Ständeratswahlen

Mit Gewerbepolitik ists nicht getan

Tritt von der Bühne des Ständeratswahlkampfs 2015 ab: FDP-Kandidatin Marianne Meister verzichtet auf den 2. Wahlgang.

Tritt von der Bühne des Ständeratswahlkampfs 2015 ab: FDP-Kandidatin Marianne Meister verzichtet auf den 2. Wahlgang.

Analyse zum Ausstieg des Solothurner Freisinns aus dem zweiten Ständerats-Wahlgang.

Wenns auf das persönliche Feuer angekommen wäre, dann müsste der Wahlkampf erfolgreich gewesen und Marianne Meister am Wochenende als Ständerätin gewählt worden sein. Wer die Geschäftsfrau, Kantonsrätin und Gemeindepräsidentin von Messen bei ihren zahllosen Wahlveranstaltungen erlebt hat, kann ihr eines nicht absprechen: ein aussergewöhnliches persönliches Engagement.

Dazu kam eine Wahlkampagne, die bezüglich Ausmass und Aufwand im Kanton ihresgleichen suchte. Ihre Partei, die FDP, sowie interessierte Verbände investierten zugunsten der kantonalen Gewerbeverbandspräsidentin offensichtlich beträchtliche Summen und zogen auf verschiedensten Kanälen alle Register für die Ständeratskandidatin. Für Meister sprach schliesslich auch eine politische Grosswetterlage, die der FDP einen grösseren Wählerzulauf versprach. «Marianne machts», glaubte am Ende wohl nicht nur das engste Umfeld der Kandidatin, sondern auch ihre Partei.

Vorhandene Defizite sichtbar – trotz ernsthaften Bemühens

Von all dem profitieren konnte Marianne Meister letztlich aber nicht wirklich: Im Rennen gegen drei auf der nationalen Bühne erfahrene Politiker – je einen Bisherigen von CVP und SP und einen Herausforderer von der SVP – hatte die Kantonsrätin einen schweren Stand. Spätestens bei direkten Begegnungen der vier Kandidaten zeigten sich ihre Schwächen. Defizite, die trotz Meisters ernsthaften Bemühens und steten Dazulernens nicht zu kompensieren waren. Im Gegenteil: Mitunter entstand der Eindruck einer fehlenden Authentizität.

Auch der Spagat zwischen der Nationalratskandidatin Meister und der Ständeratskandidatin Meister führte dazu, dass es am Ende weder die eine noch die andere Marianne machen konnte. Als Nationalratskandidatin verkaufte sich die Gewerbeverbandspräsidentin bei jeder Gelegenheit überdeutlich als «Wirtschaftsliberale». Als Freisinnige, die nur darauf brannte, in Bern Gewerbepolitik zu betreiben, wie sie auch im Interview mit dieser Zeitung bekannte. Dass die Verbandsfunktionärin ihren Fokus nach der Wahl zur Ständerätin dann wie versprochen schon erweitern würde, nahmen ihr offensichtlich zu wenige Wählerinnen und Wähler ab.

Die Quittung: der letzte Platz von vier Kandidierenden – also sogar hinter SVP-Mann Walter Wobmann. Dass ein Aufholen für sie unmöglich ist, hat Meister realistisch erkannt und der Partei am Montag ihren Verzicht erklärt. Die FDP ihrerseits stand damit vor der Frage, die Segel zu streichen oder das «Pferd» zu wechseln. Doch leichter gesagt als getan: Für diese «Mission impossible» mochte letztlich niemand den Kopf hinhalten – und sich abschlagen lassen. Ernsthaft infrage gekommen wäre einzig der am Sonntag als Nationalrat ehrenvoll wiedergewählte Kurt Fluri. Der Solothurner selber hatte noch am Wahltag gesagt, dass die FDP unbedingt auch zur zweiten Runde antreten müsse.

Doch auch ein Kurt Fluri kann rechnen: In der Ausmarchung zwischen SVP-Kandidat Walter Wobmann und SP-Vertreter Roberto Zanetti wäre er chancenlos zerrieben worden. Fluri hätte zwar sein Nationalratsmandat ohnehin auf sicher gehabt – wäre aber erneut mit der Schmach einer Nichtwahl ins «Stöckli» belastet gewesen. Heute noch trägt der Erfolgsgewohnte schwer an seinem «Waterloo» bei den Ständeratswahlen 2011: Kein Wunder, dass er sich dies nicht noch einmal antun wollte.

Laut gut unterrichteter Quellen soll aber auch bei Kantonsrätin Anita Panzer bezüglich einer Sprengkandidatur eifrig sondiert worden sein. Erfolglos, wie man inzwischen weiss: Panzer, Gemeindepräsidentin von Feldbrunnen-St. Niklaus, mochte ihren Ruf als «Nachwuchshoffnung der FDP» nicht mit einer aussichtslosen Zweckkandidatur ruinieren.

Der vorzeitige Ausstieg ist eine weitere Schmach

Wie schon der Verlust des FDP-Ständeratssitzes im 2011, stellen die diesjährigen Ständeratswahlen – samt dem kampflosen vorzeitigen Ausstieg – eine weitere Schmach für die Parteispitze des einst staatstragenden, stolzen Solothurner Freisinns dar.

Immerhin, ihre liberale Ehre hat die FDP nicht verloren: Die Delegiertenversammlung hat für den zweiten Wahlgang vom 15. November Stimmfreigabe beschlossen. Dies ist weniger eine Absage an den «bürgerlichen Schulterschluss», wie von der SVP nun bitter beklagt wird. Vielmehr ist es die verdiente rote Karte für Walter Wobmann: Für einen Mann, dessen politische Taten und extreme Forderungen über weite Strecken mit liberalen Werten nicht zu vereinbaren sind.

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