Kapo Solothurn
Mit der Polizei auf der Aare: Wenns auf der Flussfahrt brenzlig wird

Die Ordnungshüter der Kantonspolizei demonstrieren ihre Einsatzgebiete auf dem Wasser, und weisen auf Gefahren hin.

Hans Peter Schläfli
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Fast alles in Ordnung Das Kajak muss nur noch mit der Adresse des Besitzers angeschrieben werden.
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In der Bugwelle der Rousseau leuchtet die Morgensonne zurück.
Die Spaziergänger am Bellacher Aareufer ärgern sich über den am Ufer achtlos weggeworfenen Müll.
Partystimmung auf der Aare
Das Boot der der Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn beginnt am Pier 11 die Präventionstour.
Kantonspolizist Mike Kaser beobachtet ein Fischerboot aus der Distanz.
Kantonspolizist Mike Kaser beobachtet das Verhalten der Freizeitsportler auf der Aare.
Kantonspolizist Mike Kaser fischt eine Plastikflasche aus der Aare.
Steuermann Mike Kessler hat den Bootsverkehr und sein Navigationsgerät im Blick.

Fast alles in Ordnung Das Kajak muss nur noch mit der Adresse des Besitzers angeschrieben werden.

Hans Peter Schläfli

Nur die «Bugwelle» eines Schwans durchbricht am Rande des Schilfgürtels den dunkelgrünen Spiegel der Aare. Plötzlich gibt Mike Kaser dem Steuermann des Boots ein Zeichen. Mike Kessler hat es auch gesehen, das Objekt, das da auf der Aare schwimmt. Kurz ein wenig Motorenlärm, Kaser fischt eine Plastikflasche mit einem Netz aus dem Wasser. Den ersten Auftrag des Tages hat die Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn erfolgreich abgeschlossen. Das mit zwei potenten Aussenbordmotoren ausgestattete Schiff der Solothurner Kantonspolizei ist aber für höhere Aufgaben ausgestattet. Dank seinem flachen Boden ohne Kiel und dem nach unten schwenkbaren Bug ist es auch für schwierige Rettungsaktionen im flachen oder unwegsamen Wasser geeignet.

Prävention gegen Langfinger - Gelegenheit macht Diebe

Die Solothurner Kantonspolizei setzte am Samstagnachmittag ihre Präventionskampagne in der Badi Olten fort. «Es ist eine Tatsache, dass in Badeanstalten oder an Badeplätzen an den Flüssen und Seen viele Diebstähle begangen werden», erklärt Pascal Studer. Und tatsächlich sieht man in jeder Badi Handys auf einem verlassenen Badetuch, eine einsame Handtasche oder eine achltos hingeworfene Bermuda, in deren Hosentasche offensichtlich ein dickes Portemonnaie steckt. So sprechen die Kantonspolizisten in Uniform ihre «Kundschaft» in Bikini oder Badehose persönlich auf das Risiko an. «Gelegenheit macht Diebe», heisst die Kampagne, die durch gleichlautende Plakate und Flyer mit entsprechenden Präventionstipps auf dieses Phänomen hin sensibilisieren will. (hps)

An diesem schönen und ruhigen Tag will die Solothurner Kantonspolizei mit ihrem Boot aber nur Presse, Radio und Fernsehen demonstrieren, wie sie sich der Prävention in den verschiedenen Bereichen widmet. «Wir möchten heute präventiv auf die Phänomene Littering, die Gefahren auf Fliessgewässern sowie Diebstahl hinweisen», erklärt Pascal Studer, Technischer Leiter der Sondergruppe Schifffahrt den Journalisten. «Wir sind recht oft auf der Aare unterwegs und wir kontrollieren nicht jedes Boot», fährt Studer fort. «Die Bootsführer, die ich nicht kenne, die kontrolliere ich gerne, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Die Leute, denen wir schon zwei, drei Mal begegnet sind und bei denen alles war korrekt, die grüssen wir aus der Distanz. Auf dem Wasser ist es fast wie bei den Töfffahrern auf der Strasse. Meistens werden wir freundlich zurückgegrüsst.»

Auf dem Wasser gelten Gesetze

Im Kanton Solothurn sind etwa 800 Motorboote eingelöst und dazu kommen noch sehr viele Boote, die nicht registriert werden müssen. «Unsere Präsenz ist wichtig, denn wenn die Regeln eingehalten werden, gibt es viel weniger Unfälle», sagt Studer. So müsse in jedem Gummiboot ein Ruder mitgeführt werden. «Die Leute wollen auf der Aare chillen und sich mit der Strömung treiben lassen. Und dann kommt das Linienschiff und man muss ausweichen. Nur mit der Hand ein wenig paddeln, das ist dann zu wenig, und es wird gefährlich.»

Höchstgeschwindigkeit 15 Stundenkilometer, in Bezug auf das Ufer gemessen, Blutalkoholgrenze von 0.5 Promille, ein Mindestabstand zum Schilfgürtel von 25 Metern, um brütende Vögel zu schützen. Dies sind nur ein paar weitere Gesetze, die auf dem Wasser eingehalten werden müssen. Auch das Zusammenbinden der Gummiboote ist verboten: «Zusammengebunden sind sie nicht mehr manövrierbar. Wenn dann die Gummiboote auf ein Brückenpfeiler zutreiben, kann es zu lebensgefährlichen Situationen kommen.»

Prüfungsfreies Bötlifahren

Dafür, dass viele Leute die Vorschriften auf dem Wasser nicht kennen, gibt es eine einfache Erklärung: Für das Fahren mit einem Gummiboot oder einem Kanu braucht es keine Prüfung. Bei einfachen Verstössen kann die Wasserpolizei den Bootsführer verwarnen und belehren. Ordnungsbussen sind nicht möglich. Ist der Verstoss gröber, muss es automatisch eine Anzeige geben. Dann holt das Polizeischiff ein Kajak ein. Der Mann hat keinen Ausweis dabei und das Kajak ist nicht angeschrieben. «Der Besitzer muss sein Boot anschreiben, damit wir ihn kontaktieren können, falls wir das Boot auf dem Wasser treibend auffinden», wird der Kajakfahrer belehrt. Die Polizei müsse herausfinden können, ob ein Unfall passiert ist und eine Suchaktion nötig wird.

Das schlimmste Vergehen: Es ist keine Schwimmweste an Bord. Das müsste jetzt eigentlich eine Verzeigung geben. Aber da reicht dem Mann ein hilfsbereiter Mensch eine Schwimmweste rüber und die Polizei kann ein Auge zudrücken.

«Die Politik befasst sich derzeit mit der Überlegung, ob bei Übertretungen auf dem Wasser auch Ordnungsbussen wie beim Littering eingeführt werden sollen, damit sich die Staatsanwaltschaft nicht mit jedem einzelnen Fall beschäftigen muss», so Pascal Studer. Dann bekommt der Kajakfahrer zum Abschied von der Polizei noch eine wasserfeste Handytasche als Souvenir, damit er sich beim nächsten Ausflug an die Regeln erinnern möge.

Weg mit dem Müll

Das Revier der Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn hört am Ufer nicht auf. Und so ruhig wie jetzt ging es an einer der bekannten Grillstellen am Bellacher Aareufer vor ein paar Stunden offensichtlich nicht her. Müll, von Bierflaschen, Plastikverpackungen bis zu Pappbecher – alles haben die Leute gestern nach ihrer Party einfach liegen gelassen. Dabei verteilt die Kantonspolizei an diesen Grillplätzen immer wieder Abfallsäcke mit der Aufschrift «Stop Littering, Müll mitnehmen».

Mike Kessler steuert das Boot ans Ufer. «Wenn es nur wenig Abfall ist, nehmen wir ihn mit», erklärt dazu Pascal Studer. «Wenn es so viel ist wie hier, dann informieren wir die Gemeinde und erstatten Anzeige gegen unbekannt. Ausser wenn wir einen Gegenstand oder eine Adresse finden und eine Person identifizieren können. Dann gibt es einen Brief mit einer Ordnungsbusse.» Das kann bis zu 250 Franken kosten, und wenn der Übeltäter den Abfall trotz Aufforderung nicht korrekt entsorgen will, kommen nochmals 20 Franken oben drauf.

Worauf rund ums Wasser zu achten ist

Die einfachen und einprägsamen Verhaltensregeln der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG richten sich an alle Personen, die sich am, im und auf dem Wasser aufhalten. Einige der wichtigsten Baderegeln lauten:

- Kinder nur begleitet in die Nähe des Wassers lassen

- Kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen

- Nie alkoholisiert oder unter dem Einfluss von Drogen ins Wasser

- Nie mit ganz vollem oder ganz leerem Magen schwimmen

- Nie überhitzt ins Wasser springen

- Nicht in trübe oder unbekannte Wasser springen

- Unbekannte Gewässer zuerst sorgfältig erkunden

- Von den Schwellen in den Flüssen Abstand halten, sie bilden Wasserwalzen, die auch bei wenig Wasser selbst für gute Schwimmer lebensgefährlich sind.

- Luftmatratzen und Schwimmringe gehören nicht ins tiefe Wasser, sie bieten keine Sicherheit.

Weitere Informationen und Flyer zum Thema sind auf www.slrg.ch zu finden.

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