Sie schlafen noch gut. Zumindest sagen das fast alle sieben Solothurner Nationalräte. Doch eigentlich müssten sie nervös sein: Am Sonntag verliert mindestens einer von ihnen seinen Job.

Das Solothurner Wahlvolk reduziert den Personalbestand in Bern von sieben auf sechs Sitze. Wie gehen die Gefährdeten damit um?

Die Umfrage zeigt: ganz unterschiedlich. Abwahlkandidaten geben sich selbstsicher, und es gibt gestandene Politiker, die noch immer vor jeder Wahl eine Unsicherheit spüren.

Treffen kann es fast jeden der sieben Solothurner Nationalräte: Der Verlust des zweiten Sitzes droht sowohl der CVP als auch der SP.

Und nicht einmal die SVP hat den zweiten Sitz garantiert. Prozentpunkte im Bereich 0,x könnten am Sonntag entscheiden.

Das zeigt der Rückblick: Die heurigen Listenpartner CVP, EVP, GLP und BDP erreichten 2011 zusammen 28,65 Prozent, doch laut Prognosen kränkeln derzeit allesamt in diesem Bündnis.

Auch die Grünen, die mit der SP zusammen bei den letzten Wahlen 25,81 Prozent erhielten, sind nicht in Höchstform. Und die SVP schaffte es 2011 auf 24.32 Prozent. Es wird also verdammt knapp.

Walter Wobmann sieht keinen Grund, nervös zu sein

Walter Wobmann sieht keinen Grund, nervös zu sein

«Ich und nervös? Ich stelle mich gerne dem Wettkampf», sagt Walter Wobmann gelassen. Dass der SVP-Mann ruhig schlafen kann, da sind sich Politbeobachter einig. 2011 war er best gewählter Nationalrat im Kanton.

Seither hat er sich mit dem Kampf gegen die teurere Autobahnvignette nochmals mehr Bekanntheit verschafft. Doch ist der Mann selbst so ruhig? Ja. Ins Grübeln komme er höchstens bei seiner Ständeratskandidatur. «Mein Handicap sind die klaren Positionen.» Damit könne er in den anderen Lagern nicht unbedingt punkten.

Auftakt mit Reden und Apéro Nationalrat Urs Schläfli

Urs Schläfli schläft gut, wenn er richtig müde ist

Auftakt mit Reden und Apéro Nationalrat Urs Schläfli

Der zweite CVP-Sitz gilt als hoch gefährdet. Und damit auch Nationalrat Urs Schläfli. «Jedem ist klar, dass es eng wird», sagt der Landwirt aus Deitingen.

Trotzdem könne er abends schlafen, sagt Schläfli – trotz einer gewissen Anspannung. «Jedenfalls wenn ich richtig müde bin», lacht er. Schläfli gibt zu: «Ich mache mir natürlich Gedanken, wie es bei einer Abwahl weitergehen würde.»

Einen konkreten Plan B, den er am Montag aus der Schublade ziehen könnte, habe er aber nicht. «An und für sich hofft jeder bis zum Schluss, dass er wiedergewählt wird.»

Bis zum Sonntag bleibe nun nicht viel anderes übrig, als abzuwarten. «Die Meinungen sind grösstenteils schon gemacht.»

«Muss ich mir einen Plan B überlegen?», fragt Bea Heim

«Muss ich mir einen Plan B überlegen?», fragt Bea Heim

«Was bringt es, sich selbst zu stressen?», fragt SP-Nationalrätin Bea Heim wenige Tage vor der Wahl. «Ich lasse mich am Sonntag überraschen, ob die Wähler das Engagement und die Leistung honorieren.»

Seit 12 Jahren ist sie in Bern und hat schon einige Wahlsonntage miterlebt. «Ungewissheit gibt es an jedem Wahlsonntag», sagt sie.

Hat Heim einen Plan B, falls sie nicht wiedergewählt wird? «Muss ich mir dies überlegen?», fragt sie zurück.

Wohl nicht. Einerseits war die Gesundheitspolitikerin 2011 klar SP-Stimmenkönigin. Und die 69-Jährige gehört zu den Glücklichen, die bei einer Abwahl finanziell abgesichert wären.

«Ich politisiere für eine gute Zukunft und soziale Gerechtigkeit, nicht um einen Job zu haben», sagt sie. «Und das auch nach diesem Wahlsonntag.»

Kurt Fluri würde «sicher nicht Däumchendrehen»

Kurt Fluri würde «sicher nicht Däumchendrehen»

FDP-Nationalrat Kurt Fluri sitzt zwar fest im Sattel. Er ist in Bern einflussreich und das Aushängeschild der Solothurner Liberalen. Doch nicht einmal er kann sich am Wahlsonntag hundertprozentig sicher sein.

Vor vier Jahren sah es für kurze Zeit so aus, als ob er abgewählt würde – trotz eines persönlich guten Resultates. Denn die zweite FDP-Liste hatte einfach mehr Stimmen.

«Natürlich mache ich mir auch dieses Jahr Gedanken dazu», sagt Kurt Fluri. «Niemand ist sicher.» Einen Plan B gebe es trotzdem nicht.

«Werde ich nicht gewählt, ist Ende November einfach Schluss in Bern.» Für Fluri ist klar: «Däumchendrehen müsste ich nicht», lacht der Vollzeit-Stadtpräsident.

Fluri hat schon zahlreiche Wahlen hinter sich, trotzdem gibt er offen zu. «Je näher der Wahltermin kommt, desto unsicherer ist man. Die Wirkung von Plakaten, Inseraten oder des Bekanntheitsgrades ist nicht messbar.»

Wer die Abwahl fürchtet, soll nicht kandidieren, sagt Roland Borer

Wer die Abwahl fürchtet, soll nicht kandidieren, sagt Roland Borer

Roland F. Borer ist eigentlich ein sicherer Wert. Seit Jahren schon holt er den Sitz für die SVP. Doch wie sieht es bei diesen Wahlen aus?

Der parteiinterne Knatsch um seine lange Amtszeit könnte ihm schaden und gleichzeitig stehen die jungen SVP-Hoffnungsträger Christian Werner und Christian Imark in den Startlöchern.

Schläft der Langzeit-Nationalrat da schlecht? Roland F. Borer lacht. «Schlaflose Nächte habe ich nicht. Diese hätte ich, wenn wir am Sonntagabend nicht zwei Sitze haben.»

Und da gibt sich der Kestenholzer Nationalrat zuversichtlich. Abgeklärt beantwortet er Fragen zu seiner eigenen Kandidatur. «Ob ich gewählt werde, ist nebensächlich. Wichtig ist mir, dass die SVP zwei Sitze hat.»

Und da störe es ihn auch nicht, wenn ein junger Kandidat gewählt werde. Seine Zukunft hänge so oder so nicht am politischen Mandat, sondern an Faktoren wie der Gesundheit.

Überhaupt: «Wer das Risiko einer Abwahl nicht eingehen will, muss sich nicht aufstellen lassen.» Und der Plan B, falls es am Sonntag nicht klappen sollte? «Ich bin nicht Berufspolitiker. Der Plan B ist allgegenwärtig», sagt der Unternehmensberater.

Philipp Hadorn will gar nicht erst an Plan B denken

Philipp Hadorn will gar nicht erst an Plan B denken

Der zweite SP-Sitz ist gefährdet. Und wenn die SP verliert, dann dürfte es wohl nicht Stimmenkönigin Bea Heim sein, die zittern muss.

Trotzdem gibt sich der zweite SP-Nationalrat, Philipp Hadorn, selbstsicher: «Mein Plan ist, weiterzumachen. Ich bin voll im Saft.»

Hadorn will jetzt lieber nicht über seine Pläne bei einer allfälligen Abwahl nachdenken, «sondern bis zum Sonntag noch alles geben», betont der Gerlafinger.

Natürlich wisse er, dass Wahlen unberechenbar seien. Doch weder seine Biografie noch die Welt würden für ihn bei einer Abwahl untergehen. «Ich bin Miliz-Politiker und habe einen anderen Beruf», sagt der Gewerkschafter.

Stefan Müller-Altermatt hat alles gegeben und wartet jetzt mal ab

Stefan Müller-Altermatt hat alles gegeben und wartet jetzt mal ab

«Relativ ruhig» ist CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, auch wenn ein CVP-Sitz gefährdet ist. «Ich habe vier Jahre gegeben, was ich konnte. Wenn dies nicht reicht, ist es Pech.»

Er könnte dann mit gutem Gewissen gehen, so der Thaler. Müller-Altermatt ist vierfacher Vater, er hat seinen Job als Leiter des Naturparks Thal für das Mandat in Bern aufgegeben.

Was ist sein Plan B? «Ganz auf der Strasse wäre ich nicht», sagt er, der auch Herbetswiler Gemeindepräsident und Präsident der Schweizer Pärke ist. «Wie ich die neuen Kapazitäten füllen würde, weiss ich aber noch nicht.»

Befasst habe er sich natürlich mit der Frage. Er würde warten, was auf ihn zukommt, schliesslich «könnte der eine oder andere erfahren, dass ich mehr Zeit habe.»