Kanton Solothurn

Mit der Schliessung der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie fallen 31 Stellen weg

Der Kanton erwartet, dass die Solothurner Spitäler AG nun Tageskliniken einrichtet.

Der Kanton erwartet, dass die Solothurner Spitäler AG nun Tageskliniken einrichtet.

Die Schliessung der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie in Solothurn wirft Wellen. Für Barbara Wyss Flück, Fraktionschefin der Grünen im Kantonsrat, ist das «ein absolutes Desaster». Sie verlangt Transparenz zum Entscheidungsprozess. 31 Stellen fallen weg.

Der Entscheid der Solothurner Spitäler AG soH, die stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie Ende Jahr zu schliessen, stösst manchenorts auf Unverständnis und dürfte auch noch die Politik beschäftigen. «Ein absolutes Desaster für die betroffenen Kinder, Familien und Angestellten», enervierte sich Kantonsrätin Barbara Wyss Flück in den sozialen Medien. Es ist damit zu rechnen, dass die Fraktionschefin der Grünen mit einem Vorstoss Rechenschaft verlangt. Hier stehe auch der Kanton als Eigner in der Verantwortung, so Wyss.

Wie geht es in den nächsten Monaten bis zur Schliessung der stationären Abteilung weiter, wer bildete überhaupt die Arbeitsgruppe, die den Entscheid vorbereitete, und wer hat sich dort aus welchen Gründen für welche Variante ausgesprochen? Solche Fragen will sie geklärt haben, denn das sei heute nicht einmal für das Kaderpersonal des kinderpsychiatrischen Diensts nachvollziehbar, wie sie bei entsprechenden Kontakten festgestellt habe.

Zur Mitverantwortung des Kantons: «Der Entscheid ist in enger Abstimmung mit dem Eigentümer erfolgt», heisst es dazu bei der soH. Auf Anfrage bestätigt Heinrich Schwarz, Departementssekretärs des Departements des Innern, dass man laufend über den Entscheidungsprozess informiert worden sei. Hingegen ist nicht vorgesehen, dass der Kanton in die unternehmerischen Entscheide der soH eingreift, diese könnte theoretisch ganze Spitäler ohne Zustimmung der Regierung schliessen. Wobei: Es seien schon klare Erwartungen bezüglich des Ausbaus der ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie zum Ausdruck gebracht worden, so Schwarz. Dies betreffe insbesondere den Aufbau eines tagesklinischen Angebots, von dem in der Mitteilung der soH am Dienstag erst vage, unter dem Begriff «gegebenenfalls», die Rede war.

50 Mitarbeitende betroffen

Obwohl sich Änderungen abzeichneten, fielen manche Mitarbeitende der psychiatrischen Dienste aus allen Wolken, als ihnen der Schliessungsentscheid am Montag eröffnet wurde. Es geht um 31 Vollzeitstellen, die wegfallen. Betroffen sind nach Auskunft der soH 50 Personen, unter denen sich auch Zivildienstleistende und Auszubildende befänden. «Ob und wie viele Kündigungen ausgesprochen werden müssen, kann zurzeit nicht gesagt werden», hiess es am Donnerstag. Die Gespräche mit den Betroffenen seien aber bereits in Gang und man suche gemeinsam nach geeigneten langfristigen Perspektiven bei der soH oder auch bei deren Partnern. Ein Sozialplan sei nicht nötig.

Was erstaunen mag: Noch vor wenigen Jahren plante man einen Ausbau des stationären Angebots in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Solothurn, ein Neubauprojekt wurde dann zwar 2014 gestoppt, allerdings aus rein finanziellen Gründen. Warum ist heute nun die Auslagerung nach Basel, Liestal und Bern die bessere Lösung? Die Rahmenbedingungen hätten sich definitiv geändert, schreibt die soH auf Nachfrage dazu, gerade die stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie befinde sich besonders stark im Umbruch. Es gebe keine finanziellen Gründe für den Entscheid, wirtschaftlich betrachtet habe man in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sogar ein gutes Jahr gehabt. «Wir stellen hingegen fest, dass sich das Patientengut verändert, so die soH weiter. Es bewege sich in Richtung immer komplexerer Krankheitsbilder, und dafür seien grössere Zentren betreffend Infrastruktur, Fachkräften und spezifischen Angeboten besser geeignet als die kleine Klinik in Solothurn.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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