Das Obergericht des Kantons Solothurn hat den Fall einer heute 28-jährigen Bulgarin, die gemäss Anklage unter anderem Opfer eines bulgarischen Menschenhändlers geworden und von diesem in der Schweiz zur Prostitution gezwungen worden war, in fast gleicher Weise beurteilt wie das Amtsgericht Olten-Gösgen zuvor.

Die erste Instanz hatte den Bulgaren im September 2014 zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, erachtete aber den Tatbestand des Menschenhandels als für nicht ausreichend belegt. Schuldig gesprochen dagegen wurde der Bulgare wegen mehrfacher Förderung der Prostitution, mehrfacher sexueller Nötigung sowie der mehrfachen einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand. Zudem sollte der Bulgare seinem Opfer eine Genugtuung von 20 000 Franken bezahlen.

Alle Parteien hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt

Das Obergericht hat das Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen in diesen Tagen nun zu weiten Teilen bestätigt. Es bleibt bei der viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe für den Angeklagten. Dagegen erhöhte das Obergericht die Genugtuungssumme für das Opfer um fast das Doppelte.

Alle Parteien hatten gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung eingelegt; die Staatsanwaltschaft beantragte – auch wegen Menschenhandels – eine sechsjährige Freiheitsstrafe, der Bulgare selbst einen «Persilschein» (Freispruch auf der ganzen Linie sowie eine Entschädigung von 200 Franken pro angerechnetem Tag in Untersuchungs- beziehungsweise Sicherheitshaft).

Wie die Rechtsvertreterin des Verurteilten Bulgaren, Cornelia Dippon Hänni (Oensingen), auf Anfrage erklärte, werde sie ihrem Mandanten die Annahme des Urteils empfehlen.

Opfer erhielt Genugtuung von 38 000 Franken zugesprochen

Das Opfer hatte als Nebenklägerin eine Genugtuung von 50 000 Franken gefordert, erhielt nun 38 000 Franken zugesprochen. Zufrieden mit der Erhöhung der Genugtuungszahlung ist Susanne Schaffner-Hess (Olten), die Rechtsvertreterin der Bulgarin. «Ich bin froh für sie», quittiert die Juristin das Urteil des Obergerichts. (hub)