Auf einen Kaffee mit...

«Mich zog es schon immer in die Lüfte» – Sie nutzt auch schon mal einen Kronleuchter als Trapez

Yayita Gasser verwendet einen Kronleuchter als Trapez.

Yayita Gasser verwendet einen Kronleuchter als Trapez.

Auf einen Kaffee mit... Yayita Gasser, die mit ihren Eltern die Zirkusshow «Bellis Weihnachtsvarieté» veranstaltet.

«Bellis Freizeitpark» steht am Eingang des kleinen Geländes direkt am Fluss in Roggwil. Doch das Karussell ist leer, die Hüpfburg geschlossen und die Tische im Esszelt unbesetzt. Yayitas Vater macht draussen Kaffee und Tee, das Gespräch findet im Haus statt. «Rede dann nicht, wenn du auch reinkommst», sagt Yayita noch zu ihm. Er lacht nur.

Man merkt, dass sich die beiden nahe stehen. Obwohl Yayita viel in der Welt herumreist, scheint sie ein Familienmensch zu sein. So kennt sie auch die ganze Geschichte ihrer Vorfahren, bis zurück ins 17. Jahrhundert. Dann, als aus der Familie Gasser die Zirkusdynastie Gasser entstand. «Ein Herr Gasser wurde damals zum Ritter geschlagen, deshalb haben wir einen Stern auf dem Wappen», erzählt sie. Das sei der Vater ihres Ur-Urgrossvaters gewesen, der eigentlich Metzger war, aber unbedingt im Zirkus auftreten wollte.

Zirkusartistin statt Architektin

Seit sie ein kleines Kind war, trat Yayita im Zirkus Liliputh, dem Zirkus ihrer Eltern, am Trapez und am Vertikaltuch auf. «Vielleicht wäre es klüger gewesen, etwas am Boden zu machen», meint sie beim Blick auf die Narbe an ihrem Arm. «Aber mich zog es schon immer in die Lüfte.» Dies aber zu ihrem Beruf zu machen, war gar nie ihr festes Ziel gewesen. «Ich dachte früher, ich würde an die Uni gehen und Architektur studieren», sagt sie mit einem kleinen Kopfschütteln.

Erst als sich etwas veränderte, habe Yayita gemerkt, wie sehr sie das Zirkusleben liebt: Als nach einigen Jahren der Umsatz des Zirkus Liliputh sank, disponierten die Gassers um und wollten einen Zoo kaufen. Damals sei sie zum ersten Mal nicht gereist und aufgetreten. «Vorher hatte ich das Ganze gar nie hinterfragt, aber da merkte ich: Wenn ich nicht auftreten kann, bin ich richtig unglücklich.»

Schliesslich gingen die Gassers doch wieder zurück zum Zirkus. Sie arbeiteten eine Weile im Zirkus Royal, der Yayitas Onkel gehörte. In dieser Zeit entstand die Idee für «Bellis Freizeitpark». Seitdem betreiben sie über die Sommermonate den Park und veranstalten jeden Winter «Bellis Weihnachtsvariete», ein Abendessen mit Zirkusshow im Zelt auf dem Gelände.

Ein schweres Jahr mit Hoffnung am Ende

Als Yayita 18 Jahre alt wurde, begann sie an verschiedenen Orten in Europa aufzutreten und lernte so vor zwei Jahren in Irland ihren Freund kennen, der ein Zirkusclown ist. Die beiden traten eine Weile in der gleichen Show auf, und auf Ende Jahr bekam Yayita dann einen Vertrag in Amerika. Das wäre ihr bisher bestes Engagement gewesen.

Doch dann begann das Jahr, das «ein Unglück nach dem anderen» war, wie Yayita sagt. Drei Wochen vor ihrem Vertragsbeginn in Amerika stürzte Yayita aus fünf Metern Höhe vom Trapez, brach sich den Arm und riss sich die Hüfte. «Ich war erschreckend ruhig», erzählt sie. «Habe sogar noch Witze gemacht, wie: Das wird jetzt wohl nichts mehr mit Amerika.»

Hilfe für die Eltern

Man merkt: Yayita ist eine Kämpferin. Und sie mag Herausforderungen, wie sie selber sagt. So verzweifelte sie nicht, als sie nicht nach Amerika gehen konnte, und auch nicht, als dann ein paar Monate später wegen Corona keine Vorstellungen mehr stattfanden. Stattdessen ging sie zusammen mit ihrem Freund zurück in die Schweiz und half dort ihren Eltern, das Weihnachtsvarieté vorzubereiten. «Ich habe richtig viel organisiert», erzählt sie stolz.

Die Gassers warten noch auf die definitiven Regeln für den 23. November, wenn das Varieté beginnen soll. Bis dahin übt Yayita weiter an ihren drei geplanten Darbietungen. Dabei sind nun auch zwei Bodennummern. «Ich habe mir gesagt: Werd jetzt vernünftig», lacht sie. Aber ganz aus der Luft weg bekommt man sie doch nicht: Für ihre dritte Nummer macht sie einen Riesenkronleuchter zu ihrem Trapez.

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