Schon der Chefredaktor der Solothurner Zeitung sei über seine Gelassenheit nach der Abwahl am Wahlsonntag erstaunt gewesen, sagt Roland Borer, als sich der Moderator von «TalkTäglich» überrascht über die Lockerheit des SVP-lers gibt.

Er betont mehrmals, dass er nach dem Wahlsonntag nicht am Boden zerstört sei. «Je länger man in der Politik ist, umso mehr ist einem bewusst, wie unberechenbar sie sein kann», sagt der ehemalige Nationalrat in der Sendung. 

Das sei auch der Grund gewesen, wieso er mit einer Abwahl gerechnet habe. Moderator Stefan Schmid will darauf wissen, wieso der SVP-ler dann überhaupt nochmal kandidiert hätte? Schliesslich ist er nach 24 Jahren im Parlament definitiv ein Langzeitnationalrat und hätte nach seiner Karriere einen «würdevollen Abgang» hinlegen können.

«Ich wollte bei diesen Wahlen zuerst eigentlich gar nicht antreten», sagt Roland Borer. Die SVP sei aber auf ihn zugegangen und hätte ihn um eine erneute Kandidatur gebeten.

Bereits kurz nach dem Mittag war dem 64-Jährigen aus Kestenholz dann bereits klar, dass ihn das Volk nicht mehr nach Bern schicken wird.

Er habe nämlich die Resultate der ersten ausgezählten Gemeinden - «SVP-Hochburgen» - gesehen und gewusst, dass er nicht genug Stimmen erhalten würde.

SVP-Stimmen riefen zur Abwahl auf

Die Abwahl des Langzeitnationalrats wurde von seinen Parteikollegen nicht nur bedauert - im Vorfeld war sie sogar gefordert worden. Denn ein Komitee unter der Leitung von Kurt Küng, ehemaliger Parteipräsident der SVP Kanton Solothurn, hat während des Wahlkampfs dazu aufgerufen, Roland Borer von der Liste zu streichen und jüngeren Kandidaten die Stimme zu geben

Der ehemalige SVP-Präsident Kurt Küng sprach sich deutlich gegen die Wiederwahl von Roland Borer aus. Nun liegen zwei jüngere SVP-Kandidaten vorne im Rennen - ist Küng zufrieden?

Der ehemalige SVP-Präsident Kurt Küng sprach sich deutlich gegen die Wiederwahl von Roland Borer aus. Am Wahlsonntag lagen die jüngeren SVP-Kandidaten schon früh vorne im Rennen - und er war sichtlich zufrieden

Als Moderator Schmid seinen Gast auf genau diese Gruppierung anspricht, meint dieser bloss, mit einigen Herren aus der Partei sei «das Geschirr schon lange zerschlagen gewesen». Die Reaktionen «gewisser Kollegen» auf seine Kandidatur seien ihm bekannt gewesen. Zu Kurt Küng möchte er sich aber nicht weiter äussern.

Das Argument des Komitees, nach 24 Jahren sei es höchste Zeit für den Abgang des Langzeitnationalrats, scheint Roland Borer zu akzeptieren. Denn auch Politexperte Markus Balsiger sprach nach den Ergebnissen von der «Borer-Müdigkeit» und der «Dynamik» der jüngeren Kandidaten.

Der 64-Jährige ist sich bewusst, dass der Generationenwechsel im Parlament ein aktuelles Thema ist und stimmt der Aussage des Experten klipp und klar zu.

Kaffee trinken und «über die in Bern fluchen»?

24 Jahre sass der SVP-ler im Nationalrat - wie geht es nun weiter? Geht er nun in Pension? Die SVP ist für eine Erhöhung des Rentenalters und dieser Forderung will Roland Borer mit gutem Beispiel vorangehen.

«Wenn ich schon sage, dass wir in Zukunft nicht mehr mit 65 in Rente gehen können, so will ich selbst auch länger arbeiten», so der 64-Jährige. Er wird seine Arbeit als Unternehmensberater weiterführen. Schliesslich habe er gesunde Hände und einen gesunden Kopf.

Auch wird er weiterhin der Volkspartei angehören, sagt er - als «Mitglied XY». Für seine Nachfolger, die künftig die SVP in Bern vertreten werden, findet er ausserdem nur lobende Worte.

Es sei auch nicht sein Naturell, sich über andere Politiker negativ zu äussern, beantwortet er die Frage, ob er nun eine Gruppe mit anderen ehemaligen Parlamentarier gründen würde, um über «die in Bern» zu fluchen.

Gerade der frisch gewählte Christian Imark erhält Unterstützung von Roland Borer. Der 33-Jährige sei ehrlich und behandle andere Politiker mit Respekt.

Der ehemalige Nationalrat geht deshalb davon aus, dass sein Nachfolger aus dem Schwarzbubenland seine Sache in der grossen Kammer noch besser machen wird, als er selbst. (nka)

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Sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» mit Roland Borer

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