An wolkenfreien Tagen sehen Solothurner vom Jura aus bis zu den Alpen. «Das war nicht immer so», sagt Martin Schiess vom Bundesamt für Umwelt. Vor etwa dreissig Jahren sei die Sicht der Solothurner noch getrübt gewesen – nicht nur wegen dem Wetter, sondern auch wegen der damals noch dreckigeren Luft. «Heute ‹schnuufen› wir im Kanton sauberere Luft ein», pflichtet Regierungsrat Roland Fürst bei. Denn es gebe weniger «Drecksschleudern» wie Auspuffe von Diesel-Autos oder Kamine, aus denen schwarzer Rauch qualmt. Schiess und Fürst sprachen an der gestrigen Medienkonferenz zum Thema «30 Jahre Luftreinhaltung – eine Standortbestimmung». Dort stellte das Solothurner Amt für Umwelt einen fast 100-seitigen Bericht vor. Dieser zeigt auf, wie es um die Qualität der Luft im Kanton steht, wie sich diese in den letzten 30 Jahren verändert hat und warum.

Damals wurde die Luftreinhalte-Verordnung (LRV) eingeführt. Laut Markus Chastonay, Abteilungsleiter Luft und Lärm beim Amt für Umwelt, legt die LRV fest, wie viel Dreck in der Luft sein darf, und wie viele Schadstoffe beispielsweise aus dem Kamin eines Industriebetriebes freigesetzt werden dürfen. Gleichzeitig wurden die Kantone damit beauftragt, diese Regelungen umzusetzen.

Gute Luft in Solothurn

Gute Luft in Solothurn

Seit 30 Jahren misst man im Kanton Solothurn die Luftqualität. Das heute präsentierte Ergebnis zeigt eine deutliche Verbesserung der Luft.

Kanton kontrolliert die Luft

Der Kanton misst die Luftqualität mit fünf Messstationen. In Härkingen bei der A1, in Egerkingen, an der Station Brunnersberg, an der Werkhofstrasse in Solothurn, wo sich auch das Amt für Umwelt befindet, und beim Altwyberhüsli in Solothurn. Dort steht ein weisser Waggon – ähnlich eines Wohnmobils – von dessen Dach verschiedene Antennen in die Luft ragen. Sie alle messen unterschiedliche Schadstoffe: Feinstaub, Ammoniak, Ozon und Stickstoffdioxid. Im Innern des Waggons summt und brummt es: Verschiedene Geräte stehen in einem Regal, die die Auswertungen machen und elektronisch speichern. Markus Chastonay vom Amt für Umwelt stellte gestern die Ergebnisse der Messstation beim Altwyberhüsli vor. Dort wurde bis etwa 2010 auch der Schwefeldioxid-Gehalt in der Luft gemessen. Mittlerweile seien diese Werte aber so zurückgegangen, dass man damit aufgehört habe, so Chastonay. Das liege unter anderem auch daran, dass die Cellulose-Fabrik auf dem Attisholz-Areal in Luterbach 2008 ihren Betrieb einstellte.

Herkunft Stickstoffdioxid

Herkunft Stickstoffdioxid

Von den Kaminen der Fabrik gelangte Schwefeldioxid in die Luft und wurde bis zur Messstation in Solothurn getragen, welche damals noch einen viel höheren Schwefeldioxid-Gehalt in der Luft mass, als nach der Schliessung der Cellulose-Fabrik. Katalysatoren in Autos entschwefelter Treibstoff und Partikelfilter in Baumaschinen führen auch dazu, dass die Solothurner Station in den letzten 30 Jahren auch weniger andere Schadstoffe wie Stickstoffdioxid oder Feinstaub mass.

Luft ist noch nicht ganz sauber

Laut dem Bericht «30 Jahre Luftreinhaltung» ist die Luftqualität im Kanton heute «gut» bis «sehr gut». Aber: Bei Ozon, Ammoniak und Feinstaub gibt es noch Luft nach oben. Diese Schadstoffe überschreiten noch die Grenze, die mit der LRV festgelegt wurde. Dies kommt an stark befahrenen Strassen im Kanton vor – beispielsweise bei der Messstation bei der Autobahn A1 in Härkingen. An heissen Tagen kann es zudem zum Sommersmog kommen. Ozon ist nämlich kein alleiniger Schadstoff, sondern entsteht aus der Reaktion anderer Stoffen und Sonnenlicht. Gleichzeitig kommt es auch heute im Kanton Solothurn noch zum Wintersmog. Wenn sich die Luftschichten an kalten Tagen zu wenig vermischen, bleiben die Schadstoffe in der Luft festsitzen, was die Luft trübt und ebendiesen Smog hinterlässt. Trotz erfreulicher Ergebnisse könne sich der Kanton nicht ausruhen – die Luftreinhaltung werde auch in Zukunft noch Arbeit geben, so Chastonay (siehe unten).

Zusammenarbeit für reine Luft

Für saubere Luft ist zwar teilweise der Kanton selbst zuständig, aber nicht nur. In der ganzen Schweiz gilt seit 1983 das Umweltschutzgesetz, welches dem LRV zugrunde liegt. Laut Martin Schiess vom Bundesamt für Umwelt geht die Arbeit jedoch noch weiter: Die Schweiz übernimmt beispielsweise EU-Richtlinien, wenn es um Abgasvorschriften für Autos geht. Die Wirtschaftskommission für Europa hat zudem ein Übereinkommen mit Ländern des amerikanischen und asiatischen Raums, in welchem die Ziele zur Reduktion von Schadstoffen festgelegt sind. «Schliesslich atmen wir alle zusammen dieselbe Luft», so Schiess. «Und wenn durch saubere Luft schon nur die Aussicht besser wird, ist das auch schon eine Errungenschaft.»