. Das habe ich schon länger geplant, und es kommt mir immer etwas dazwischen. Aber ich werde es schaffen!

Wenn Sie wählen können: Eistee oder Cüpli? Oder etwas ganz anderes?

Am liebsten ein Bier.

Und für zwischen die Zähne? Vitello tonnato, T-Bone-Steak oder Couscous-Salat?

Eine Bratwurst vom Grill und Tomatensalat.

Sind Sie der Sonnen- oder der Schattentyp?

Wenn ich wählen kann, dann immer das Licht.

Auch im übertragenen Sinn?

Ich geniesse das Licht und die Wärme der Sonne, kenne aber auch die Schattenseiten und die damit verbunden Gefühle. Zum Leben gehört beides.

Und wie ist es mit dem Wasser? Lieber drinnen oder draussen?

Als Präsident des Oltner Yachtclubs sicher in, auf und am Wasser. Ich schwimme sehr gern, bin oft auch mit dem Stand-up-Board auf Flüssen unterwegs oder mit einem Hausboot im Norden von Deutschland.

Sind Sie der Pool- oder der Wildwassertyp?

Flüsse und Seen sind meine Leidenschaft.

«An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab», schrieb Theodor Fontane. Ein gutes Motto?

Sehr sogar: Sich bewegen und mit offenen Augen durch die Welt gehen bildet und gibt Kraft und Energie.

Was ist Ihr Sommermotto?

Ich halte es mit Goethe: «Wie es auch sei, das Leben, es ist gut.» Nicht nur im Sommer, das ganz Jahr hindurch.

Apropos Lektüre: Haben Sie Thriller, Sommerschnulze oder ernsthafte Gegenwartsliteratur in der Badetasche?

Als gewiefter Sofa-Kommissar liebe ich Krimis und Thriller. Diese passen für mich am besten zur Badi.

Wenn Sie wählen müssten: «Der Fall Deltschev» von Eric Ambler, «Das kleine Inselhotel» von Sandra Lüpkes oder «Der Stotterer von Charles Lewinsky?

Schwierig. In so einem Fall hilft nur der E-Reader, dann kann ich alle drei runterladen und mitnehmen.

Was lesen Sie gerade?

Dummerweise hat mir Ruedi Nützi das Buch «Der Wachstumszwang» von Mathias Binswanger geschenkt. Das liegt jetzt in der Badetasche, und der Krimi muss warten.

Sommer – Zeit des Glücks. Des eigenen? Oder jenes der andern? Die meisten Ehen werden nach den Sommerferien geschieden.

Auch wenn es nicht immer schön ist, ich empfinde diese Zeit stets als wertvoll und bereichernd.

Umgekehrt: Was braucht es für Sie, damit die Sommerfrische nicht ein Phantom bleibt, das in der schwülen Nacht verdampft?

Die Möglichkeit, ein paar Tage einfach aus mir heraus zu leben ohne äussere Termine und Aufgaben.

Apropos Illusion am Sommernachthimmel: Möchten Sie im Open-Air-Kino «Wolkenbruch» sehen oder doch lieber wieder einmal «Pretty Woman»?

Diesen Film habe ich mir als junger Mann mehrmals angeschaut, heute fasziniert mich «Wolkenbruch» in seinem Milieu und mit seiner Reise viel mehr.

Hand aufs Herz: Ist die Vorfreude auf den Sommer nicht regelmässig grösser als die Befriedigung darüber, was er am Ende gebracht hat?

Ich schaue dem Sommer stets mit Sehnsucht entgegen, geniesse ihn, und freu mich dann aber auch wieder auf den Herbst.

Vielen geht es so: Sie kommen anscheinend erfrischt aus den Ferien. Sie wollen so viel wie möglich in den Alltag retten. Und eine Woche später erinnern Sie sich kaum daran, wo sie gewesen sind.

Mit Ferien kann man einen als unangenehm empfundenen Alltag nicht kompensieren. Ich kenne mich altersbedingt relativ gut, weiss was ich mir zumuten kann und was nicht.

Können Sie in den Sommerferien abschalten von der Arbeit? Oder bleibt es beim Vorsatz?

Wenn ich allein bin, dann sind Laptop und Handy meistens nahe. Abschalten kann ich gut auf dem Fluss, dem Töff oder dann, wenn ich mit meiner Partnerin zusammen bin.

Beunruhigt Sie die Abwesenheit der Arbeit, des Alltags manchmal?

Nein, weil ich wohl weiss, dass es schon bald wieder losgeht.

Und was ist mit der Politik und dem Wahlkampf?

Es ist im Sommer sicher gemächlicher. Aber die Zeit der Ruhe und der Gespräche bringt eben auch neue Gedanken und Ideen. Und schon ist man wieder mittendrin.

Besorgt Sie der Klimawandel in den Ferien mehr als im Alltag?

Im Alltag eher über das, was ich lese. In den Sommerferien nehme ich Veränderungen im Garten, auf dem Fluss, in den Bergen oder im Wald direkter wahr.

Verschicken Sie noch Postkarten? Oder haben Sie einen Ferienchat?

Ich funktioniere über Familienchat und Social Media.

Frank und frei: Was schreiben Sie Donald Trump auf die Postkarte, die Sie nie abschicken werden?

«Herr Präsident, machen Sie «America truly great again». Und wenn Sie einmal wirklich gute Politik erleben wollen, dann kommen sie doch zusammen mit Melania und Ivanka an eine Delegiertenversammlung der FDP Solothurn – das fägt!

An welches Sommerferienerlebnis erinnern Sie sich besonders gern?

Zusammen mit meinem Vater, meinem Sohn und meinen beiden Neffen vor vier, fünf Jahren auf einem Hausboot auf der Müritz. Das war eine ganz besondere Woche.

Und an welches mit Schaudern?

Hundeelend mit 40 Grad Fieber im Hochsommer auf einem Zeltplatz bei Pisa. Das ist schon über 30 Jahre her, aber die Erinnerung daran immer noch grauenhaft.

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