Im markanten Geschäftshaus in der Solothurner Weststadt schlägt das Herz vieler Kranken- und Unfallversicherer der Schweiz. Es beherbergt mit der Centris AG einen hoch technisierten Betrieb, mit dem etwa jede vierte in der Schweiz lebende Person in Kontakt kommt, ohne es zu wissen.

Denn 21 mittlere und grosse Versicherer haben ihre IT entweder komplett oder teilweise an die Solothurner Firma ausgelagert. Durchschnittlich 50 000 Rechnungen pro Tag oder rund 19 Millionen im Jahr werden in Solothurn bearbeitet und auf ihre Richtigkeit kontrolliert. Die Belege treffen auf elektronischem Weg in Solothurn ein.

«Die Abrechnungen von zwei Millionen Versicherten werden hier verarbeitet», erklärt Centris-Chef Patrick Progin. Zudem managt Centris das Geschäft der Verarbeitung von Policen und Prämienrechnungen der Kunden. Jährlich werden 35 Millionen A4-Papierseiten gedruckt und verschickt.

Kein Wunder, spricht Progin wiederholt von «Fabrik» oder «industrieller Produktion». «Im Bereich des ausgelagerten Massengeschäfts der Kranken- und Unfallversicherer sind wir Marktführer.»

Neue Besitzstruktur

Um diese Spitzenposition halten zu können, tut sich einiges im designermässig gebauten und eingerichteten Bürohaus. So wurde auf Anfang Jahr die Besitzstruktur verändert. Centris wurde bisher zu 100 Prozent von der Stiftung Reso (Rechenzentrum Solothurn) gehalten. Diese wiederum ist im Besitz der fünf Destinatäre Swica, ÖKK, EGK, Aquilana und Innova.

Neu sind diese Versicherer direkt mit je 16 Prozent an der Centris AG beteiligt. Die Stiftung ist noch mit 10 Prozent engagiert. Die restlichen 10 Prozent sind für Mitarbeitende reserviert. Allerdings bleiben damit unverändert die Kunden der Centris AG gleichzeitig deren Mehrheitseigentümer, was allenfalls zu Zielkonflikten führen kann.

Progin hält fest, dass die jetzige Konstellation vielmehr ein gesundes und nachhaltiges Wachstum ermögliche. «Das Investment in Centris ist nämlich langfristig auf Wertvermehrung und nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet», sagt er. Und um die Position als IT-Dienstleisterin langfristig zu sichern und auszubauen, benötige man eine zeitgemässe Kapitalstruktur. «Sie erlaubt es neuen Partnern, Anteile zu erwerben.»

Konkurrenzdruck steigt

Gleichzeitig müsse sich Centris auf neue Marktgegebenheiten ausrichten. Einerseits finde unter den Krankenkassen eine Konsolidierung statt, so Progin weiter. Es sei möglich, dass diverse Kassen sich zusammenschliessen werden, der Markt wachse nicht mehr. Zudem werde der Konkurrenzdruck für IT-Dienstleister in der Branche härter.

Progin erwähnt etwa den Markteintritt von Swisscom. Als Reaktion auf die Marktentwicklung sei es gelungen, die bestehenden Kunden mit der Verlängerung der Verträge bis 2025 langfristig zu binden. «Dazu haben wir ein attraktives Preismodell erarbeitet», berichtet Progin. Mit anderen Worten, Centris gewährte Preisnachlässe.

Gleichzeitig sei die Zusammenarbeit mit der St. Galler Softwareherstellerin Adcubum mit einem langfristigen Partnervertrag gefestigt worden. Die Ostschweizer sind Lieferant der Software für die Kernapplikation der «Swiss Health Platform» von Centris.

Hinzu soll die Akquirierung von Neukunden intensiviert werden, um mit einem grösseren Wachstum Skaleneffekte zu erzielen. Zur besseren Abdeckung der Westschweiz sei zudem auf Anfang Jahr in Lausanne eine Niederlassung eröffnet worden.

Umsatz bei 54 Millionen Franken

«Mit diesem Massnahmenpaket sind wir gut unterwegs, um unsere Spitzenposition verteidigen zu können», blickt Progin optimistisch nach vorne. In den vergangenen Jahren habe sich die Centris stetig weiterentwickelt. So sei der Umsatz kontinuierlich auf 54 Millionen Franken gestiegen.

Die Belegschaft sei von 120 Mitarbeitenden im 2005 auf aktuell über 200 gestiegen. Damit zähle die Centris zu den wichtigsten privaten Arbeitgebern im Raum Solothurn. Zudem vergebe man auch regelmässig Aufträge an andere Software-Dienstleister in der Region.

Qualifiziertes Personal gesucht

Wie die auf der Homepage zahlreich ausgeschriebenen Stellen zeigen, wird der Personalbestand weiter ansteigen. Centris beschäftige mehrheitlich hoch qualifiziertes und spezialisiertes Personal in den Bereichen IT sowie Kranken- und Unfallversicherungsgeschäft, streicht Progin die Attraktivität als Arbeitgeberin hervor. Dazu erwähnt er die Fluktuationsrate von rund 8 Prozent.

Bei Dienstleistern im IT-Umfeld liege diese durchschnittlich bei 15 Prozent. Um die Fachkräfte auch rekrutieren zu können, biete das Unternehmen gesamthaft acht Lehrstellen für angehende Informatikerinnen und Informatiker. Als ebenso wichtig bezeichnet er die Aus- und Weiterbildung der bestehenden Belegschaft.

«Wir investieren viel Geld, damit unsere Angestellten in ihren Tätigkeiten zu den Besten gehören.» Konkret schicke man die Mitarbeitenden in über 6300 Stunden Weiterbildung. «Das entspricht 4,3 Tage pro Angestellten oder fast eine Arbeitswoche.»