Urteil
Messerstecher muss 6 Jahre hinter Gitter

Ein nigeranischer Asylbewerber prügelte in einer Asylunterkunft auf dem Oberbalmberg auf einen Landsmann ein. Danach verletzte er ihn mit einem Küchenmesser. Das Amtsgericht sprach ihn der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig.

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Der Vorfall erreignete sich im Asylzentrum auf dem Oberbalmberg.

Der Vorfall erreignete sich im Asylzentrum auf dem Oberbalmberg.

Solothurner Zeitung

Daniel U.* hat sich der eventual-vorsätzlichen versuchten Tötung schuldig gemacht. Zu diesem Schluss kam das Amtsgericht Solothurn-Lebern unter Gerichtspräsident Rolf von Felten. Angeklagt war ein 28-jähriger Nigerianer, der am 18. Dezember 2010 in der Asylunterkunft auf dem Oberbalmberg einen Landsmann nach einem Streit mit einem Küchenmesser am Hals verletzt hatte.

Der Gericht verurteilte Daniel U. deshalb zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Es folgte in der Qualifikation weitgehend der Staatsanwaltschaft, die achteinhalb Jahre Gefängnis gefordert hatte. Wegen offensichtlicher Fluchtgefahr bleibt U. in Sicherheitshaft.

Überwachungskameras nahmen auf

Das Gericht stützte sich auf Videos der Überwachungskameras und Zeugenaussagen. Es kam zur Überzeugung, dass sich Daniel U. das Messer nach einem ersten Kampf aus der Küche holte. Nach einem gescheiterten Versuch, erneut ins Zimmer vorzudringen, habe er seinem Opfer auf dem Gang aufgelauert. «Ob er Steve P.* wirklich töten wollte, ist nicht zu beweisen», räumte von Felten ein. «Aber er wollte ihn verletzen und hat dabei bewusst in Kauf genommen, dass das Opfer hätte sterben können. Damit handelt es sich um eine eventual-vorsätzliche versuchte Tötung.» Gegen die These der Verteidigung, dass sich Daniel U. nur wehren wollte, würden Videos und Zeugenaussagen sprechen.

Gegen Daniel U. spricht sein Verhalten seit der Verhaftung, das vom Gericht als uneinsichtig und renitent beschrieben wird. «Er sieht sich bis heute im Recht und nicht als Täter, sondern als Opfer.» So erklärte Gerichtspräsident von Felten, warum das Strafmass ein Jahr über das Minimum von fünf Jahren hinausgeht. «Dass er skrupellos und von Rachegelüsten getrieben gehandelt hat, wirkt ebenfalls straferhöhend. Daniel U. handelte nicht im Affekt. Er hatte Zeit zum Überlegen und wechselte während der Tat seine Taktik.» (hps)

*Namen von der Redaktion geändert

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