Nur die «Bugwelle» eines Schwans durchbricht am Rande des Schilfgürtels den dunkelgrünen Spiegel der Aare. Plötzlich gibt Mike Kaser dem Steuermann des Boots ein Zeichen. Mike Kessler hat es auch gesehen, das Objekt, das da auf der Aare schwimmt. Kurz ein wenig Motorenlärm, Kaser fischt eine Plastikflasche mit einem Netz aus dem Wasser. Den ersten Auftrag des Tages hat die Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn erfolgreich abgeschlossen. Das mit zwei potenten Aussenbordmotoren ausgestattete Schiff der Solothurner Kantonspolizei ist aber für höhere Aufgaben ausgestattet. Dank seinem flachen Boden ohne Kiel und dem nach unten schwenkbaren Bug ist es auch für schwierige Rettungsaktionen im flachen oder unwegsamen Wasser geeignet.

An diesem schönen und ruhigen Tag will die Solothurner Kantonspolizei mit ihrem Boot aber nur Presse, Radio und Fernsehen demonstrieren, wie sie sich der Prävention in den verschiedenen Bereichen widmet. «Wir möchten heute präventiv auf die Phänomene Littering, die Gefahren auf Fliessgewässern sowie Diebstahl hinweisen», erklärt Pascal Studer, Technischer Leiter der Sondergruppe Schifffahrt den Journalisten. «Wir sind recht oft auf der Aare unterwegs und wir kontrollieren nicht jedes Boot», fährt Studer fort. «Die Bootsführer, die ich nicht kenne, die kontrolliere ich gerne, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Die Leute, denen wir schon zwei, drei Mal begegnet sind und bei denen alles war korrekt, die grüssen wir aus der Distanz. Auf dem Wasser ist es fast wie bei den Töfffahrern auf der Strasse. Meistens werden wir freundlich zurückgegrüsst.»

Auf dem Wasser gelten Gesetze

Im Kanton Solothurn sind etwa 800 Motorboote eingelöst und dazu kommen noch sehr viele Boote, die nicht registriert werden müssen. «Unsere Präsenz ist wichtig, denn wenn die Regeln eingehalten werden, gibt es viel weniger Unfälle», sagt Studer. So müsse in jedem Gummiboot ein Ruder mitgeführt werden. «Die Leute wollen auf der Aare chillen und sich mit der Strömung treiben lassen. Und dann kommt das Linienschiff und man muss ausweichen. Nur mit der Hand ein wenig paddeln, das ist dann zu wenig, und es wird gefährlich.»

Sicherheit auf der Aare

Mit sogenannten Präventionstouren, will die Kapo Solothurn auf der Aare für Ordnung sorgen. Sie will damit mögliche Unfälle verhindern.

   

Höchstgeschwindigkeit 15 Stundenkilometer, in Bezug auf das Ufer gemessen, Blutalkoholgrenze von 0.5 Promille, ein Mindestabstand zum Schilfgürtel von 25 Metern, um brütende Vögel zu schützen. Dies sind nur ein paar weitere Gesetze, die auf dem Wasser eingehalten werden müssen. Auch das Zusammenbinden der Gummiboote ist verboten: «Zusammengebunden sind sie nicht mehr manövrierbar. Wenn dann die Gummiboote auf ein Brückenpfeiler zutreiben, kann es zu lebensgefährlichen Situationen kommen.»

Prüfungsfreies Bötlifahren

Dafür, dass viele Leute die Vorschriften auf dem Wasser nicht kennen, gibt es eine einfache Erklärung: Für das Fahren mit einem Gummiboot oder einem Kanu braucht es keine Prüfung. Bei einfachen Verstössen kann die Wasserpolizei den Bootsführer verwarnen und belehren. Ordnungsbussen sind nicht möglich. Ist der Verstoss gröber, muss es automatisch eine Anzeige geben. Dann holt das Polizeischiff ein Kajak ein. Der Mann hat keinen Ausweis dabei und das Kajak ist nicht angeschrieben. «Der Besitzer muss sein Boot anschreiben, damit wir ihn kontaktieren können, falls wir das Boot auf dem Wasser treibend auffinden», wird der Kajakfahrer belehrt. Die Polizei müsse herausfinden können, ob ein Unfall passiert ist und eine Suchaktion nötig wird.

Das schlimmste Vergehen: Es ist keine Schwimmweste an Bord. Das müsste jetzt eigentlich eine Verzeigung geben. Aber da reicht dem Mann ein hilfsbereiter Mensch eine Schwimmweste rüber und die Polizei kann ein Auge zudrücken.

«Die Politik befasst sich derzeit mit der Überlegung, ob bei Übertretungen auf dem Wasser auch Ordnungsbussen wie beim Littering eingeführt werden sollen, damit sich die Staatsanwaltschaft nicht mit jedem einzelnen Fall beschäftigen muss», so Pascal Studer. Dann bekommt der Kajakfahrer zum Abschied von der Polizei noch eine wasserfeste Handytasche als Souvenir, damit er sich beim nächsten Ausflug an die Regeln erinnern möge.

Weg mit dem Müll

Das Revier der Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn hört am Ufer nicht auf. Und so ruhig wie jetzt ging es an einer der bekannten Grillstellen am Bellacher Aareufer vor ein paar Stunden offensichtlich nicht her. Müll, von Bierflaschen, Plastikverpackungen bis zu Pappbecher – alles haben die Leute gestern nach ihrer Party einfach liegen gelassen. Dabei verteilt die Kantonspolizei an diesen Grillplätzen immer wieder Abfallsäcke mit der Aufschrift «Stop Littering, Müll mitnehmen».

Mike Kessler steuert das Boot ans Ufer. «Wenn es nur wenig Abfall ist, nehmen wir ihn mit», erklärt dazu Pascal Studer. «Wenn es so viel ist wie hier, dann informieren wir die Gemeinde und erstatten Anzeige gegen unbekannt. Ausser wenn wir einen Gegenstand oder eine Adresse finden und eine Person identifizieren können. Dann gibt es einen Brief mit einer Ordnungsbusse.» Das kann bis zu 250 Franken kosten, und wenn der Übeltäter den Abfall trotz Aufforderung nicht korrekt entsorgen will, kommen nochmals 20 Franken oben drauf.