Im Mai 2010 kam es zu einer spektakulären Kampfscheidung zwischen Goliath und David: Grossverteiler Migros kündigte die 1983 begonnene Zusammenarbeit mit der mittelgrossen Uhrenherstellerin Mondaine Watch auf. Von 1983 bis 2010 war Migros der exklusive Absatzkanal für die in Biberist produzierte M-Watch. Unter anderem begründete der Grossverteiler den Schritt «mit nicht mehr marktkonformen Konditionen und Sortimenten» seitens Mondaine. Mondaine ihrerseits prangerte Migros an, «immer härtere Lieferbedingungen sowie tiefere Preise verlangt zu haben». Wie erfolgreich die Partnerschaft war, zeigt die Zahl der verkauften M-Watches: Über 7 Millionen Stück insgesamt wurden über die Migros-Ladentische verkauft. Seit der Trennung 2010 haben sich die beiden Kontrahenten um das Recht an der Marke M-Watch bis vor Bundesgericht gestritten, welches den Fall an die vorgängige Instanz zur Neubeurteilung zurückwies.

Dann die grosse Überraschung: Vor wenigen Wochen haben Migros und Mondaine ihre Auseinandersetzung darüber, wem die Marke M-Watch gehört, aussgerichtlich beigelegt (wir berichteten). «Nachdem mehrere Gerichtsurteile keine restlose Klärung brachten, haben sich die Parteien aussergerichtlich auf eine Koexistenz geeinigt», teilte Migros mit. Künftig dürfen laut der Einigung beide Firmen die Marke in einem je eigenen Design verwenden.

Mondaine peilt 200'000 Stück an

Und das tun beide. Seit Beginn des Streites mit dem Grossverteiler vertreibt Mondaine die M-Watch über die Warenhauskette Manor. Der Vertrieb laufe sehr gut und über 40 Modelle der M-Watch seien in den 71 Filialen der Warenhausgruppe zu kaufen, erklärt Ronnie Bernheim, Co-Chef der Mondaine Watch. Wie viele Uhren über diesen Absatzkanal jährlich verkauft werden, will er nicht verraten. «Es sind aber unter 100 000 Stück.» Bernheim ist überzeugt, dass mit der richtigen Vertriebsstruktur und Verkaufspunkten ein Absatz von 200 000 Einheiten in der Schweiz möglich wäre. Mondaine werde deshalb an der Produktion der Marke M-Watch – wenn auch mit abgeändertem Logo – mit dem Label Swiss Made festhalten. Zum Vergleich: In den besten Zeiten mit Migros als Vertriebskanal waren es jährlich bis zu 300'000 Stück.

Kommt es zu neuer Partnerschaft?

Nach dem Bruch mit Mondaine liess Migros die M-Watch bei der Uhrenherstellerin FM Logistics in Besazio TI fertigen. Daran habe sich bislang nichts verändert, sagt Migros-Sprecherin Martina Bosshard auf Anfrage. «Wir verkaufen nach wie vor Uhren unter der Marke M-Watch, die im Tessin produziert werden.» Auch Migros verrät keine Verkaufszahlen für die Zeit nach der beendigten Zusammenarbeit mit Mondaine. «Die Stückzahlen waren minim rückläufig», erklärt Bosshard. Im laufenden Jahr rechnet Migros, «dass sich der Absatz in etwa im gleichen Rahmen bewegen wird».

Stellt sich die Frage, wie ökonomisch sinnvoll die Konkurrenzierung nach der aussergerichtlichen Einigung ist. «Nähere Angaben zu unseren aktuellen und potenziellen Lieferanten machen wir keine», antwortet die Migros-Sprecherin auf die Frage, ob es denkbar sei, dass Mondaine zu einem späteren Zeitpunkt wieder M-Watches für Migros produzieren werde. Das war bei der Einigung kein Thema, heisst es bei Mondaine.