Obergericht
«Messerstecher von Obergerlafingen» braucht weiterhin Therapie

2005 hatte Oliver D.* einen Nebenbuhler niedergestochen. Bekanntheit erlangte er danach als «Messerstecher von Obergerlafingen». Das Obergericht bestätigte jetzt eine Verlängerung der Psychotherapie.

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In dieser Garage (2. v.r.) in Obergerlafingen stach Oliver D. seinen Nebenbuhler nieder.

In dieser Garage (2. v.r.) in Obergerlafingen stach Oliver D. seinen Nebenbuhler nieder.

Kevin Cahannes

Endlich wieder ein «normales Leben» hatte sich Oliver D.* vom Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt letztes Jahr gewünscht. Es ging damals um die Verlängerung der ambulanten Therapie für den Mann, der unter dem unrühmlichen Titel als «Messerstecher von Obergerlafingen» Bekanntheit erlangte.

Rückblende: 2005 hatte Oliver D. aus Eifersucht einen Nebenbuhler attackiert und ihn mit einem Klappmesser lebensgefährlich verletzt. Der damals 24-Jährige hatte kurz zuvor von seiner Ex-Freundin erfahren, dass sie einen neuen Freund habe. D. hatte den Neuen erst zur Rede stellen wollen und sei dann «ausgetickt», wie er später zugab.

Das Opfer überlebte nur mit viel Glück – und Oliver D. wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, wurde erst stationär und anschliessend ambulant therapiert. Anfang 2012 verlängerte das Amtsgericht die ambulante Massnahme um zwei Jahre, Ende 2013 forderte die Staatsanwaltschaft eine erneute Verlängerung um fünf Jahre.

Sowohl für das Gericht als auch für Oliver D. kam diese Forderung überraschend. Die Berichte waren (bis auf den letzten) positiv ausgefallen. Die Therapie laufe sehr gut, kommentierte D., jedoch erscheine sie ihm zunehmend überflüssig. Zwar konnte er sich damals vorstellen, die Therapie weiterzuführen, aber auf freiwilliger Basis. Er sei nicht mehr aggressiv. Seinen Ausraster von 2005 habe er nicht vergessen, wohl aber verarbeitet.

So entschied sich das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt Ende 2013 dafür, die Massnahme zwar zu verlängern, nicht aber im Sinne der Staatsanwaltschaft um fünf Jahre, sondern lediglich um zwei Jahre bis Anfang 2016. Gestern wurde dieser Entscheid vor dem Obergericht erneut verhandelt.

«Auf der Zielgeraden»

«Das Gericht anerkennt die wesentlichen Fortschritte, die Oliver D. in den letzten Jahren gemacht hat», hiess es dort. Insbesondere wurde darauf hingewiesen, dass sich D. trotz erschwerter Bedingungen aufgrund eines Arbeitsunfalles sozialverträglich und deliktfrei gezeigt habe. «So wie es heute aussieht, befindet sich D. auf der Zielgeraden», heisst es im Obergericht. Diese stabilen Verhältnisse sprächen für die Aufhebung der Bewährungshilfe. Die Psychotherapie werde jedoch bis Anfang 2016 verlängert. Das Gericht sei überzeugt, dass eine Verlängerung der therapeutischen Unterstützung D. helfe, wieder in ein autonomes und weiterhin deliktfreies Leben zu finden. Auch die Abstinenzkontrolle werde fortgeführt. Bis Januar 2016 muss sich D. alle drei Monate einer Haarkontrolle unterziehen. (cnd/rn)

Namen von der Redaktion geändert.