A1-Ausbau

Mit einem Tunnel im Gäu kämen 200 Einsprachen vom Tisch

Bestenfals 2022 sollen die Arbeiten zum Ausbau der A1 auf sechs Spuren starten.

Bestenfals 2022 sollen die Arbeiten zum Ausbau der A1 auf sechs Spuren starten.

Das Verdikt aus Bern war eigentlich klar: Auf die Forderungen aus Solothurn, die auf sechs Spuren ausgebaute A1 teilweise zu untertunneln, wird nicht eingetreten. Inzwischen laufen aber wieder Verhandlungen. Bauern, Gäuer Gemeinden und Umweltverbände hegen neue Hoffnungen, dass sie sich doch noch durchsetzen könnten.

Bauern, Umweltverbände und Gäuer Gemeinden kämpfen gemeinsam dafür, dem Bund beim Ausbau der A1 zwischen Härkingen und Luterbach doch noch Zugeständnisse für eine umweltfreundlichere Variante abzuringen. Jetzt stellen sie in Aussicht, sämtliche Einsprachen im laufenden Plangenehmigungsverfahren zurückzuziehen, wenn das Bundesamt für Strassen (Astra) in einem sogenannten Parallelverfahen für alle Seiten akzeptable Optimierungen präsentiert und die Kurzvariante für eine Untertunnelung nicht ganz vom Tisch ist. Parallelverfahren meint: Das Ausbauprojekt müsste nicht neu aufgelegt werden, der Autobahn-Ausbau könnte ohne allzu grosse Verzögerungen realisiert werden, während andernfalls ein langwieriger Gang durch die Instanzen absehbar ist.

Bund zeigt zumindest Gesprächsbereitschaft

Rückblende: Der Bundesrat ist nicht auf die Solothurner Forderungen eingegangen, die auf sechs Spuren ausgebaute Autobahn im Gäu zu untertunneln. Zusätzlich geprüft, aber ebenfalls verworfen wurde auch eine von zwei Kilometern auf 500 Meter abgespeckte Tunnelvariante. Zu teuer: Das Astra bezifferte die Mehrkosten für das 900-Millionen-Projekt auf 135 Millionen Franken. Die Zahl ist umstritten, manche Fachleute glauben, der 500-Meter-Tunnel wäre für 50 Millionen zu haben. Auf Initiative von SP Nationalrat Philipp Hadorn ist es gelungen, Anfang Jahr alle Akteure an einem runden Tisch zu versammeln.

Das Astra stieg zwar nicht plötzlich doch noch auf die Tunnelforderung ein, zeigte sich aber zumindest bereit, die Kosten dafür von unabhängiger Seite noch einmal neu rechnen zu lassen. Bei einer nächsten Zusammenkunft im Juni brachte das Astra dann noch eine Alternative ins Spiel: Man sei bereit, auch die Möglichkeit einer sogenannten Einhausung der Autobahn zu prüfen, die zu weniger Lärmimmissionen für das besonders betroffene Siedlungsgebiet führen würde. Einhausung meint: Die Fahrspuren würden zwar nicht unterirdisch verlaufen, aber von einer Art Walm überdeckt, der bewachsen wäre und die Autobahn für 500 Meter in einer Art künstlichem Hügel verschwinden liesse.

Bei Einlenken kämen Einsprachen vom Tisch

Nun galt es, die Modalitäten für das weitere Vorgehen festzulegen. Wie Nationalrat Philipp Hadorn rapportiert, hat vergangene Woche wieder ein Treffen mit Vertretern von Gemeinden, Bauernverband und Umweltverbänden (ohne Astra) stattgefunden, an dem man das Planungsprogramm des Astra für die Prüfung der Variante Einhausung zur Kenntnis nehmen konnte.

Die Berechnungen dazu sollen im Dezember auf dem Tisch liegen. Und die Parteien des runden Tischs haben einen bemerkenswerten Beschluss gefasst: Sollte man sich mit dem Astra auf Optimierungen mit Einhausung und Untertunnelung von je 500 Metern einigen können, verpflichten sich alle involvierten Organisationen, bei «ihren Leuten» darauf zu drängen, alle Einsprachen gegen das vorliegende Ausführungsprojekt zum A1-Ausbau zurückzuziehen.

Gleichzeitig könnte für das neu erforderliche Planungsverfahren eine schnelle Variante angepeilt werden, womit nur eine geringe Verzögerung riskiert würde. Erst recht, wenn man berücksichtigt, dass auf einen Schlag fast 200 Einsprachen vom Tisch wären, bei denen das Astra damit rechnen müsste, dass sie bis vor Bundesgericht gezogen würden. Auch bei mageren Erfolgsaussichten hätte das zumindest massive Verzögerungen des Ausbaus zur Folge, der im besten Fall 2022 starten und bis 2030 dauern soll.

Ob es zu einer solchen Einigung kommen wird, steht freilich in den Sternen, die Vorstellungen liegen doch nach wie vor weit auseinander. Bemerkenswert lässt sich das Angebot dennoch schon heute nennen, weil die spezifischen Interessenlagen der in die Einspracheverfahren involvierten Organisationen zum Teil ziemlich unterschiedlich sind und es auch Kreise gibt, die den Autobahnausbau auch heute noch ganz verhindern möchten. Selbst bei grosszügigen Zugeständnissen von Bundesseite müssten also die einen oder anderen über einen grossen Schatten springen.

Dass man seine Haut dabei so teuer wie möglich verkaufen will, versteht sich von selbst. Nationalrat Philipp Hadorn, Initiant des runden Tischs, macht keinen Hehl daraus, dass man im Dezember wohl kaum auf die dort ausgehandelte und nach wie vor offene Option verzichten wird, die Kosten für die Tunnelvariante doch noch einmal neu rechnen zu lassen – egal, welche Alternative mit dem Astra auch genau erarbeitet wird.

Die Überlegung dahinter liegt auf der Hand: Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass eine Untertunnelung doch auch etwas günstiger zu machen wäre als ursprünglich berechnet, wären die Mehrkosten dem Bund vielleicht sowohl eine Kurzuntertunnelung als aiauch eine Eindeckung von je 500 Metern Wert, wenn er dafür die Forderung nach der 2000-Meter-Tunnelvariante und die ebenfalls kostentreibenden Einspracheverfahren vom Tisch bekommt.

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Autor

Urs Moser

Urs Moser

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