Die Zukunft der Bahnlinie zwischen Solothurn und Moutier ist derzeit mehr als ungewiss. Weil die Sanierung des Weissensteintunnels rund 170 Millionen Franken kosten soll, zieht der Bund eine Stilllegung in Betracht. Doch nicht nur hier fährt eine Bahn nahe am Abgrund: Immer wieder und schon seit langem wird diskutiert, ob die mässig frequentierte Bahnlinie Sissach–Olten eingestellt wird.

Dem Läufelfingerli sitzt zwar keine teure Tunnelsanierung im Nacken, doch auch hier dümpelt der Kostendeckungsgrad unter 30 Prozent. Und Ärger droht gleich von mehreren Seiten. Mal ist es die Baselbieter Regierung, die mit der Stilllegung droht. Dann tritt der Bund auf den Plan und prüft, ob das Läufelfingerli durch eine Buslinie ersetzt werden könnte. Allerdings haben sich die SBB nun etwas Besonderes einfallen lassen, um die Frequenz auf der Linie S9 zu steigern: Ein Detektivspiel soll Familien ins Läufelfingerli locken. Gemeinsam mit Tim und Lena, zwei fiktiven Figuren, können Kinder auf einer Bahnfahrt nach einem verschwundenen Adler suchen.

In einem Comicheft wird die Geschichte des Adlers mit bunten Bildchen illustriert, daneben sind Ausflugstipps zu finden. Und an den Bahnhöfen zwischen Trimbach und Diepflingen hängen Plakate mit grossen Buchstaben. Wer diese zu einem Lösungswort zusammenfügt, kann an einer Verlosung teilnehmen und erhält am Bahnhof ein Geschenk.

Niemand fühlt sich zuständig

Welche Ziele verfolgen die SBB mit den kleinen Hobby-Detektiven? «Wir versuchen damit, die schwach frequentierte S-Bahn-Linie zwischen Sissach und Olten insbesondere an Wochenenden und tagsüber besser auszulasten», sagte SBB-Sprecherin Lea Meyer in der Basler Ausgabe der «Schweiz am Sonntag». Wie viele Bahnkunden das Angebot bereits genutzt haben, wollen die Bundesbahnen nicht sagen. Auf Anfrage erklärt Sprecherin Meyer einzig: «Die Aktion ist positiv aufgenommen worden.» Könnte ein ähnliches Angebot auch der Linie Solothurn–Moutier zu neuem Schwung verhelfen? Das scheint eher unwahrscheinlich.

Die Bundesbahnen verweisen bei entsprechenden Fragen an die BLS. Zwar werden die Züge auf der Strecke – die sich im Besitz der BLS befindet – seit vier Jahren von den SBB geführt, doch für Marketing und Bewirtschaftung sei weiterhin die BLS zuständig. Dort verweist die Pressestelle allerdings wiederum an die SBB, die ja für den Betrieb verantwortlich sei. Kurz, niemand fühlt sich zuständig.

«Derzeit kaum gefährdet»

Wenn der Kostendeckungsgrad einer Bahnlinie unter 30 Prozent liegt, muss die Umstellung auf einen Busbetrieb geprüft werden. Das hat der Bundesrat im Jahr 2013 beschlossen. Es gehe darum, das Geld der Steuerzahler im öffentlichen Verkehr effizienter einzusetzen. Betroffen sind 17 regionale Bahnlinien, darunter auch Solothurn-Moutier und Olten-Sissach.

Doch Passagiere des Läufelfingerlis können vorerst wohl aufatmen: «Die Linie ist derzeit kaum gefährdet», sagt Ludwig Dünbier vom Solothurner Amt für Verkehr und Tiefbau. Bahnhöfe und Rollmaterial sind vor wenigen Jahren erneuert worden. Zudem ist die alte Hauenstein-Linie für den Fernverkehr noch immer von Bedeutung, bei Problemen im Hauenstein-Basistunnel dient diese nämlich als Umleitungsstrecke. Erst ein neuer Juradurchstich könnte sie entbehrlich machen. Bis es so weit kommt, muss die Infrastruktur in gutem Zustand gehalten werden.

Laut «Schweiz am Sonntag» ist die schlechte Auslastung des Läufelfingerlis möglicherweise auch auf ein planerisches Problem zurückführen: Die Linie führt durch zwei Tarifzonen. Das Basler «U-Abo» ist nur von Sissach bis Läufelfingen gültig, die Solothurner «A-Welle» nur von Olten bis Läufelfingen. Daran ändert auch eine Werbeaktion der SBB nichts.