In den letzten 15 Jahren nahm die Anzahl der Milchwirtschaftsbetriebe in der Schweiz sowie im Kanton Solothurn stetig ab. Grund dafür ist der sinkende Preis, den die Bauern von den Verarbeitern ihrer Milch erhalten.

«Oft wird die Milchproduktion aufgegeben, wenn der Betrieb an die nächste Generation übergeben wird», so Peter Brügger, Sekretär des Solothurnischen Bauernverbands (SOBV). Er beobachtet im Kanton Solothurn aber auch zunehmend, dass Landwirte auf eine extensivere Bewirtschaftungsform umsteigen, beispielsweise auf die Mutterkuhhaltung.

Im Unterschied zur Milchkuhhaltung säugt hier die Mutter das Kalb auf der Weide. Der Aufwand für diese Form der Rindfleischproduktion ist kleiner als jener für die Milchproduktion. Dem Bauer bleibt so mehr Zeit für andere Tätigkeiten. Auch Nachzucht, Pouletmast, Pferdehaltung oder komplett viehlose Bewirtschaftung sind denkbare Alternativen.

Umstrukturierung steht an

Seit 1999 hat die Anzahl der Milchbetriebe im Kanton Solothurn stetig abgenommen: von 1172 Betrieben im Jahr 1999 auf 703 im Jahr 2015. Das entspricht einer Abnahme von 40 Prozent. Bei den konventionellen Betrieben, die nach wie vor die grosse Mehrheit ausmachen, beträgt die Abnahme sogar 45 Prozent. Bei der Biomilch stagniert die Anzahl der Betriebe seit 1999 zwischen rund 60 und 75 Betrieben, wobei es immer wieder zu Ausstiegen und Einstiegen kommt. Der Markt für Biomilch, so Brügger, sei gesättigt.

«Für die nächsten zehn Jahre erwarte ich eine Umstrukturierung in der Milchwirtschaft», so Brügger. Dann nämlich kommen die geburtenstarken Jahrgänge ins AHV-Alter und die rückläufige Anzahl neu ausgebildeter Landwirte mache sich bemerkbar. «Die Tendenz wird also klar in Richtung Zusammenschlüsse gehen. Somit wird es weniger, aber grössere Betriebe geben.»

Das löst jedoch das Problem um den sinkenden Milchpreis nicht. Dieser ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Dazu gehört beispielsweise der starke Franken, welcher zu einem erhöhten Preisdruck auf den Exportprodukten führt. Mit der Aufhebung der Milchkontingentierung in der EU am 1. April letzten Jahres wurde der EU-Markt mit Milch geflutet. Dadurch sank der europäische Milchpreis drastisch und der Preisdruck auf die Schweizer Milch erhöhte sich zusätzlich. Der Einkaufstourismus sei ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Problem, weil dadurch Druck auf den Schweizer Detailhandel entsteht.

Dieser gibt den Druck an die Lieferanten weiter. Auch die Importprodukte stellen eine Gefahr für die Inlandproduktion dar; wenn auch hauptsächlich im Bereich der Fertigprodukte und nicht für Frischmilch, wie Brügger feststellt. Der Sekretär des SOBV kritisiert, wie Grossverarbeiter wie beispielsweise Emmi den Preisdruck auf die Bauern abwälzen: «Während der Verwaltungsrat und die Aktionäre mehr Gewinn einstreichen, wird der Milchpreis für die Bauern tief gehalten oder sogar gesenkt.»

Ein weiteres Problem auf dem hiesigen Milchmarkt wollen die Bauernverbände der Nordwestschweiz gemeinsam angehen: Momentan sitzen Produzentenvertreter sowohl im Vorstand der SMP (Schweizerischer Milchproduzenten) wie teilweise auch in den Gremien der Verarbeiter, beispielsweise der Emmi. Am 20. April wurde an der GV der Miba (Milchproduzenten Nordwestschweiz) eine Resolution verabschiedet, welche verlangt, dass dies zukünftig nicht mehr möglich ist, um Interessenskonflikte zu vermeiden und insbesondere die Interessen der Produzenten besser zu vertreten.

Mehrwert ist gefragt

Doch wie kann der Milchpreis mittel- und langfristig den Produzenten ein Einkommen bieten? «Eine politisch hochbrisante Frage», so Brügger. Für ihn steht fest: «Die Schweiz kann nicht auf demselben tiefen Preisniveau wie die EU produzieren. Der höhere Preis muss aber klar mit einem Mehrwert einhergehen.»

Dies stand beim SOBV bereits 2011 zur Diskussion: Um in ethischen und gesellschaftspolitischen Kriterien einen Mehrwert herzustellen, solle die Produktion mehr auf die Ressource Grasland ausgerichtet werden. Konkret gäbe dies einen Mehrwert dank einheimischer Futterbasis, sinkender Sojaimporte sowie sinkendem Ressourcen- und Energieverbrauch. Mittlerweile besteht ein Bundesprogramm, welches Bauern mit hohem Anteil an Raufutter wie Gras, Heu und Silage direkt unterstützt.

Doch ist Heumilch nach dem Vorbild des in Österreich bereits etablierten Produkts tatsächlich eine Möglichkeit für die Schweiz? Die Migros und die IP Suisse lancierten mit der «Wiesenmilch» ein entsprechendes Produkt, welches aber nicht denselben Erfolg ausweisen konnte wie die Österreicher Heumilch. «Leider haben die wichtigsten Akteure, nämlich die Verarbeiter, bisher nicht genügend in diese Richtung mitgezogen. Produkte nach dem Vorbild der Heumilch erachte ich als ein mögliches Marktsegment, aber nicht als Patentrezept», so Brügger.