Solothurn
Mit den Sommerferien geht auch die Anmeldefrist für die eidgenössischen Wahlen zu Ende

Viel zu spüren von Wahlkampf war bis jetzt noch nicht. Nun neigen sich die Sommerferien allmählich dem Ende entgegen und am 12. August ist Anmeldeschluss für die National- und Ständeratswahlen vom 20. Oktober. Dann kommt die Politmaschinerie vielleicht doch noch für ein paar Wochen in Schwung.

Urs Moser
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Über 200 Kandidatinnen und Kandidaten treten am 20. Oktober zur Wahl an, nur eine oder einer kann den Sitz von SP-Nationalrätin Bea Heim «erben».

Über 200 Kandidatinnen und Kandidaten treten am 20. Oktober zur Wahl an, nur eine oder einer kann den Sitz von SP-Nationalrätin Bea Heim «erben».

KEYSTONE

Von der viel zitierten Politikverdrossenheit ist im Kanton Solothurn jedenfalls nichts zu spüren, wenn es auf Wahlen zugeht. Trotz mässig prickelnder Ausganglage mit nur einer Vakanz stellen sich rekordverdächtig viele Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl: Knapp zwei Wochen vor Ablauf der Eingabefrist stehen 26 Nationalratslisten mit 153 Kandidatinnen und Kandidaten fest. Das ist zwar eine Liste weniger, aber es sind noch einmal ein paar Kandidaten mehr als vor vier Jahren.

Was auffällt: Aller Voraussicht nach bleiben die mehr oder weniger etablierten Parteien diesmal im Wahlkampf unter sich. Anders als in früheren Jahren sind bis dato noch keine «Exoten» auf den Plan getreten, die im Wahlzirkus mitmischen wollen. Keine Piraten, keine Tierpartei, keine humanistischen Hanffreunde, und auch EDU und Schweizer Demokraten scheinen sich endgültig aus der Solothurner Parteienlandschaft verabschiedet zu haben.

Es habe zwar einzelne Anfragen zu den Modalitäten für eine Kandidatur gegeben, sagt Staatsschreiber-Stellvertreterin Pascale von Roll. Die bis jetzt bei der Staatskanzlei deponierten Wahllisten stammen aber allesamt aus dem bekannten Parteienspektrum. Die 26 Listen mit 153 Kandidaten verteilen sich somit auf acht Parteien: FDP, CVP, SVP, SP, Grüne, Grünliberale, BDP und EVP. Ausser bei der EVP, die das gar nicht kennt, treten auch alle jeweiligen Jungparteien mit einer eigenen Liste an, die Jungfreisinnigen und die Junge CVP sogar mit zwei.

Die Parteien setzen auf Masse

Dass praktisch alle Parteien (ausser der EVP) konsequent auf das Prinzip «mehr Köpfe mobilisieren mehr Wähler» setzen und mit zwei oder sogar mehreren Listen antreten, ist eine eher neuere Erscheinung. Noch im Jahr 2003 zum Beispiel traten im Kanton Solothurn (bei damals noch sieben und nicht bloss sechs zu vergebenden Sitzen) nur halb soviele Kandidaten zu den Nationalratswahlen an wie im kommenden Herbst: 75 auf bloss elf Listen. Empirisch belegt ist es nicht, dass sich mit möglichst vielen Kandidaten tatsächlich ein grösseres Wählerpotenziel erschliessen lässt. Dass man die Kandidaten, die ohne ernsthafte Aussicht auf einen Wahlerfolg die Klinken putzen, trotzdem gleich mindestens im Dutzend sucht, begründet man in den Parteizentralen meist mit der Struktur des Kantons: Mit nur sechs Mandaten sei eine repräsentative Auswahl, die auf die regionale Vielfalt und dabei auch noch auf die Gleichberechtigung der Geschlechter Rücksicht nimmt, mit nur einer Wahlliste kaum möglich. Von geschlechtergetrennten Listen, mit denen es einst die Freisinnigen versuchten, ist man dabei weggekommen. Die CVP und die SP orientieren sich geografisch nach Nord-Ost und Süd-West, bei den Genossen kommt noch eine Seniorenliste «SP 60+» dazu. Bei den Freisinnigen heissen die Listen «Freiheit» und «Verantwortung», die SVP schickt neben den Spitzenkandidaten auf der Stammliste noch «Bauern & Unternehmer» und «Büezer & Bürger» ins Rennen.

Apropos Geschlechterfrage: Von einer Parität wird man auch bei den diesjährigen Wahlen noch ein ganzes Stück entfernt sein. Aber immerhin liegt der Frauenanteil bei den bekannten Nationalratskandidaturen mit 35 Prozent auf einem Wert, der erst 2011 einmal überschritten wurde. Ende der 1990er-Jahre lag der Frauenanteil noch deutlich unter 30 Prozent.

Hält die SP zwei Sitze – und vor allem mit wem?

Die Frauenfrage führt auch zurück zur eingangs erwähnten Ausgangslage am Wahltag selbst, die zumindest im links-grünen Lager so unspannend dann doch wieder nicht ist. In zweiterlei Hinsicht: Während die amtierenden bürgerlichen Nationalräte Kurt Fluri (FDP), Stefan Müller-Altermatt (CVP), Walter Wobmann (SVP) und Christian Imark (SVP) erneut antreten und ihre Wiederwahl allgemein erwartet wird, ist auf jeden Fall der Sitz von SP-Nationalrätin Bea Heim neu zu besetzen. Zum einen ist nicht garantiert, dass dies der SP gelingt. Sollte sich der Trend bei den letzten kantonalen Wahlen in Zürich, Baselland und Luzern im Herbst im gleichen Ausmass fortsetzen, ist in Solothurn ein Sitzgewinn für die Grünen auf Kosten der SP nicht undenkbar. In der Pole Position wären dann wohl die Präsidentin der Kantonsratsfraktion Barbara Wyss oder Ex-Kantonalpräsident Felix Wettstein.

Zum anderen bleibt die Frage, ob die Solothurner Abordnung in Bern nach dem 20. Oktober seit langem wieder ein reiner Männerklub sein wird, auch für den Fall einer erfolgreichen Sitzverteidigung durch die SP spanend. Verhindert werden könnte das wohl nur bei der Abwahl des amtierenden Philipp Hadorn. Dass beide Sitze an die «West-Liste» mit Hadorn als Spitzenkandidat gehen, ist so gut wie ausgeschlossen, und auf der «Ost-Liste» dürfte Ex-Regierungsrat Peter Gomm der heisse Favorit sein. Auf der «West-Liste» sitzt Hadorn aber tatsächlich die eigene Parteipräsidentin Franziska Roth im Nacken. Vor vier Jahren hatten jedenfalls nur ein paar Stimmen gefehlt und sie hätte ihn nach Hause geschickt.