Bombendrohungen, Amokläufe, Unfall im Chemielabor – Schreckensmomente, die sowohl Schüler als auch Lehrer nicht erleben wollen. Doch wie soll man in Ausbildungsstätten vorgehen, wenn es tatsächlich Mal zu so einer Krisensituation kommen sollte?

Im Kanton Solothurn gibt es seit 2011 in jeder Schule den Ordner «Krisen und Notfälle an Schulen», welcher den Schulleitungen Handlungsabläufe und Notfallnummern für solche Situationen aufführt. Doch sind diese Unterlagen notfalls auch präsent und zugänglich? Bildungsdirektor Remo Ankli betont: «Die Zeit ist ein zentraler Faktor beim Krisenmanagement.» Um gerade mit diesem Faktor mithalten zu können, stellt das Bildungsdepartement seit Montag allen kantonalen und kommunalen Schulen kostenlos eine Notfall-App zur Verfügung. Für Schulbehörden und Lehrer bietet die App auf dem persönlichen Smartphone einen schnellen Zugang zu Notanweisungen.

Digitalisiert Krisen managen

Die Notfall-App, welche übersichtlich und bedienerfreundlich gestaltet ist, übernimmt mehrere Funktionen: Sie bietet Handlungsanweisungen bei einer Auswahl unüblicher Notfälle wie etwa bei Bombendrohungen, Geiselnahmen oder Amokläufen. Gleichzeitig enthält sie auch direkt anwählbare Notrufnummern der Blaulichtorganisationen. Stefan Ruchti, Vorsteher des Amtes für Berufsbildung, erklärt die wohl wichtigste Eigenschaft der App: «Sie zeichnet sich aus durch die customized, also kundengerecht angefertigte, Bedienung.» So kann ein Lehrer eine Kontaktliste für eine Krisensituation erstellen, zum Beispiel bei einer Schulreise. Bei einem Notfall werden dann alle Kontakte per Knopfdruck gleichzeitig informiert.

Notfallapp für Solothurner Schulen

Notfallapp für Solothurner Schulen

Nach der letztjährigen Bombendrohung ziehen die Schulbehörden Konsequenzen. Mit einer App soll sichergestellt werden, dass alle richtig reagieren.

Der Entscheid, ob die App in der Schule Gebrauch finden soll, liegt bei den jeweiligen Schuldirektionen. Einzig die vier kantonalen Schulen – die Kantonsschulen und Berufsbildungszentren – haben sich schon verpflichtet, die App einzuführen. Seit gestern ist die Solothurner Version der Notfall-App erhältlich. Die kommunalen Schulen, die heute an einem Schulleitungsforum über die App informiert werden, erhalten Zeit, um den Entscheid zu treffen.

«Alle Lehrer mit Smartphone»

Die App, die vom Zürcher Bildungsdepartement entwickelt wurde und dort seit zwei Jahren gebraucht wird, wurde für 23 000 Franken angekauft vom Kanton Solothurn. Die jährlich wiederkehrenden Kosten werden auf rund 16 500 Franken geschätzt. Keineswegs billig, wo diese Investition doch auf der Annahme beruht, dass alle Lehrer jederzeit ein Smartphone mit sich haben, welches nur online über alle Funktionen der Notfall-App verfügt. Lehrer sollen also nicht wie die Schüler ihr Smartphone während des Unterrichts ausschalten. Weiter bekommt nicht jeder einzelne Lehrer im Kanton einfach so Zugriff auf die App. Sie muss durch die Schulleitung von der Bildungsdirektion bezogen werden. Bei Lehrern mit niedrigem Pensum, die zufälligerweise gerade keine Schulreise leiten, sollten bestenfalls keine Notfälle geschehen, bei denen diese App von Vorteil wäre.

Nicht vergessen sollte man, dass alle Schulen weiterhin an schuleigenen Krisenkonzepten feilen müssen. Stefan Ruchti nennt ein Beispiel, welches fortlaufend Verbesserung erfordert: «Umbauarbeiten erfordern eine Erhöhung und Verbesserung der Sicherheitsmassnahmen an den Schulen.» So sind grosse Umbauten, wie etwa momentan bei der Kantonsschule Olten, immer noch ohne App zu bewältigen.