Gäu
Mit Drohnen macht Alpiq Jagd auf Risse in Strommasten

Von oben geht es besser, einfacher – und kostengünstiger: Deshalb setzt die Alpiq EnerTrans AG regelmässig Drohnen für die Überprüfung von Leitungsmasten ein.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Christoph Birchmeier bringt den Flugroboter zum Startplatz
10 Bilder
Flugroboter sucht die Mästen der Hochspannungs-Leitungen im Gäu ab
Andreas Junker steuert den Flugroboter, Christoph Birchmeier kontrolliert die Kamera
Andreas Junker pilotiert den Flugroboter
Die Drohne kreist über dem Starkstrom-Masten und macht Fotos
Die Drohne kreist über dem Starkstrom-Masten und macht Fotos
Cristoph Bischmeier und Andreas Junker landen den Flugroboter

Christoph Birchmeier bringt den Flugroboter zum Startplatz

Hans Peter Schläfli

Es summt und brummt, als würde ein Schwarm Hornissen über die Köpfe der Kamele fliegen. Diese exotischen Tiere mit zwei Höckern drehen den Kopf nach dem seltsamen Geräusch, aber nicht etwa in der schönen ägyptischen Oase Siwa, sondern auf dem Schlatthof im noch schöneren Gäu. Und es sind keine Hornissen, sondern es ist ein oranger Hexakopter, der da seine Runden dreht.

Das Ganze sieht aus wie ein Kinderspiel. Andreas Junker und Christoph Birchmeier haben einen echten Traumjob. Bei gutem Wetter gehen sie raus in die Natur und lassen irgendwo in der Schweiz ihre orange Drohne fliegen. «Wir sprechen lieber von einem Flugroboter», erklärt Birchmeier, der als Projektleiter bei der Firma Alpiq EnerTrans AG arbeitet. Drohne, das sei ein negativ belasteter Begriff. Und irgendwo ist auch nicht ganz korrekt, denn die beiden Leitungsspezialisten reisen gezielt den Hochspannungsleitungen nach, die sie inspizieren müssen. Bei schlechtem Wetter, wenn der Flugroboter mit der hochauflösenden Kamera nicht starten kann, werten die beiden im warmen Büro die Bilder aus. In der vergangenen Woche kontrollierten sie so im Auftrag der Aare Energie AG den Zustand der Betonmasten der Hochspannungsleitung durch das Gäu.

Hexakopterpilot wurde Andreas Junker aber nicht etwa, indem er sein Hobby zum Beruf machte. Früher stieg der Chefmonteur über Leitern auf die Masten. Das war sehr aufwendig und die Hochspannungsleitungen mussten aus Sicherheitsgründen für Stunden ausgeschaltet werden, was viel Geld kostete. Das ist dank den Flugrobotern nur noch dann nötig, wenn es tatsächlich einen Schaden zu reparieren gibt.

Ganz oben auf den Masten in Wolfwil verlaufen die Leiterseile der SBB mit 132'000 Volt, darunter befinden sich die Leitungen der Aare Energie AG mit 50'000 Volt, welche die Wasserkraftwerke Flumenthal und Gösgen verbinden. «Wir haben nur ein paar unbedeutende Betonausbrüche an den Auslegern der Masten gefunden», zieht Christoph Birchmeier eine erfreuliche Bilanz der Kontrollen. Er sind keine Schäden durch Blitzeinschläge und keine ernsthaften Alterserscheinungen an den Betonmasten aufgetaucht. Das bedeutet, dass es genügen wird, die knapp 20-jährigen Masten bei der kommenden Sanierung mit einer hydrophoben, also wasserabstossenden Farbe zu bestreichen, damit der Regen nicht in die feinen Risse eindringen kann. «Gefrierendes Wasser könnte den Beton aufsprengen», erklärt Junker diese simple Schutzmassnahme. «Danach sind die Masten wieder für etwa 15 Jahre geschützt. Durch Blitzeinschlag beschädigte Isolatoren oder Blitzableiter müssten wir aus Sicherheitsgründen relativ rasch auswechseln.»

Früher wurden solche Kontrollen mit einem grossen Helikopter gemacht, der von einem Masten zum anderen «hüpfte» und mit einer schwenkbaren Spezialkamera die Ausleger, die Leiterseile und die Isolatoren nach Schäden absuchte. «Mit einem solchen neuartigen Flugroboter sind die Kontrollen deutlich billiger und vor allem auch viel umweltschonender», erklärt Christoph Birchmeier, warum Alpiq das Verfahren umgestellt hat. «Die Aufnahmen, die wir jetzt machen können, sind sogar noch detaillierter, weil wir mit dem Flugroboter viel näher an die Leitungen fliegen können.» Der Helikopter steht jetzt nur noch bei grossen Inspektionen im Einsatz, wenn Alpiq zum Beispiel mit einem Lidar-Lasersystem die Abstände der Vegetation zu den Leitungen exakt vermessen will.