Solothurner Filmtage

Mit grossem Filmtage-Schiff unterwegs: Die neue Direktorin hält Ausschau auf den Januar

Die neue Filmtage-Direktorin Anita Hugi: Seit 100 Tagen ist sie nun im Amt.

Anita Hugi, die neue Direktorin der Solothurner Filmtage hat sich eingelebt. Seit 100 Tagen ist sie nun im Amt und hat die physisch anstrengendste Phase bereits hinter sich.

Am kommenden Sonntag, den 10. November sind es 100 Tage, in denen die neue Filmtage-Direktorin Anita Hugi im Amt ist. Zeit also für die gebürtige Grenchnerin, die in Biel lebt, eine erste Bilanz ihres neuen Arbeitsumfeldes zu ziehen. Denn gerade haben sie und die Film-Auswahlkommissionen eine der physisch anstrengendsten Phasen ihrer neuen Arbeit hinter sich gebracht: Die Visionierung der eingereichten Filme für die kommenden 55. Solothurner Filmtage, die vom 22. bis 29. Januar 2020 stattfinden. «Wir machen das in Solothurn wirklich sehr seriös und schauen uns alle Filme auf der Leinwand an. Es ist eine sehr intensive, spannende aber auch effiziente Arbeit, die wir anfangs Oktober begonnen haben.» Letzte Woche sei man damit im Kino Uferbau fertig geworden.

Nun geht es ans Programmieren und ans Informieren der Filmemacher und Filmverleiher. Es seien etwa gleich viele Filme eingereicht worden, wie im vergangenen Jahr, sagt Hugi. «Rund ein Drittel stammt von Frauen, zwei Drittel von Männern.» Darunter habe sie speziell im Kurzfilmbereich ein paar aussergewöhnliche Streifen entdeckt. «Generell ist es ein starker Jahrgang, ob im Spiel- oder im Dok-Film-Bereich.» Hugi spricht von einer grossen Vielfalt und von den unterschiedlichen Handschriften der Filmemacher. «Bei den Themen ist aufgefallen, wie sehr der Krieg in Syrien und auch die Klimadebatte uns alle betrifft. Es wird mehrere starke Filme dazu geben.» In allen Sektionen gebe es auch starke Debüts. «Es handelt sich auch hier um gut durchdachte und sorgfältig entwickelte Filme, die intensiv und berührend sind», lobt die Filmtage-Direktorin. Insbesondere in den filmhistorischen Programmen stehen prägende Regisseurinnen im Zentrum und das 25. Rencontre-Programm ist der Filmemacherin Heidi Specogna gewidmet.

Ein grosses Schiff, das da unterwegs ist

Wenn man Anita Hugi so reden hört, glaubt man, eine schon länger tätige Filmtage-Direktorin vor sich zu haben. «In den drei vergangenen Monaten war es mir wichtig, die Solothurner Filmtage umfassend kennen zu lernen. Es ist ein grosses Schiff, das da unterwegs ist. Viel Wissen und grosse Kompetenzen von festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist vorhanden. In der ganzen Stadt Solothurn ist sehr viel Know-how im Bereich Film- und Kulturorganisation vorhanden. Solothurn ist eine grossartige Gastgeberin. Das beeindruckt und begeistert mich sehr.» Ihr sei es sehr wichtig gewesen, Abläufe und Strukturen und all die Menschen dahinter wirklich kennen zu lernen. «Die Solothurner Filmtage arbeiten seit vielen Jahren mit vielen regionalen Partnern zusammen. Dabei soll es auch bleiben.»
Auch nach zahlreichen technischen Errungenschaften und Erfindungen im cineastischen Bereich sei es halt immer noch faszinierend, in einer Gemeinschaft, zusammen einen Film zu sehen, ein Kinoerlebnis geniessen. «Die Magie des Kinosaales spielt immer noch», sagt Hugi. «Man geht zusammen rein, taucht in eine andere Welt und geht gemeinsam weiter. Kino und Beizenkultur gehen ebenfalls gut zusammen. Auch ein Teil des Erfolges der Solothurner Filmtage.» Generell seien heute alle Arten von Festivals beim Publikum sehr beliebt. «Die Solothurner Filmtage sind ein Begegnungsort, aber auch ein Multiplikator für den Schweizer Film, der nicht hoch genug einzuschätzen ist.»

Randbereiche schärfen und erweitern

Grosse Veränderungen hat die neue Direktorin in ihrem ersten Arbeitsjahr nicht vor. «Es wäre sicher nicht sinnvoll. Zuerst muss ich alles gut verstehen und kennenlernen.» Damit soll das Meiste so bleiben, wie es ist. «Ich setze auf Kontinuität: Das starke Filmprogramm ist das Herzstück der Filmtage. Zusätzlich zum Bestehenden werden wir einzelne Akzente setzen.» Hugi will vor allem das jüngere Publikum vermehrt ansprechen. «Beim Publikum sind Schüler bis 18 Jahre gut vertreten. Doch das Publikum zwischen zwanzig und vierzig soll vermehrt auf die Solothurner Filmtage aufmerksam werden.»

Dazu will sie aber auch die jungen Filmschaffenden vermehrt nach «Solothurn» holen. Dies soll unter anderem mit dem ersten «Fest der Schweizer Filmschulen» aus Genf, Zürich, Luzern und Lausanne geschehen, das Samstag Abend auf dem Attisholz-Areal vorgesehen ist. «Die Filmschulen waren von diesem Ort begeistert: So etwas gebe es bei ihnen nicht. Deshalb wagen wir es, diese besondere Location für einen Abend dem Filmtagepublikum vorzustellen.» Mit einem Filmtage-Shuttle-Bus wird der neue Kultur-Ort die ganze Nacht lang gut zu erreichen sein.

Die 55. Solothurner Filmtage werden zum ersten Mal von Mittwoch bis Mittwoch dauern. «Das bedeutet, einen Tag mehr vor dem Wochenende. Ziel ist es, das Wochenende zu entlasten und die regionalen Schülerinnen und Schüler mit dem zusätzlichen Wochentag besser empfangen zu können.» Ansonsten bleibt alles wie bisher, nur die ‹Nacht der Nominationen› für den Schweizer Filmpreis findet neu am zweiten Festivaltag statt. «Das Publikum hat so neu die Chance, die nominierten Filme während den Filmtage gleich zu sehen.»
Wie gehabt wird es den Prix de Soleure, notabene einer der höchst-dotierten Schweizer Kunstpreise und den Prix de Public weiterhin geben. Auch wird ein ganz besonderer Filmklassiker der Online-Edition des Schweizer Films «Filmo» gezeigt werden. «Ein Film mit besonderem Solothurn-Bezug.»

Noch einmal der gedruckte Filmtage-Katalog

Viel mehr über das neue Programm will Hugi noch nicht verraten. «Wir sind momentan in einer heissen Phase. Das Programm steht. Eine starke Filmauswahl und eine illustre Jury für den Prix de Soleure ist bestimmt.» Es werde am 12. Dezember im Detail bekannt gegeben und der Vorverkauf eröffnet. «Doch es gibt noch etwas, was ich heute schon gerne bekannt geben möchte: Der gedruckten Filmkatalog und das Programmheft werden auch noch 2020 erscheinen.» Ursprünglich wurde nämlich angekündigt, dass es keine Print-Version des Kataloges mehr geben wird. «Wir verschieben dieses Vorhaben um ein Jahr. Ab 2021 wird für den gedruckten Katalog ein Film-Magazin erscheinen und die digitale Kommunikation via unsere umfassende Website, App und Social Media wird weiter ausgebaut. Beruhigt haben sich die Solothurner Filmtage an der Sponsoring-Front. «Glücklicherweise können wir mit drei Hauptsponsoren rechnen.» Dazu kämen etliche kleinere, auch regionale treue Sponsoren und Partner, auf die man nicht verzichten möchte.

Die Solothurner Filmtage sollen also bleiben, was sie immer schon waren: eine Werkschau des Schweizer Films. «Klar stehen wir auch in Konkurrenz mit anderen Festivals, insbesondere mit internationalen A-Festivals, wie die Berlinale Mitte Februar, was Premieren betrifft», sagt Hugi. Doch sie unterstreicht: «Andere Festivals können nie der Begegnungsort für den Schweizer Film sein, wie es Solothurn seit 55 Jahren ist. Hier wird Wert auf Nachhaltigkeit, Hintergrund und auf Begegnung gelegt. «Wir setzen auf Amour statt Glamour – die Liebe zum Schweizer Film.»

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