Messen
Mit dem Fahrplanwechsel wird für Steiner&Co. der Kahlschlag Realität

Das alteingesessene Busunternehmen Steiner&Co. in Messen muss sich neu ausrichten. Auf den heutigen Fahrplanwechsel verlor Steiner fast alle Postautolinien. Der Personalbestand hat sich mehr als halbiert, aber zu Entlassungen kam es nicht.

Franz Schaible
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Geschäftsführer Philipp Steiner (l.) will das von seinem Vater Martin Steiner gegründete Busunternehmen in Messen auch mit weniger Postautolinien erfolgreich weiterführen.Hanspeter Bärtschi

Geschäftsführer Philipp Steiner (l.) will das von seinem Vater Martin Steiner gegründete Busunternehmen in Messen auch mit weniger Postautolinien erfolgreich weiterführen.Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Baertschi

Mit dem heutigen Fahrplanwechsel im öffentlichen Verkehr ist für das traditionsreiche Busunternehmen Steiner & Co. in Messen ein wichtiger Einschnitt verbunden. Ab heute bedient nämlich der Regionalverkehr Bern Solothurn (RBS) 11 bislang durch Postauto abgedeckte Buslinien. Und das Messener Unternehmen ist als dafür zuständiger Postautobetrieb vom Entscheid im Sommer 2012 direkt betroffen.

Damals gaben die Kantone Bern, Solothurn und der Bund bekannt, dass im Rahmen einer Neu-Ausschreibung der RBS den entsprechenden Zuschlag erhalten hat (wir berichteten).

«Das war für uns ein schwerer Schlag», blickt Firmengründer und Seniorchef Martin Steiner zurück. «Wir haben 1968 das damals kleine Unternehmen mit sieben Angestellten übernommen. Seither wurde der Betrieb stetig ausgebaut und die Infrastruktur, beispielsweise die Hallen, entsprechend ausgebaut.» Auf Vollzeitstellen gerechnet zählte das Unternehmen vor dem Entscheid 37 Arbeitsplätze.

«Damit waren wir das zweitgrösste Unternehmen im Bucheggberg.» Mehr als die Hälfte des Geschäftsvolumens sei nun auf einen Schlag verloren. Aktuell beschäftigt das Unternehmen noch 15 Angestellte, wie Philipp Steiner ergänzt. Er ist der Sohn und führt seit 2004 das Unternehmen als Geschäftsleiter.

Das Familienunternehmen wird aber weiter bestehen und in reduziertem Umfang am Markt bleiben. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir als Busunternehmen auch künftig werden bestehen können», blickt Philipp Steiner optimistisch nach vorne. Einerseits wird Steiner & Co. weiterhin drei Postautolinien betreiben. Es sind dies die Linien 882 (Bät-
terkinden–Oberramsern–Balm–Messen– Schnottwil), 885 (Lohn–Lüterkofen–Mühledorf–Schnottwil) und 886 (Lohn–Lüterkofen–Bibern–Schnottwil).

«Die Konzession für diese drei Linien ist bei Postauto und wurde durch das Bundesamt für Verkehr vor wenigen Monaten bis 2022 erneuert», bestätigt Katharina Merkle, Mediensprecherin bei der PostAuto Schweiz AG. Zudem betreibe das Unternehmen im Auftrag von Postauto noch einen Schulbus ins Brunnental. Ferner bietet Steiner unverändert Carreisen ins In- und Ausland an. Die Flotte umfasst drei Cars, ein Oldtimer-Postauto und zwei Kleinbusse. Beide Bereiche seien, so Steiner, für den geschäftlichen Erfolg gleich wichtig.

Zu Entlassungen ist es trotz der Radikalkur nicht gekommen. «Der RBS hat allen Steiner-Chauffeuren einen neuen Arbeitsplatz angeboten», hält PostAuto-Sprecherin Merkle fest. Er sei auch im Zusammenhang mit dem Rahmen-GAV der Kantone Bern und Solothurn dazu verpflichtet gewesen. Einzelne würden aber bei PostAuto weiter arbeiten, andere hätten sich umorientiert oder seien in Pension gegangen.

Im «rückwärtigen Dienst» von Steiner & Co. seien zwei Angestellte betroffen gewesen. Sie hätten zu einem anderen Arbeitgeber (nicht RBS) gewechselt. Das bestätigt Philipp Steiner. «Aber etliche ehemalige Mitarbeitende werden wohl das familiäre Arbeitsklima vermissen.» Gemeint ist der Wechsel vom «kleinen» zum «grossen» Betrieb. Der RBS beschäftigt über 400 Mitarbeitende.

Logischerweise hat sich auch der Fahrzeugpark massiv verringert. Von den 22 Postautos bleiben noch deren 10 bei Steiner & Co. Acht kaufte der RBS der PostAuto AG ab, 3 wurden altershalber ausgemustert und ein Fahrzeug wechselte zu einem anderen PostAuto-Betrieb. Die Reduktion führt dazu, dass das Familienunternehmen «zu viel Platz» hat. Die verbliebenen zehn Postautos seien in der bestehenden firmeneigenen Halle in Schnottwil untergebracht, sagt Philipp Steiner.

«In Messen haben wir nun Platz.» Gleichzeitig sucht die Gemeinde Messen einen neuen Standort für das Feuerwehrmagazin. Deshalb überlegt sich die Gemeinde eine Einquartierung bei Steiner, wie der Gemeinderat im September bekannt gab. «Diese Standortmöglichkeit wird nun genau geprüft», meint Philipp Steiner.

Ende gut, alles gut? Positiv sei sicher, dass das Unternehmen weiter geführt werden könne und es zu keinen Entlassungen gekommen sei, bilanziert Martin Steiner. Aber ihn wurmt der Entscheid der Kantone trotzdem noch – auch nach anderthalb Jahren. «Vor allem stört mich, dass offenbar einzig der Preis den Ausschlag gegeben hat.»

Er könne sich nicht vorstellen, dass der RBS bei anderen Kriterien wie etwa bei der Qualität und bei den Leistungen besser abgeschnitten habe. «Dank dem effizienten, aber trotzdem kundenorientierten Betriebskonzept des RBS sparen Bund und Kantone jährlich rund 1,3 Millionen Franken», teilten die Kantone beim Vergabeentscheid mit.

Für die ausgeschriebenen Linien hatten sich drei Transportunternehmen beworben.