Amtsgericht
«Mir war nicht bewusst, dass ich eine Bombe hinterliess»

Das Vorstrafenregister von David N. umfasst volle sieben Seiten. Es scheint jedoch, dass das Strafverfahren vor dem Amtsgericht eine positive Wende im Leben von David N. bewirkt hat. So zeigt er sich selbst schockiert über sein Verhalten

Christoph Neuenschwander
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Würde Gin besserer brennen, wäre das Pontonier-Bootshaus vielleicht im März 2012 von einem Drogensüchtigen gesprengt worden.

Würde Gin besserer brennen, wäre das Pontonier-Bootshaus vielleicht im März 2012 von einem Drogensüchtigen gesprengt worden.

Hansjörg Sahli

Die Geschichte von David N.* stimmt nachdenklich und zuversichtlich zugleich. Seit seiner Jugend kämpft der heute 41-jährige Schweizer mit Drogenproblemen. Immer wieder hat er versucht, von seiner Sucht loszukommen, immer wieder ist er gescheitert.

Oft sah er in der Kriminalität den einzigen Weg, seine Sucht zu finanzieren. Sein Vorstrafenregister umfasst sieben Seiten. Und auch die Anklageschrift zur gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern ist nicht gerade kurz. Wie es scheint, hat das aktuelle Strafverfahren jedoch zu einer positiven Wende im Leben von David N. geführt.

Dies zumindest ist die Interpretation von Staatsanwältin Claudia Scartazzini. Das Verfahren, zusammen mit dem Wunsch des Angeklagten, nicht mehr ins Gefängnis gehen zu müssen, habe sicher geholfen, dass er seit nunmehr anderthalb Jahren die stationäre Therapie durchhalte.

Die Therapie wiederum habe ein Umdenken bewirkt. «Während N. anfänglich alle Schuld auf die Drogen schob, zeigt er nun deutlich mehr Einsicht», sagte Scartazzini.

Schlechter Brandbeschleuniger

«Ich war schockiert, als ich nüchtern genug war, um zu realisieren, was ich getan hatte», erzählte David N. selbst. Vorgehalten werden ihm eine Vielzahl von Beschaffungsdelikten, mehrheitlich Ladendiebstähle.

Am schwersten wiegt jedoch der Einbruch, den der Beschuldigte im März 2012 begangen hatte. Mitten in der Nacht war er ins Klubhaus des Solothurner Pontoniervereins eingedrungen, um eine Stereoanlage, Bierflaschen und weitere Güter zu entwenden. Weil er seine Spuren verwischen wollte, zündete er ein Holzscheit an, goss Gin darüber und öffnete schliesslich das Ventil einer Propangasflasche.

Dass es beim blossen «Versuch der Verursachung einer Explosion» blieb, so die Anklage, sei dem Umstand zu verdanken, dass Gin kein sonderlich guter Brandbeschleuniger sei. Im Gegenteil: Der Gin löschte das Feuer vermutlich aus.

Zahlreiche Therapieversuche

«Ich bin froh, dass die Hütte nicht in die Luft geflogen ist», hatte David N. später bei der Einvernahme gesagt. Dass genau das sein Ziel gewesen war, kann er aber bis heute nicht ausschliessen.

«Ich weiss nicht mehr, was ich mir gedacht habe», sagte er gestern vor Gericht. «Vermutlich habe ich gar nicht gedacht.» Er habe zum Zeitpunkt der Tat unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden und könne sich nur vage erinnern. «Mir war nicht bewusst, dass ich da eine Bombe hinterliess.»

Inzwischen hat David N. einen verantwortungsvollen Posten in seiner Therapie-WG und darf an Wochenenden unbeaufsichtigt auswärts übernachten. Nachdem er bei zahlreichen früheren Therapieversuchen überfordert gewesen sei, habe die Deliktserie Anfang 2012 und der «mangelnde Respekt mir selbst gegenüber» ausreichend Motivation geschaffen, die stationäre Behandlung durchzuhalten.

Nur die Neueintritte, die - wie N. es selbst auch getan hatte - oft rebellieren und für Turbulenz sorgen, die stressen ihn zuweilen. «Ich wäre froh, wenn ich die stationäre Therapie in sechs bis acht Monaten abschliessen könnte», so N. Eine ambulante Behandlung wolle er aber auf jeden Fall fortsetzen. «Ich will zurück ins Leben.»

«Exorbitante Umtriebskosten»

Staatsanwältin Scartazzini beantragte dem Amtsgericht eine unbedingte Freiheitsstrafe von 3 Jahren, wobei die Haft zugunsten der stationären Therapie aufzuschieben und die bereits absolvierten anderthalb Jahre anzurechnen seien.

Verteidiger Andreas Wehrle gab der Staatsanwaltschaft in etlichen Punkten recht, beurteilte das Feuer im Bootshaus allerdings als Brandstiftung, da keine ernsthafte Explosionsgefahr bestanden hätte.

Wehrle stellte zudem einige Zivilforderungen infrage, die er im Grundsatz zwar anerkannte, nicht aber im Ausmass. So habe David N. zu Fuss unmöglich 25 Flaschen Bier, 10 Flaschen Wein und eine Stereoanlage aus dem Bootshaus abtransportiert wie von den Pontonieren geltend gemacht. Auch anerkenne sein Mandant die Schadensforderungen für Diebesgüter aus dem «Avec» (10.60 Franken) sowie aus dem «Aldi» (1.19 Franken), nicht aber die «exorbitanten Umtriebskosten», die die Ladenketten geltend machen.

Name von der Redaktion geändert

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