Weltausstellung
Mit dem Car an die Expo? Nicht alle Firmen bringen sich in Position

Carfirmen in der Region schätzen das Potenzial der Weltausstellung in Mailand unterschiedlich ein: Sie fahren täglich oder gar nicht an den Grossanlass.

Franz Schaible
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Patrick Schneider vom Carunternehmen Schneider Reisen in Langendorf zeigt den Car, mit welchem am Dienstag erstmals die Weltausstellung in Mailand angefahren wird.

Patrick Schneider vom Carunternehmen Schneider Reisen in Langendorf zeigt den Car, mit welchem am Dienstag erstmals die Weltausstellung in Mailand angefahren wird.

Hanspeter Baertschi

Die Erwartungen für die Weltausstellung in Mailand sind hoch: Die Organisatoren rechnen mit 20 Millionen Besucherinnen und Besucher, davon allein 600 000 Interessierte aus der nahen Schweiz. Zur Einschätzung ein Vergleich: Die Olma verzeichnet rund 380 000 Gäste, die Berner BEA 290 000 oder die Solothurner Heso etwas über 100 000. Angesichts des Potenzials an Fahrgästen haben sich neben den SBB (siehe Kasten) auch Carunternehmen in Position gebracht.

Allerdings ganz unterschiedlich, wie eine Umfrage in unserer Region zeigt. Die höchsten Erwartungen hegt die Aargauer Eurobus AG, nach eigenen Angaben das grösste private Busunternehmen der Schweiz. Seit dem 1. Mai verkehren deren Cars täglich ab Windisch bei Brugg, über Zürich und Luzern nach Mailand. «Die Weltausstellung ist ein Grossanlass und wir sind überzeugt, dass es ein grosses Potenzial an Besuchern gibt», erklärt Philip Morger, Leiter Geschäftsentwicklung und Strategie der Eurobus AG. Eine erste Bilanz falle positiv aus. Bereits Ende März habe man täglich Buchungen erhalten, die bis kurz vor dem Start der Expo deutlich gestiegen seien. «Seit Expo-Beginn hat sich die Anzahl Buchungen pro Tag verdreifacht.» Absolute Zahlen nennt Morger aber nicht. Derzeit fahre man täglich mit einem Bus, je nach Nachfrage sei ein Ausbau auf zwei oder drei Busse möglich. Die Fahrten, so Morger, finden immer statt. Es gebe keine Mindestanzahl an Fahrgästen. «Bislang haben die Buchungen unsere Erwartungen erfüllt.»

n Täglich 2000 zusätzliche SBB-plätze

Mit der ganz grossen Kelle rühren die SBB an: Seit Beginn der Weltausstellung am 1. Mai fahren täglich vier, ab August sogar fünf Extrazüge direkt zum Messebahnhof Rho Fiera in Mailand. Die Bahn stellt somit täglich rund 2000 zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung, wie SBB-Mediensprecher Reto Schärli erklärt. Mit der Entwicklung der Nachfrage sei man zufrieden. Die Auslastung der Züge entspreche den Erwartungen. Diese werde noch steigen, weil die Regelzüge auf den Achsen nach Mailand gut, teilweise sogar ausgebucht seien. «Das wird sich auf die Auslastung der Zusatzzüge positiv auswirken.» Ein Preisvergleich Bahn zu Car ist schwierig, weil die Leistungen unterschiedlich sind. In etwa kommt die Fahrt (ohne Eintritt) bei den SBB (mit Halbtax) und Eurobus (je nach Auslastung) mit rund 50 Franken gleich teuer. Bei Schneider Reisen kostet es 75 Franken. Die Fahrtdauer ist in etwa gleich. Zum Beispiel ab Zürich mit Eurobus oder SBB je rund 4 Stunden. (fs)

Auch das Carunternehmen Schneider Reisen AG in Langendorf führt spezielle Angebote für die Expo Milano im Programm, aber in weit bescheidenerem Ausmass. «Wir bieten sowohl Tagesfahrten wie mehrtägige Ausflüge an», erklärt Gertrud Schneider, die mit ihrem Mann Ferdinand Schneider das Unternehmen führt. Die erste Fahrt wird am kommenden Dienstag durchgeführt. Die Nachfrage sei sehr gut und der 45-plätzige Car praktisch ausgebucht. Vorerst habe man einzelne Tagesfahrten bis im August geplant. Man sei aber flexibel: «Falls die Nachfrage sehr hoch sein wird, werden wir in den Monaten September und Oktober zusätzliche Fahrten anbieten.» Dafür entscheidend werde sicherlich das Echo von Besuchern aus der Schweiz über die Weltausstellung und insbesondere über den Schweizer Pavillon sein. «Das kann die Nachfrage stark beeinflussen.» Die Langendörfer bieten neben den Tagesausflügen aber wie erwähnt auch mehrtägige Fahrten inklusive zwei Übernachtungen und Stadtbesichtigung in Mailand. Auch diese Angebote seien bereits gut gebucht. Über alles gesehen zeigt sich Gertrud Schneider zufrieden mit dem Buchungsstand.

Vorsichtiger agiert das Carreiseunternehmen Ernst Marti AG in Kallnach. Zwei je dreitägige Fahrten nach Mailand hat die Firma für August im Programm. «Die Nachfrage ist gut und die beiden Reisen sind bereits gut gebucht», erklärt Mike Hasler, Leiter Marketing und Vertrieb. Es sei schwierig abzuschätzen, wie sich die Nachfrage während der laufenden Expo entwickle. Deshalb biete man nicht mehr Fahrten an. Tagesfahrten sind keine im Programm. Das Potenzial wäre zwar grundsätzlich sicher vorhanden, aber die SBB führten bereits ein sehr grosses Angebot an Fahrten nach Milano. Und trotz guter Nachfrage stelle man keinen Run fest. Allerdings will man in Kallnach flexibel bleiben. Falls sich die Anfragen häuften, wären auch Tagesfahrten ein Thema. Zudem könnte die Frequenz des dreitägigen Programmes erhöht werden, falls sich beispielsweise Gruppen oder Vereine meldeten. Hasler: «Wir werden sozusagen auf Bestellung an die Weltausstellung fahren.»

Ab Spätsommer plant das Carunternehmen Ernst Gerber AG in Roggwil einige Tagesfahrten an die Expo. Eine direkte Konkurrenz zur SBB sei nicht gegeben, erklärt Geschäftsführer Urs Gerber. «Wir verstehen uns als ‹Ergänzung› und nicht als ‹Konkurrent› der Bahn.» Allgemein herrscht zurzeit noch ein «Chaos» bezüglich Organisation vor Ort. «Wir gehen davon aus, dass sich dies mit der gewonnenen Erfahrung in nächster Zeit verbessern wird.»

Gar kein spezielles Angebot für Fahrten an die Weltausstellung im Programm führen beispielsweise die Gast AG in Utzenstorf («wir haben fast keine Anfragen») oder die traditionsreiche Oltner Carreisefirma Born Reisen AG. Geschäftsführerin Gabi Born findet, dass nicht jedes Carunternehmen jede Grossveranstaltung im Programm haben müsse. «Dazu ist der Markt zu klein.» Dass das Potenzial an Schweizer Gästen vorhanden sei, verneint sie nicht. «Wir haben bislang aber keine entsprechenden Anfragen erhalten.» Man biete zwar Tagesfahrten in die Metropole in Italien an, aber eben nicht speziell für die Expo. Zudem führten die SBB gute Angebote im Programm. «Für uns wäre es mit dem Standort am Bahnknotenpunkt Olten schwieriger, genügend Messe-Interessierte für den Car zu begeistern.»