Für Selina Davatz war die Berufswahl wie der Kauf von Haarshampoo: «Die Auswahl ist riesig und im ersten Moment ist man überfordert». Am Freitagabend hielt Davatz, Fachspezialistin Energieeffizienz bei der Migros Aare, im Sommerhaus de Vigier in Solothurn die Festrede, als der kantonale Gewerbeverband und die Handelskammer mit Unterstützung des Kantons die diesjährigen Spitzenleistungen in der Berufslehre feierten.

Unter den 2267 Kandidatinnen und Kandidaten mit einem im Kanton abgeschlossenen Lehrvertrag haben 36 mit der Note 5,5 oder besser abgeschnitten. «Echte Spitzenleistungen», hielt Landammann Remo Ankli in seinem Grusswort fest. «Das Erfolgsgeheimnis ist und bleibt die Verbindung von praktischer Ausbildung in Lehrbetrieben und den praxisbezogenen überbetrieblichen Kursen mit dem berufskundlichen und allgemein bildenden Unterricht an den Berufsfachschulen», so der Bildungsdirektor. Für Handelskammerdirektor Daniel Probst zeigt sich der Erfolg darin, dass die Schweiz an den Berufsweltmeisterschaften ein Vielfaches der Medaillen holt, als ihr dies an den Leichtathletik-WM gelingt.

Besonders ausgezeichnet wurden neben Michelle Artho, die die beste Abschlussnote im Kanton erreichte, vier Lehrabgänger mit jeweils der Note 5.7:

  • Nicole Olivia Marti (Grenchen), die bei Urs Leimer Immobilien in Grenchen ihre Lehre als Kauffrau abschloss.
  • Lea Loretz (Trimbach), die bei der Firma Hermann Lebensmittel in Trimbach ihre Lehre als Detailhandelsassistentin absolvierte.
  • Fabian Germann (Welschenrohr), der als Mediamatiker bei der Swisscom in Bern ebenfalls die Note 5,7 erreichte.
  • Daniel Ackermann (Matzendorf), der seine Lehre als Anlageführer beim Mitgros-Verteilbetrieb in Neuendorf ebenfalls ausgezeichnet abschloss.

«Das Schweizerische Berufsbildungssystem hält uns allen viele Türen offen», sagte Rednerin Davatz und zeigte diesen Weg am eigenen Beispiel: Zuerst absolvierte sie eine Lehre als Konstrukteurin, dann ging ihr beruflicher Weg an der Fachhochschule weiter. «Wichtig ist aber: Überlegt euch immer wieder, was euer Optimum wirklich ist.» Zwei der vier 5,7-Absolventen haben übrigens bewiesen, dass es durchaus nicht negativ sein muss, einen einmal begonnen Weg zu überdenken: Nicole Marti hatte nach der Matur ein Studium begonnen, sich dann aber nach einem Jahr für die Lehre entschlossen. Daniel Ackermann konnte die zuerst begonnen Lehre als Bäcker nach einem Todesfall im Lehrbetrieb nicht weiterführen. Per Zufall hörte er von der Lehrstelle bei der Migros; laut seiner Mutter «der beste Zufall, den es je gegeben hatte». Fleiss und Ehrgeiz kamen neben dem Zufall noch dazu. Bei allen Ausgezeichneten wurde auch die Unterstützung durch den Lehrbetrieb erwähnt.

Um die Rolle der Lehrbetriebe besonders zu würdigen, wurde am Freitagabend – stellvertretend für alle anderen Lehrbetriebe, aber auch im Besonderen, wie Gewerbeverbandsgeschäftsführer Andreas Gasche festhielt, ein Lehrbetrieb besonders hervorgehoben; nämlich Roland und Monika Rudolf von Rohr, die in ihren Drogerien in Olten, Grenchen und Lostorf schon über 50 Lernende ausgebildet haben.(lfh)