Französisch

«Mille feuilles» muss zittern: Kanton will alternative Lehrmittel zulassen, wenn sie gut sind

Spielerischer Französisch lernen. Die sechs Passepartout-Kantone reagieren auf Kritik und bessern die Lehrmittel nach. (Symbolbild)

Spielerischer Französisch lernen. Die sechs Passepartout-Kantone reagieren auf Kritik und bessern die Lehrmittel nach. (Symbolbild)

Die Schüler lernen mit dem Lehrmittel nicht gut Französisch, das stellten die Kantone fest. Deshalb sollen bald Alternativen dazu erscheinen. Ob der Kanton Solothurn diese zulässt entscheidet unter anderem die Lehrmittelkommission, sie gibt dem Kanton Empfehlungen ab.

Mit der Familie Châtelain in Genf und mit Pierrot und Pierrette auf dem Bauernhof – so haben viele Kindern in der Schweiz währen 30 Jahren Französisch gelernt. Mittlerweile ist das Lehrmittel endgültig aus den Schulzimmern verschwunden, im Kanton Solothurn lernen die Kinder mit den Lehrmitteln «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» Französisch.

Die Lehrmittel sollten einen neuen Geist in die Klassenzimmer tragen: Reden statt Grammatik pauken. Kinder sollen frei sprechen, statt sich um mögliche Fehler zu sorgen.

Dieser neue Ansatz bringt aber nicht die gewünschten Resultate, die Kinder erreichen ihre Lernziele nicht. Der Kanton Solothurn könnte deshalb bald alternative Lehrmittel zulassen. Das geht auf eine Stellungnahme des Regierungsrates auf eine kleine Anfrage von Nicole Hirt (glp, Grenchen) hervor.

«Der Kanton Solothurn pflegt eine liberale Haltung in Bezug auf Lehrmittelobligatorien. Den Verzicht auf das jetzige Obligatorium können wir uns vorstellen, sobald mehr als ein geeignetes Lehrmittel vorliegt», schreibt die Regierung.

Mit diesem Schritt ist der Kanton Solothurn nicht allein. Der Kanton Basel-Land hat das Lehrmittelobligatorium bereits aufgehoben, der Kanton Bern denkt darüber nach. Die Kantone haben die Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» im Rahmen des Passepartout-Verbundes eingeführt, auch die Kantone Freiburg, Basel-Stadt und Wallis arbeiten damit.


Die Suche nach einem anderen Lehrmittel


Die Kantone wären also bereit für neue Lehrmittel, nur gibt es diese noch nicht. Der Lehrmittelverlag Klett und Balmer hat aber mögliche Nachfolger in Planung: Per 2021/2022 will er das Lehrmittel «Ça roule» als Alternative zu «Mille feuilles» herausgeben.


Verschiedenen Kantone haben bereits Einblick in das Lehrmittel erhalten, allerdings ist es bis jetzt in keinem Kanton offiziell zugelassen. Auch für die Oberstufe ist ein neues Lehrmittel geplant: Statt «Clin d’oeil» soll «C’est ça» in den Oberstufenschülern die Freude am Französisch wecken. Ein wichtiger Aspekt für die Zulassung ist, dass das Lehrmittel die Vorgaben des Lehrplans umsetzt.

Wie die Lehrmittelkommission des Kantons Solothurn «Ça roule» und «C’est ça» bisher beurteilt, gibt sie nicht bekannt. Der Vorgänger von «C’est ça», das Buch «Ça bouge», ist in den meisten Kantonen aber durchgefallen: «Ça bouge» sollte ebenfalls anstelle von «Clin d’oeil» in die Klassenzimmer der Oberstufe einziehen, wurde bisher aber nur im Kanton Basel-Land zugelassen, und das nur in den 5. und 6. Klasse.

Sollten «Ça roule» und «C’est ça» die Vorgaben des Lehrplans aber besser umsetzen als «Ça bouge», dann könnten die Primar- und Oberstufenschüler im Kanton Solothurn ab dem Schuljahr 2021/2022 und 2022/2023 damit arbeiten. So leicht wollen sich «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» aber nicht vertreiben lassen. Der Herausgeber Schulverlag plus lässt die beiden Lehrmittel derzeit überarbeiten, ausserdem hat er sie in den letzten Jahren mit Arbeitsblättern ergänzt

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