Wildschutz
Mit der Dämmerung steigt die Zahl der Wildtier-Unfälle – Warnanlagen sollen diese verringern

Bis zu 400 Wildtierunfälle werden im Kanton Solothurn pro Jahr gemeldet. Um die Fallzahl zu reduzieren, sollen Warnanlagen für Verkehrsteilnehmer und Tiere gebaut werden. Das Hindernis: Warnanlagen sind kostenintensiv.

Berit Jenni
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300 bis 400 Wildtiere sterben jährlich auf Solothurner Strassen. Bild: Holger Hollemann/Key

300 bis 400 Wildtiere sterben jährlich auf Solothurner Strassen. Bild: Holger Hollemann/Key

KEYSTONE

Schon 300 Wildtierunfälle haben sich dieses Jahr auf den Solothurner Strassen ereignet. Und laut dem kantonalen Amt für Wald, Jagd und Fischerei werden es über 400 Rehe, Wildschweine, Füchse, etc. sein, die dieses Jahr ihr Leben auf der Strasse lassen.
Bald sollen es weniger sein. So plant es der Kanton. Er will an verschiedenen Orten im Kanton ab 2020 Wildtieranlagen aufstellen. Denn Warnschilder, so hat sich gezeigt, haben bei Autofahrern nicht den erhofften Effekt.

«Wildwarnanlagen» sollen künftig die Automobilisten auf ein herannahendes Wildtier aufmerksam machen. Durch Passiv-Infrarot-Sensoren wird bei der Annäherung eines Tieres ein Signal auf ein LED-Warnschild übertragen. Dieses Verkehrsschild weist den Autofahrer darauf hin, das Tempo zu reduzieren und sich auch auf die Strassenumgebung zu achten. Bislang wurde diese Methode in den Kantonen Aargau, Bern oder Graubünden eingeführt.

Nun wird geplant, wo die Anlagen stehen werden

Der Kanton Solothurn will diese Warnanlagen bald einführen. Bis Ende 2020 wird das Amt für Wald, Jagd und Fischerei ein Konzept für mögliche Standorte der Wildwarnanlagen im Kanton Solothurn erarbeiten. Zurzeit wird geprüft, wo sich die Hauptunfallstellen befinden. Die Jagdaufseher tragen den Standort nach jedem Unfall auf einer Karte ein. «So sehen wir, wo es sich lohnen würde eine Wildwarnanlage aufzustellen», sagt der kantonale Jagdverwalter Marcel Tschan. «Das Gelände ist massgebend. Um eine Anlage aufzustellen, muss eine freie Sicht auf die Beobachtungsstelle vorhanden sein», so Tschan. Wildwarnanlagen werden vor allem an Orten verwendet, wo die Tiere gezwungen sind, beispielsweise aufgrund von Felsen oder Maurern, die Strasse zu überqueren.

Die Wildwarnanlage soll Automobilisten von Wildtieren warnen.

Die Wildwarnanlage soll Automobilisten von Wildtieren warnen.

Archiv/ran

Die Finanzierung solcher Wildwarnanlagen ist relativ kostenintensiv. Gemäss dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, wo bereits Anlagen realisiert sind, wird für einen Streckenabschnitt von 200 bis 250 Metern mit Kosten von 60 000 Franken gerechnet. Dazu kommen die jährlichen Unterhaltskosten.

Finanzielle Hindernisse im Kanton Solothurn

Eine weitere Massnahme, Wildunfälle komplett zu verhindern, sind Wildtierbrücken. Diese bieten den Tieren eine Möglichkeit, die Strasse ohne Gefahr zu überqueren. Im Kanton Solothurn sind bis heute zwei wildtierspezifische Bauprojekte realisiert worden. Beide befinden sich auf der Autobahn N5. Die eine Wildtierbrücke «Riemberg» bei Nennigkofen und die zweite beim Witi-Tunnel bei Grenchen. In Planung befinden sich zwei weitere Wildbrückenprojekte, auf der N1 bei Kestenholz und eine weitere zwischen Recherswil und Koppigen. Das Realisieren solcher Projekte ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Darum werden Wildtierbrücken vorwiegend nur bei stark befahrenen Strassen wie Kantons- und Nationalstrassen gebaut.
Eine weitere Massnahme zielt auf die Warnung der Wildtiere ab. Mit verschiedenen Methoden wie Licht-, Ton- oder Geruchssignalen werden sie auf die Strasse aufmerksam gemacht. Die Signale treffen ein, wenn sich ein Auto nähert, und verhindern somit, dass die Wildtiere in diesem Moment die Strasse überqueren.

Wildtierbrücken werden nur bei stark befahrenen Strassen gebaut.

Wildtierbrücken werden nur bei stark befahrenen Strassen gebaut.

Keystone/Emanuel Ammon/AURA

Am häufigsten passieren die Wildtierunfälle bei Dämmerung und in der Nacht. Marcel Tschan, Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons Solothurn, erklärt, dass sich die meisten Unfälle im Mittelland ereignen, da sich dort die meistbefahrenen Strassen befinden. Zudem nehme die Bedrohung für die Tiere mit der zunehmenden Bevölkerungszahl im Kanton weiter zu. Aber auch der Rehbestand wachse laufend und verkleinere so den Lebensraum der Wildtiere.
Die meisten Unfälle ereignen sich in den Monaten April/Mai und Oktober/November. «Im Frühling finden die Rang- und Territorialkämpfe statt und im Herbst beginnt die Jagd, welche die Tiere nervös macht», erklärt Marcel Tschan. Die Tiere seien in dieser Zeit besonders unruhig und somit würden auch mehr Unfälle passieren. Die Statistik zeigt ganz klar: Im Winter sind deutlich weniger Unfälle aufgezeichnet, da die Tiere ruhig sind, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen.

Richtiges Verhalten am Unfallort

Bei Erleben eines solchen Falles gilt gemäss der Kantonspolizei Solothurn folgendes Verhalten zu beachten.

- Anhalten, Warnblinker einschalten und Warnweste anziehen

- Unfallstelle sichern und sich aus dem Gefahrenbereich begeben

- Polizei oder den zuständigen Jagdaufseher benachrichtigen

- Auf Polizei oder Jagdaufseher warten

- Sich einem verletzten Wildtier keinen Falls nähern oder dieses berühren

Verhinderung von Wildtierunfällen

Um Wildtierunfälle zu verhindern, gilt es für den Autolenker, auf Landstrassen besonders aufmerksam zu sein. Gerade in der Dämmerungszeit ist es sehr wichtig, sich auch auf die Strassenränder zu achten, um im Falle frühzeitig reagieren zu können.

Der Unfallverursacher hat die Pflicht, sich umgehend bei der Polizei oder dem zuständigen Jagdaufseher zu melden, denn schon die kleinste Kollision mit einem Tier kann zu ernsthaften Verletzungen führen. Meldet er den Zusammenstoss jedoch nicht, macht er sich strafbar. Wie der Automobilist, der erst kürzlich bei Schnottwil ein Reh mit seinem Kitz überfuhr. Danach verliess er die Unfallstelle, ohne sich bei der Polizei oder dem Jagdaufseher zu melden. Bisher gibt es noch keine Hinweise dazu.

Eine Wildwarnanlage wurde im März 2018 im Kanton Zürich eingerichtet: