Busreise
Mit dem Car an die EM: Terror schreckt Fussballfans nicht ab

Busreise-Firmen in der Region Solothurn bieten Fahrten an die Fussball-EM in Frankreich im Juni an.

Noëlle Karpf
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Die regionalen Car-Firmen bieten Fahrten an die EM an. Doch wollen die Fans die Schweiz (hier Ricardo Rodriguez, links, gegen Bosniens Vedad Ibisevic) überhaupt sehen?

Die regionalen Car-Firmen bieten Fahrten an die EM an. Doch wollen die Fans die Schweiz (hier Ricardo Rodriguez, links, gegen Bosniens Vedad Ibisevic) überhaupt sehen?

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Fahren Sie an die Fussball-Europameisterschaft in Frankreich? An ein Spiel in Paris? Die Fragen dürften dieses Jahr nicht für jeden Fussballfan so leicht zu beantworten sein. Grund dafür sind die Terroranschläge in der letzten Zeit. Am 13. November verübten Terroristen Attentate in Paris. Einer von ihnen zündete einen Sprengsatz vor dem Stade de France, während Frankreich gerade gegen Deutschland spielte. Dazu kommen die Anschläge in Brüssel vom letzten Monat.

Ist der Terror ein Grund, nicht an die EM zu fahren? Oder sollten sich die Fans auf keinen Fall einschüchtern lassen? Darüber lässt sich streiten. Die Möglichkeit, zu den Spielen zu fahren, besteht auf jeden Fall. Denn regionale Car-Unternehmer streichen Fussballreisen nicht aus ihrem Programm.

«Marti Reisen fährt an die Fussball-Europameisterschaft 2016», vermeldete das Unternehmen aus dem bernischen Kallnach im Februar. «Wir richten uns dabei nach den Angaben des Aussendepartements EDA», sagt Daniel Vifian von Marti Reisen auf Anfrage. Das gelte auch für Fahrten nach Paris oder Brüssel. «Da die EM ein einmaliger Anlass ist, ist es schwer abzuschätzen, ob es ohne die Anschläge mehr Anmeldungen gegeben hätte», erklärt der Zuständige von Marti Reisen.

Wahrscheinlich sei die Buchungseuphorie derzeit etwas gedämpft. Derzeit sei man mit den Anmeldungen aber zufrieden. Annullierungen habe es auf jeden Fall keine gegeben. Wie reagiert das Car-Unternehmen, wenn ein Spiel nicht stattfinden kann oder eine Partie ohne Zuschauer durchgeführt wird? Bei einer «höheren Gewalt» würde man intern über das Vorgehen entscheiden, so Vifian. Man könnte dann andere Reisen anbieten oder die Kosten zurückerstatten.

Dass ein Spiel abgesagt wird oder vor leeren Publikumsreihen stattfindet, kann sich Kurt Mäder fast nicht vorstellen. Er leitet den Familienbetrieb Fussball-Reisen.ch in Biberstein AG. Mäder hat sich nicht zweimal überlegt, ob er trotz den Anschlägen Reisen an die Fussballspiele organisieren soll. «Die Fussballinteressierten können ja jetzt nicht einfach zu Hause bleiben. Wenn wir so denken würden, kämen wir nirgends hin.» Einige seien wahrscheinlich verunsichert, beobachtet er. Und die Anmeldungen an die EM-Fahrten würden im Vergleich zu früheren Anlässen wie der WM in Deutschland eher «bescheiden» ausfallen. Terror sei aber nicht der Hauptgrund dafür. «Im Moment kommt einiges zusammen», meint Mäder. Zum Beispiel, dass die Schweizer Nationalmannschaft nicht so gut spiele. Oder, dass eine Europameisterschaft für einige nicht mehr länger der Grossanlass schlechthin sei.

Diverse Carreise-Anbieter aus der Region fahren nicht an die EM. Dafür haben sie aber andere Gründe als die Anschläge. «Die Problematik liegt bei der Beschaffung der Tickets», weiss Thomas Jeker, Sachbearbeiter für Carreisen bei der Gast AG aus Utzenstorf. Diese würden zum grössten Teil dem Sportreise-Partner des Schweizerischen Fussballverbandes zur Verfügung stehen. Jeker meint zudem, Terror beeinflusse Fussballfans kaum. «Das generell geringere Interesse an der Schweizer Fussballnationalmannschaft würde ich eher der fehlenden Identifikation mit den Spielern als dem Umstand der erhöhten Terrorgefahr zuschreiben.»

Auch Gerber Reisen aus Roggwil bietet keine Carfahrten an die Länderspiele an. «Wir haben auch zuvor noch nie Fussballreisen angeboten», erklärt Claudia Müller. Dasselbe sagt Samuel Born von der Born Reisen AG in Olten. «Wir fahren grundsätzlich zu keinen Sportveranstaltungen», berichtet er. Bei der Schneider Reisen AG in Langendorf war wegen Ferienabwesenheit keine Auskunft erhältlich.

Badeferien: Spanien ist top, die Türkei ein Flop

Terror lässt nicht nur Grossanlässe wie eine Fussball-Europameisterschaft zu einem heiklen Thema werden. Die Anschläge bewirken auch, dass einst beliebte Reiseziele nicht mehr so oft besucht werden. Beispiele dafür sind Ägypten und die Türkei.

Dafür werden andere Länder zu Boom-Destinationen. «Der Trend dieses Jahr geht hin zu Spanien: Mallorca, Ibiza, Kanarische Inseln, Festland», sagt Doris Christ, Filialleiterin des Reisebüros Tui in Solothurn. «Aber auch Griechenland, besonders Kreta, buchen wir gut.» Reisen in die Türkei und nach Ägypten würden nach wie vor angeboten, wobei sich Tui auf «Aussagen des EDA» stütze.

Bei diesen Destinationen sei aber ein Rückgang zu verzeichnen. Einige Airlines würden auch Flüge streichen. Dumping-Preise für andere Destinationen gebe es bei Tui nicht. «Unser Mutterhaus ist in Deutschland. Somit profitieren wir von Euro-Preisen, welche aktuell umgerechnet werden. Und haben immer attraktive Preise», so Christ.

Dass Mallorca und die Kanaren die Renner sind, bestätigt auch Hansruedi Hauri von der Oltner Hauri Reisen AG. Da «ganz Europa» nach Spanien wolle, seien auch die Preise für diese Angebote gestiegen. «Es wird zeitweise schon schwierig, passende Unterkünfte für unsere Kunden zu finden.»

Zudem würden Nordeuropa, Kanada und Südafrika dieses Jahr einen «regelrechten Boom» erfahren. Dass die Beliebtheit anderer Reiseziele dafür abnimmt, bestätigt auch Hauri. «Bei Ägypten und Tunesien war die Nachfrage in den letzten Jahren schon sehr schwach.» Zudem habe die Nachfrage nach Badeferien in der Türkei stark abgenommen. «Wir spüren aber auch Zurückhaltung bei Reisen in grosse Städte.» (nka)

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