Kanton Solothurn

Mit der WHO gegen Corona: Die Solothurner Spitäler nehmen an der Studie «Solidarity» teil

Im Kampf gegen das Coronavirus sammelt die WHO Patientendaten aus verschiedenen Ländern.

Im Kampf gegen das Coronavirus sammelt die WHO Patientendaten aus verschiedenen Ländern.

Das Bürgerspital in Solothurn und das Kantonsspital in Olten sind Teil der internationalen Studie «Solidarity» der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das Projekt soll in den kommenden Tagen anlaufen.

Mit welcher Therapie kann Coronapatienten in den Spitälern am besten geholfen werden? Wissenschaftler aus der ganzen Welt suchen momentan mit Hochdruck nach der Antwort auf diese Frage. Noch gibt es gegen das Coronavirus keine etablierten Therapiekonzepte. Das soll sich möglichst schnell ändern, und auch das Kantonsspital in Olten und das Bürgerspital in Solothurn wollen dazu beitragen: Die beiden Spitäler sind Teil eines Projektes der WHO, das in den kommenden Tagen anlaufen soll.

Austausch von Wissen und Zugang zu Medikamenten

Im Rahmen der Studie mit dem Namen Solidarity werden vier unterschiedliche Therapien gegen das Coronavirus miteinander verglichen. Getestet werden das Medikament Remdesivir, das im Kampf gegen Ebola eingesetzt wird, das Malariamedikament Chloroquin und zwei Kombinationen aus den Medikamenten Iopinavir und Ritonavir, die gegen HIV verabreicht werden. Insgesamt nehmen 16 Krankenhäuser in der Schweiz an der klinischen Studie teil. Die Studie wird vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt, das Universitätsspital Lausanne und das Bundesamt für Gesundheit koordinieren die Teilnahme der Schweizer Spitäler.

Bei der Solothurner Spitäler AG (soH) ist Matthias Hoffmann für Studie der WHO verantwortlich. Er ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Infektiologie und leitender Arzt der Abteilung für Infektiologie am Kantonsspital in Olten. Hoffmann hat bereits an mehreren ähnlichen nationalen und internationalen Studien mitgearbeitet.

Für die Teilnahme an der Studie der WHO sprechen laut Hoffmann verschiedene Gründe, unter anderem der notwendige Austausch von Wissen zwischen den Spitälern. «Anstatt dass jedes Spital eine eigene Therapie durchführt, ist es aufgrund der wenigen Daten sinnvoll, das Wissen um die Wirksamkeit systematisch in einer Studie zu bündeln», schreibt Hoffmann. Zwar würden einige Therapieansätze, die in den kantonalen Spitälern angewandt werden, einen Nutzen versprechen. Auf ihre Wirksamkeit geprüft seien die Therapien allerdings nicht.

Mit der Teilnahme an der Studie teilt die soH ihre Erfahrungen mit den vier möglichen Therapien gegen das Coronavirus zusammen mit anderen Spitälern aus der ganzen Welt mit der WHO. Die Organisation erhält dadurch Zugriff auf die Daten tausender Patienten und kann so erkennen, welche Medikamente sich als besonders wirksam erweisen. Dieses Wissen teilt sie wiederum mit den Spitälern und diese können sich so schnell für die wirksamste Therapie entscheiden. Neben dem Wissensaustausch gibt es noch einen weiteren Grund, der dafür spricht, dass die soH bei dem Projekt der WHO mitmacht: «Die Teilnahme ermöglicht den Zugang zu Substanzen, welche zwar vielversprechend erscheinen, jedoch nicht auf dem freien Markt erhältlich sind», erklärt der Infektiologe Matthias Hoffmann. Und nicht zuletzt ist es für ihn auch ein Zeichen der Solidarität. «Es gibt Weltregionen, welche nicht über die Ressourcen wie wir verfügen. Durch die Studienresultate wird für Personengruppen in ärmeren Regionen allenfalls eine Therapie ermöglicht.»

Wie sehr die Teilnahme an der WHO-Studie den Alltag in den Spitälern beeinflusst, wird sich laut Hoffmann erst mit der Zeit zeigen. Er rechnet damit, dass die ersten Patienten nach Ostern registriert werden können.

Studiendesign stark vereinfacht

Um das Personal in den Spitälern in der ohnehin schon fordernden Zeit nicht noch zusätzlich zu belasten, hat die WHO das Design der Studie möglichst einfach gehalten: Das Personal in den Spitälern trägt die für die Studie relevanten Daten der Patienten nach deren Einwilligung in die Datenbank ein und gibt an, welche Medikamente in dem jeweiligen Spital vorhanden sind. Daraufhin werden die Patienten entweder mit einer der vier Therapien aus der WHO- Studie oder mit der bisher in dem Spital angewendeten Therapie behandelt. Als weiteren Schritt muss das Personal dann eintragen, wie lange die Patienten im Spital bleiben mussten, ob sie geheilt werden konnten oder ob sie verstorben sind.

Damit möglichst viele Personen an der Studie teilnehmen können, ist eine engmaschige Überwachung der Coronapatienten wichtig. Denn eine Therapie im Rahmen der Studie ist nur dann möglich, wenn die Patienten rechtzeitig ins Spital kommen. «Rund eine Woche nach Beginn der Symptome kann es zu einer plötzlichen und raschen Verschlechterung kommen, welche frühzeitig erkannt werden sollte», so Hoffmann. Damit Coronapatienten rechtzeitig ins Spital kommen, arbeiten die Spitäler eng mit dem kantonsärztlichen Dienst und den Hausärzten zusammen, die Patienten daheim betreuen.

Autor

Rebekka Balzarini

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