Auf einen Kaffee mit ...

Meister Lampe beugt einem Burnout vor

Ein derzeit seltener Moment der Ruhe: Der Osterhase nimmt sich Zeit für ein Gespräch bei ein paar Schlückchen Wasser.

Ein derzeit seltener Moment der Ruhe: Der Osterhase nimmt sich Zeit für ein Gespräch bei ein paar Schlückchen Wasser.

In diesen Tagen hat der Osterhasen alle Pfoten voll zu tun. Da ist er gerade froh, dass einige Leute ihre Eier selbst färben, denn ein Burnout könne er sich nicht leisten. Ganz den Menschen überlassen will er die Arbeit aber nicht.

Wir treffen den Osterhasen in seinem Häuschen am Waldrand. Die Primeln und Veilchen blühen, fleissige Hühner scharren in der Nähe. Der Bärlauch duftet vom Wald her. Der Osterhase trinkt keinen Kaffee, aber er nimmt sich trotzdem rasch Zeit, um etwas über seine Arbeit zu plaudern.

Er nimmt kleine Wasserschlückchen aus einem Becher und schmaucht gemütlich seine Pfeife. Nein, bei aller Fitness, die er in den Beinen habe – das Rauchen habe er deshalb noch nicht aufgegeben, sagt er und bläst ein paar Wölkchen in die blaue Frühlingsluft.

Alle Pfoten voll zu tun

Die Pfoten des Osterhasen sind mit Farben verschmiert. Das komme eben vom Eierfärben, erklärt er. Denn immer noch sei er fürs Färben der Ostereier zuständig. «Auch wenn das heute viele Leute zu Hause selber machen» und so mithelfen, dass er nicht an einer Überlastung scheitert.

Denn: «Ein Burnout kann ich mir nicht leisten.» Ganz den Menschen überlassen will er aber das Eierfärben nicht, denn die bunten Eier, die er ins Nestli legt, seien halt immer noch die begehrtesten.

Er färbe ausschliesslich mit Naturfarben, ist ihm noch zu entlocken. Zwiebelschalen, Randensaft, Spinat oder Brennnesselblätter zählt er auf und gibt damit einige Firmen-geheimnisse preis.

Gar nichts hält der Osterhase von den gefärbten gekochten Eiern, die in den Ladengeschäften vor Ostern zu kaufen sind. «Wer weiss, wie alt diese Eier sind und welches Leben die Hühner hatten, die diese Eier gelegt haben», sinniert er. Der Osterhase betont, dass er seine Eier direkt von seinen Nachbarinnen beziehe und er wisse, dass diese – ausser kurz vor Ostern – stets ein friedliches Eierlege-Leben hätten. Nur der Fuchs mache den Damen das Leben schwer, sagt er noch. «Mit Verlust muss man halt rechnen.»

Eier und Geschenke

Neben Eiern legt der Osterhase traditionsgemäss auch immer ein kleines Geschenk für die Kinder ins bereit gemachte Osternest. «Ja, das hat sich in den vergangenen Jahren auch ziemlich verändert».

Fast etwas wehmütig zählt er auf, welche Geschenke früher den Kindern noch Spass gemacht hatten. «Eine Farbstiftschachtel, Plastillin-Stangen, Sandkastenförmli oder ein Gummitwist.

Vielleicht mal ein Flugzeug mit Gummibandantrieb – und natürlich Schoggihasen und Süsses.» Doch heute breche er manchmal fast unter der Last der Geschenke zusammen. «Die Kids wünschen sich jetzt ein Skateboard oder ein Fahrrad, ein Trampolin und natürlich diese unsäglichen Computerspiele.» Da sei er dann manchmal schon überfordert und froh, wenn ihm die Eltern mit Sachkenntnis unter die Arme respektive Pfoten greifen und das Nestli schon halbwegs füllen würden.

Ein gefährlicher Job

Was dem Osterhasen noch mehr Sorgen macht, ist sein Einsatz in der Nacht auf Ostern. «Dass ich da heil wieder nach Hause komme, grenzt manchmal an ein Wunder», erzählt er. Rücksichtslos werde auf Landstrassen und in Quartieren mit Autos und Töffs gefahren. Er sei als Hase ja im Normalfall schnell unterwegs, doch in dieser Nacht bewege er sich wegen der Traghutte halt etwas schwerfälliger.

«Mir scheint, daran denkt kein einziger Fahrzeuglenker.» Dabei sei er doch für die Kinder unterwegs. «Nicht auszudenken, welche Dramen sich in den Familien abspielen würden, wenn es in der Zeitung nach Ostern heissen würde: «Osterhase von Raser totgefahren».

Alles müsse bei den Häusern und in den Gärten immer sehr schnell gehen, schildert der Osterhase seine Aufgabe. «Ich muss jeweils ein gutes Versteck für das Nestli aussuchen. Bei vielen Orten ist es mir auch sofort klar, wohin damit.

Aber ich muss auch immer die Witterung im Auge behalten. Regnet es, sollte das Nestli unter Dach sein, scheint die Sonne, darf es nicht der Hitze ausgesetzt werden, denn wer will schon geschmolzene Schoggihasen.»

Meistgesehen

Artboard 1