«Ich mache seit den Achtziger Jahren beim katholischen Frauenbund mit», sagt Margrit Buchwalder (66) aus Oensingen. Seit 2005 steht sie als Präsidentin der Katholischen Frauengemeinschaft in Oensingen vor, die rund 160 Mitglieder hat. «Wir haben es sehr gut zusammen», sagt sie, denn das Programm ihrer Gemeinschaft bietet für jede etwas. «Wir organisieren Reisen, Kurse, die Seniorenweihnacht und vieles mehr und natürlich sind wir auch bei diversen kirchlichen Veranstaltungen mit dabei.» Buchwalder ist stolz, dass man am kommenden 15. März das 100-jährige Bestehen der Frauengemeinschaft Oensingen feiern kann. Wenn man bedenkt, wie sehr sich die Gesellschaft in dieser Zeit verändert hat, ist das doch fast ein Wunder.

Das bestätigt Elisabeth Loser (59), aus Langendorf. Sie ist Kantonalpräsidentin des katholischen Frauenbundes, der schweizweit 680 Ortsvereine umfasst. «Es gibt immer noch 44 Frauengemeinschaften im Kanton Solothurn», weiss sie. Doch manche der Gemeinschaften sei überaltert und der Nachwuchs oft schwer zu finden. «Vor allem Frauen, die sich in der Vorstandsarbeit engagieren, fehlen oft. Gerade erst musste sich die Frauengemeinschaft St. Ursen in Solothurn auflösen, weil sich niemand mehr fand, der den Verein leiten wollte. Dabei hatten sie fast 200 Mitglieder.»

Den Gegentrend kann man jedoch auch beobachten. «Wir können in Oensingen immer wieder neue, zum Teil auch junge Frauen aufnehmen. Das ist natürlich schon ein Glück», sagt Buchwalder. Und Loser ergänzt: «In Zukunft müssen wir mehr diejenigen Frauen ansprechen, die frisch pensioniert sind. Denn sie haben eventuell Zeit, Lebenserfahrung und Lust, sich für die Gemeinschaft einzusetzen.»

Sich für andere einsetzen

Denn das ist es, was die Frauengemeinschaften in Dörfern und Städten tun: Sich für andere einzusetzen. Für Kinder, Junge, Senioren, Kranke, Gebrechliche, Einsame. «Care-Arbeit» nennt sich das heute, so Loser. «Care meint Betreuungs-, Pflege-, Beziehungs- und Hausarbeit. Jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens auf die Fürsorge anderer angewiesen. Deshalb wird unser Engagement gebraucht und geschätzt.» Denn das Wichtigste: Care-Arbeit wird unentgeltlich erbracht.

Tatsächlich sind die Zahlen der Care-Arbeit in der Schweiz beeindruckend. Pro Jahr werden in der Schweiz 9 Milliarden Stunden unbezahlter Care-Arbeit geleistet. Umgerechnet auf Geldwert wären das 303 Milliarden Franken, die verdient werden könnten. Von diesem Geld könnte die gesamte Schweizer Bevölkerung 9,5 Jahre lang ein GA der SBB beziehen, wurde errechnet.

Und noch ein wichtiger Aspekt. «61 Prozent dieser unbezahlten Arbeit wird von Frauen geleistet. Oft auch, weil sie selber nur Teilzeit arbeiten, weil sie noch Grosskinder, ältere Eltern oder eine andere gemeinnützige Arbeit wahrnehmen», erläutert Loser. «Damit nehmen diese Frauen – es sind auch Männer darunter – Einbussen bei Lohn, Altersvorsorge und geminderte Karrierechancen in Kauf.» Die Statistik sagt, dass, wenn jede in der Schweiz lebende Frau ab 15 Jahren für ihre unbezahlte Care-Arbeit entlohnt würde, sie durchschnittlich 40'000 Franken pro Jahr damit verdienen würde. «Menschen, die Care-Arbeit leisten, sind also Care-Juwelen», sagt Loser. «Und am heutigen internationalen Frauentag möchten wir auch auf das grosse Angebot unseres Frauenbundes hinweisen».

Hinderungsgrund katholisch?

Die Frage, ob die schwierige Suche nach neuen Mitgliedern nicht auch mit den Diskussionen in der Katholischen Kirche zu tun hat, bestreitet Loser nicht. «Jedoch tragen lange nicht mehr alle Frauengemeinschaften das Wort ‹Katholisch› in ihrem Namen. Persönlich bin ich aber nach wie vor katholisch und werde es auch bleiben. Gerade wir Frauen geben damit ein starkes Statement für die Kirche ab. Und es ist auch so, dass der Katholische Frauenbund sich immer sehr engagiert zu Wort meldet, wenn es um Fragen einer modernen Katholischen Kirche geht. Es braucht uns also unbedingt; es braucht den gesunden Menschenverstand», ist Elisabeth Loser überzeugt.

So setze sich der Schweizerische Katholische Frauenbund immer wieder für Gleichberechtigung von Frau und Mann in Kirche, Politik und Arbeitswelt ein. «Zudem sind wir für alle offen; für Andersgläubige oder auch für Konfessionslose», sagt Loser. «Wichtig ist zu betonen, dass unsere Arbeit genauso wichtig für das Selbstbewusstsein der Frauen ist.»
Besonders heben beide auch das grosse Kurs-Angebot des Schweizer Katholischen Frauenbundes hervor. «Viele Themen werden von namhaften Referentinnen den Frauen näher gebracht. Schade, dass nicht mehr Mitglieder von diesem Angebot Gebrauch machen», sagen sie.