In der «Öufi»-Beiz an der Fabrikstrasse in Solothurn kommen um vier Uhr nachmittags die Ersten auf ihr Feierabendbier vorbei. Für die Service-Angestellten beginnt dann die Arbeit so richtig. Doch für jene, die den Gerstensaft herstellen, geht um diese Zeit ihr Arbeitstag langsam dem Ende entgegen.

Seit einem guten Monat ist im fünf-köpfigen Brauer-Team jetzt auch ein «Stift» mit dabei. Simon Markwalder aus Trimbach ist der erste Lehrling, der in der «Öufi»-Brauerei in Solothurn das Bierbrauen erlernt. «Ich mache eine dreijährige Lehre als Lebensmitteltechnologe EFZ, Fachrichtung Bier», präzisiert der 16-Jährige. «Ich schnupperte zunächst als Lebensmitteltechnologe in Trimbach, und dann auch noch in der «Öufi»-Brauerei. Hier gefiel es mir sehr gut.» Mit den Backwaren, mit denen er in Trimbach beschäftigt gewesen wäre, habe er nicht so viel anfangen können.

Die Schnupperlehre überzeugte

Es sei eher ein Zufall gewesen, eine Lehre als Lebensmitteltechnologe anzugehen. «Ich wusste lange Zeit nicht, was ich werden wollte», bekennt Markwalder. «Zuerst war ich an der Kantonsschule Olten, doch dann wechselte ich in die dritte Klasse der Sek E.» Dadurch habe er den ganzen Berufswahlunterricht an der Sek E verpasst und er wusste nach der obligatorischen Schulzeit noch immer nicht, was er werden wollte. «Also absolvierte ich noch ein 10. Schuljahr in Luzern und jetzt galt es, mittels Schnupperlehren eine Lehrstelle zu finden.» Sich auf ein Berufsfeld zu fokussieren, war wohl das Schwierigste für den jungen Mann, der in seiner Freizeit gerne am Gamen ist und mit Kollegen etwas unternimmt.

Der Trimbacher ist froh, dass er in der Brauerei eingestellt wurde. «Ich absolvierte vorher eine Woche lang eine Schnupperlehre hier. Ich überlegte es mir dann noch ein Weilchen und fragte schliesslich, ob sie mich nehmen – und das hat geklappt.» Die nicht gerade alltägliche Lehre dauert drei Jahre. Die Berufsschule muss Markwalder im Strickhof im Technopark in Zürich besuchen. «Dort kommen alle Bier-Brauer der Schweiz zusammen.» Bis jetzt hat noch kein Berufsschulunterricht stattgefunden, doch das ändert sich nächste Woche. «Ich habe dann drei Wochen Blockunterricht.» Das wiederholt sich drei- bis viermal pro Lehrjahr, so der junge Lehrling.

Wohl im familiären Umfeld

Die Umstellung von der Schule in die Arbeitswelt sei am Anfang schon etwas hart gewesen, gibt Simon Markwalder zu. «Doch jetzt geht es gut. Am Abend weiss man, was man gemacht hat.» Um am Morgen rechtzeitig in Solothurn zu sein, stehe er um 6 Uhr auf. Mit Zug und Bus geht es dann nach Solothurn. «Ich bin der Erste in der Brauerei und erledige dann ganz allgemeine Arbeiten wie Abfallleeren oder Postholen.»

Dann beginne die eigentliche Brau-Arbeit. In erster Linie sei Moritz Künzle sein Lehrmeister. Er selber schaue noch viel zu und helfe mit. «Ich fühle mich wohl im familiären Klima, das in der ‹Öufi›-Brauerei herrscht», sagt er noch und ist stolz, dass er schon viel übers Brauen weiss. «Ich bin froh, dass ich noch keinen ‹Bock› geschossen habe.» Er selbst trinke natürlich auch gerne Bier, «sonst ist man hier nicht am richtigen Platz», schmunzelt er.

Momentan hätten sie viel zu tun mit dem Bierabfüllen, denn das warme Wetter sorge für einen guten Absatz. Seine Kollegen hätten natürlich Freude an ihm, wenn er ihnen sage, dass er Bierbrauer werde. Und, so Markwalder, «auch meine Eltern sind froh, dass ich eine Lehrstelle gefunden habe, die mir Spass macht». Wie es nach der Lehre beruflich weitergehe, weiss er noch nicht. «Die drei Jahre Lehrzeit werde ich auf jeden Fall zu Ende führen.»