Amtsgericht

Menschenhändlerin zeigt kein bisschen Reue

Menschenhändlerin verurteilt

Menschenhändlerin verurteilt

Eine Puffmutter aus Balsthal hat junge Thailänderinnen gekauft und zur Prostitution gezwungen. 5 Jahre und 10 Monate muss sie hinter Gitter.

Das Amtsgericht Thal-Gäu spricht eine Thailänderin der 19-fachen Förderung der Prostitution schuldig.

Sieben grösstenteils schwerwiegende Strafhandlungen listet die 23-seitige Anklageschrift auf, welche die Machenschaften der damaligen Betreiberin eines Balsthaler Sexstudios beschreibt. In den meisten Punkten wurde die 54-jährige Thailänderin nun vom Amtsgericht Thal-Gäu schuldig gesprochen. Es sei erwiesen, dass sich die Beklagte des mehrfachen Menschenhandels schuldig gemacht habe, verkündete Gerichtspräsident Guido Walser im Obergerichtssaal in Solothurn.

Konkret habe sie eine Sexarbeiterin aus einem anderen Studio übernommen, im Wissen, dass diese bei ihrer vorherigen Studiobetreiberin hoch verschuldet war. In der Folge arbeitete die Prostituierte bei der Beschuldigten, ohne je etwas von den erzielten Einnahmen zu bekommen. Das Geld leitete die Beklagte direkt an die Gläubigerin weiter. Für eine andere Sexarbeiterin habe sie der Betreiberin von deren vorherigem Arbeitsstudio eine Ablösesumme von 1500 Franken bezahlt.

Opferaussagen sind glaubhaft

Des Weiteren wurde die 54-Jährige in 19 Fällen der Förderung der Prostitution schuldig gesprochen, ebenso der mehrfachen Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts in Bereicherungsabsicht sowie weiterer Straftaten, unter anderem im Bereich des Betäubungsmittelgesetzes. Zentral sei bei der Urteilsfindung gewesen, wie glaubwürdig die Aussagen der fünf ehemals in ihrem Dienst stehenden Sexarbeiterinnen sind, die im Verfahren als Privatklägerinnen auftraten. Und diese seien eben glaubhaft, erklärte Walser. «Die Aussagen sind in ihrer Gesamtheit in sich stimmig, detailreich und enthalten auch Entlastungen der Beschuldigten.» Ebenso liessen sich darin teilweise Selbstbelastungen finden. Jemand, der täuschen möchte, würde sich hingegen selbst ins beste Licht rücken wollen, so Walser weiter.

Beschuldigte zeigte keine Reue

Genau dies habe man bei den Aussagen der Beschuldigten beobachten können. Diese habe sich teilweise selbst widersprochen. «Und wenn es dann hart auf hart kam, wusste man wieder nicht genau, wie es war», so Walser. Als «treusorgende Mutter» der Prostituierten habe sie sich hinzustellen versucht, die diesen nur helfen wollte. Diese fehlende Reue wirkte sich negativ auf das Strafmass aus. Ebenso der Umstand, dass die Beschuldigte bereits einschlägig vorbestraft ist. Eine Haftstrafe von 5 Jahren und 10 Monaten sprach das Amtsgericht schliesslich aus. Daran werden der 54-Jährigen die rund elf Monate angerechnet, die sie bis heute bereits im vorzeitigen Strafvollzug verbracht hat. Darüber hinaus wurde sie zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken und zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Zusätzlich hat die Verurteilte den fünf Privatklägerinnen Genugtuungsbeträge von mehreren zehntausend Franken zu bezahlen.

Meistgesehen

Artboard 1