Eine Deutsche zog es erneut vor, zu Hause zu bleiben. Aber anders als noch Mitte November stand dem Prozessbeginn dennoch nichts mehr im Weg. Erscheint nämlich eine angeklagte Person beim neu angesetzten zweiten Termin nicht vor Gericht, wird die Verhandlung in deren Abwesenheit durchgeführt.

Auch lehnte das Gericht unter dem Vorsitz von Amtsgerichtsstatthalter Claude Schibli mehrere Anträge der Verteidiger der beiden Angeklagten ab. Diese zielten etwa dahin, den Prozess wegen Verhandlungsunfähigkeit der Angeklagten zu sistieren oder diesen wegen mangelhafter Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu vertagen.

50 Prozent Zins in acht Wochen

Die Deutschen und ihr Geschäftspartner, ein bekannter Solothurner Treuhänder, sind des gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher qualifizierter Veruntreuung, mehrfacher Geldwäscherei und mehrfacher Unterlassung der Buchführung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, im Rahmen eines «klassischen Umlageverfahrens» 31 Mio. Franken veruntreut zu haben.

Zu Schaden kamen laut Staatsanwaltschaft 95 Anleger, die rund 20 Millionen Franken verloren haben. Den Anlegern wurden zum Teil fantastische Renditen versprochen. So wurde gestern beispielsweise aus einem abgeschlossenen Anlagevertrag zitiert, der bei einer eingebrachten Summe von 100 000 Euro innerhalb von acht Wochen eine Rendite von 25 bis 50 Prozent in Aussicht stellte. Bei den Anlegern handelte es ich grösstenteils um Deutsche; Schweizer waren nur Einzelne betroffen.

«Zu den Geschäften habe ich nichts zu sagen»

Dem Treuhänder selbst wird vorgeworfen, 53 Personen «mit Arglist getäuscht» zu haben. «Diesen Vorwurf kann ich nicht akzeptieren», erklärte er dem Gericht. Es sei nie seine Absicht gewesen, jemanden zu betrügen oder zu schädigen.

Der Treuhänder amtete in zwei Aktiengesellschaften - der B.E. Creativ-Service AG und der Capitaltrend Holding AG - als alleiniger Verwaltungsrat, die Deutsche als deren Direktorin. «Das operative Geschäft hat sie geführt», sagte der Treuhänder. «Zu den Geschäften hatte ich nichts zu sagen. Die Ideen stammten von ihr. Ich bin Treuhänder und nicht Finanzspezialist.» Renditen sollten anhand von «Trading-Programmen» erzielt werden. Er habe anhand der Darstellungen der Geschäftspartnerin immer geglaubt, dass diese Programme funktionieren würden, und deshalb auch Verträge in seiner Eigenschaft als Verwaltungsratspräsident unterschrieben.

Edelstein und Ikonen

Auf die Frage von Richter Schibli, ob er auch Belege für den Geschäftserfolg seiner Partnerin gehabt habe, sagte der Treuhänder: Gesehen habe er solche zwar nicht. Aber Kunden, die zu ihm ins Büro gekommen seien, hätten die Erfolge bestätigt. «Die Kunden glaubten daran. Ich musste nie jemanden überzeugen, dass es Geld gibt.»

Entscheidend für sein Engagement sei auch gewesen, dass Sicherheiten vorhanden waren, von deren Werthaltigkeit und Echtheit er überzeugt gewesen sei. Dabei habe es sich um Bankgarantien in der Höhe von 20 Millionen Euro gehandelt, aber auch um Ikonen und einen sagenhaften Diamanten, bei dem es sich aber nur um einen 300 Franken teuren Halbedelstein gehandelt haben soll.

Der Prozess wird heute mit den Plädoyers des Staatsanwalts sowie der beiden Verteidiger fortgesetzt.