Amtsgericht

Mit falschem Lohnauszug zu Kredit: Kroate scheitert erst mit drittem Versuch

Die Migrosbank durchschaute das Schema beim dritten Versuch. (Archiv)

Die Migrosbank durchschaute das Schema beim dritten Versuch. (Archiv)

Vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt musste sich ein 34-Jähriger wegen gewerbsmässigen Betrugs verantworten. Der in der Schweiz aufgewachsene Kroate hatte sich bei der Migros Bank mit gefälschten Dokumenten Kredite erschlichen.

Marinko S.* stand finanziell am Abgrund. Da kam ihm eine scheinbar gloriose Idee: Seine Tante sollte mit gefälschten Unterlagen im Internet bei der Migros Bank einen Kredit über 60 000 Franken beantragen. «Ich sagte Marinko, dass ich bei meinem kleinen Einkommen keinen so grossen Kredit bekommen werde», gab die Tante bei der polizeilichen Einvernahme zu Protokoll. «Er sagte mir, dass er jemanden kenne, der Lohnausweisfälschungen macht.»

Die Migros Bank schluckte den Köder, den er mithilfe eines albanischen Fälschers auslegte und zahlte 60 000 Franken. 2000 Franken behielt die Tante (sie ist bereits mittels Strafbefehl rechtsgültig verurteilt), den grossen Rest steckte Marinko S. ein.

Zweimal gings problemlos ...

Als das Geld verbraucht war, zog er das Schema auf den Namen seiner ahnungslosen Frau gleich nochmals durch. Der erneut beigezogene Fälscher machte sie ein paar Jahre älter, plötzlich war sie wieder ledig und sie verdiente sehr gut. Die Migros Bank biss wieder an und zahlte 80 000 Franken auf ein durch Marinko S. eingerichtetes «Haushaltskonto». Als es wieder eng wurde, versuchte es Marinko S. auf eigenen Namen. Nur hatte die Bank das Schema mittlerweile durchschaut. Es blieb beim versuchten Betrug.

«Ich wusste nicht, welche Dokumente mein Kollege der Bank einreichen muss», wehrte sich Marinko S. gegen den Vorwurf der Urkundenfälschung. Er habe auch keinen Betrug beabsichtigt. «Wenn die Scheidung nicht gekommen wäre, wäre es für uns möglich gewesen, die Raten zu zahlen. Ich wusste ja, was wir verdienen können», sagte der zweifache Familienvater. Da hakte Staatsanwältin Melanie Wasem nach: «Welches Einkommen haben sie 2011 versteuert?» «Nichts», musste Marinko S. zugeben.

Der 29-jährige albanische Urkundenfälscher, der bereits in 64 ähnlichen Fällen schuldig gesprochen wurde und soeben seine erste Nacht im Gefängnis verbracht hatte, zeichnete ein anderes Bild: «Wenn einer zu mir kam, dann wusste er ganz genau, was da abläuft. Es waren Leute, die auf dem normalen Weg keinen Kredit erhalten konnten. Die kamen extra zu mir, weil sie wussten, dass ich die Dokumente fälschte.»

So forderte die Staatsanwältin Schuldsprüche wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung sowie einer Reihe kleinerer Delikte. Sie forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon 12 Monate in Halbgefangenschaft mit elektronischem Monitoring zu verbüssen seien. So sei es ihm möglich, die neue Anstellung zu behalten und seine beiden Kinder regelmässig zu sehen.

Verteidigerin Melania Lupi betonte in ihrem Plädoyer primär die Opfermitverantwortung: «Die Migros Bank hat total versagt, ihr Geschäftsmodell war himmeltraurig. Die Bank hat einfach die Belege per Post entgegengenommen und nichts überprüft.» Lupi sah eine bedingte Strafe von 9 Monaten als angebracht. Im Vergleich mit anderen Urteilen seien 36 Monate unverhältnismässig.

«Marinko S. alleine hat mit diesem Schema seine Familienangehörigen tief in den Schlamassel gezogen», sagte Gerichtspräsident Stefan Altermatt in der Urteilseröffnung. Das sei besonders verwerfliches Verhalten. Den Vergleich mit anderen Urteilen liess er deshalb nicht gelten. Das Amtsgericht folgte der Anklage, sprach Marinko S. in allen wesentlichen Anklagepunkten schuldig und verurteilte ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten, von denen er 12 Monate in Halbgefangenschaft verbüssen muss. Zu den Schulden von fast einer Million Franken kommen nun noch die Kosten des Verfahrens und die Forderungen der Migros Bank dazu.

*Name von der Redaktion geändert

Meistgesehen

Artboard 1