«Wir haben in der Elektrifizierung von Stadtbussen einen neuen Meilenstein erreicht.» Alex Naef, Chef des Bellacher Busbauers Hess, meint das neue Busmodell aus eigener Produktion, den «Swiss Trolley plus». Dieser Gelenkbus mit 18,7 m Länge startet im Februar einen Testbetrieb auf dem Liniennetz der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), wie am Dienstag an einer Medienkonferenz in Zürich erklärt wurde.

Zwar sind heute schon Hybrid-Trolleybusse in Betrieb. Diese verfügen nicht mehr über einen Dieselmotor als Notaggregat für den Fall, dass die Stromversorgung vorübergehend nicht verfügbar ist, sondern über ein Batterie-Aggregat. In Zürich etwa verkehren solche Trolleybusse mit reinem Elektroantrieb auch im regulären Betrieb.

Trolley- auch als «Batterie-Bus»

Jetzt werde aber ein neues Kapitel aufgeschlagen, so Naef. «Der zukünftige Hochleistungs-Trolleybus kann auf deutlich längeren Abschnitten ohne Oberleitungen verkehren.» Es seien Distanzen bis 10 Kilometer in fahrdrahtlosem Linienbetrieb möglich. Kurz: Der neue Bus kann klassisch an der Oberleitung als Trolleybus, aber auch ausserhalb des heutigen Trolleybus-Netzes als «Batteriebus» fahren.

Möglich macht dies eine eigens entwickelte Hochleistungs-Traktionsbatterie. Naef spricht von «einem intelligenten Trolleybus mit einem selbstlernenden Energiemanagement» (siehe Kasten). Beim neuen Bus handle es sich um eine 100-prozentige Hess-Entwicklung in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und der Berner Fachhochschule. «Die ETH liefert das nötige Know-how in der Regelungstechnik, um Batteriefahrzeuge zuverlässig und mit minimalem Energiebedarf durch die Strecke zu leiten», sagte Lino Guzzella, Präsident der ETH, an der Medienkonferenz. 

Die Fachhochschule ihrerseits forschte an Methoden, wie die Batterielebensdauer maximiert werden kann. «Um die Batterie nicht unnötig oft austauschen zu müssen, testen wir diese unter möglichst realen Bedingungen. Die leistungsstarken Akkus werden durch die lernfähige Steuerung noch leistungsfähiger», erläuterte Andrea Vezzini von der Fachhochschule.

Fokus auf Elektromobilität

Der Busbauer verspricht sich einiges von der Neuentwicklung. In sechs Jahren habe man mehrere Millionen Franken in deren Entwicklung gesteckt, so Naef. «Die Elektromobilität im städtischen Busverkehr ist jetzt serienreif.» Das Interesse am Swiss Trolley Plus sei enorm und man erhalte viele Anfragen aus dem In- und Ausland. Eine Variante davon werde man den städtischen Verkehrsbetrieben in Bern und Biel liefern. Dort hat Hess kürzlich eine Ausschreibung für neue Trolleybusse gewonnen. Der Swiss Trolley Plus biete 163 Sitz- und Stehplätze und koste rund 1,1 Millionen Franken.

Künftig richte sich Hess im Bereich städtischer Nahverkehr schwergewichtig auf die Elektromobilität aus. Einerseits auf «normale» Hybrid-Trolleybusse und die Neuentwicklung Swiss Trolley Plus und andererseits auf fahrdrahtlose Elektrobusse mit Schnellladung. Ein Modell ist der Tosa. An bestimmten Haltestellen mit Schnellladestationen wird die Batterie innert Sekunden geladen.

An den Endhaltestellen und im Depot werden die Akkus jeweils voll nachgeladen. Erst im vergangenen Sommer hat Hess den Auftrag über 12 solcher Tosa-Busse für die Stadtbetriebe Genf erhalten. Alle Modelle basierten auf derselben Plattform.

Insgesamt sei die Busproduktion in Bellach in den nächsten zwei Jahren gut ausgelastet. Die Carrosserie Hess AG ist der noch einzig verbliebene Schweizer Bushersteller. Der Konkurrenzdruck aus dem Ausland ist gewaltig, deshalb ist für Naef klar: «Wir können nur mit innovativen Entwicklungen am Markt bestehen.»