Gerlafingen

«Meine Arbeit hier ist getan» – Chef-Wechsel im Stahlwerk

René Bollier, Country Manager von Stahl Gerlafingen

René Bollier, Country Manager von Stahl Gerlafingen

Vor 17 Monaten übernahm René Bollier das Ruder bei Stahl Gerlafingen. Nun zieht es den Interims-Manager weiter.

Vor 1,5 Jahren haben Sie bei Stahl Gerlafingen angeheuert. Hatten Sie damals irgendeine Ahnung von der Stahlproduktion?

René Bollier: Nein. Aber ich weiss, wie Firmen funktionieren. Ich bringe industrielles und vielleicht auch kaufmännisches Denken in eine Firma. Meine Aufgabe war es, das Werk zu revitalisieren, die Zukunft des Werkes in Gerlafingen nachhaltig zu sichern.

Was hat sich seither getan?

Wir haben die Technologien aller Werke erneuert, ebenso die verschiedenen Steuerungen. Und gleichzeitig haben wir viel investiert. Diesen Willen, zu investieren, ist nicht neu. Er konnte aber nicht immer umgesetzt werden. Denn Restrukturieren darf nicht heissen, dass Leute entlassen und so Kosten gespart werden. Restrukturieren heisst, das knappe Geld gezielt einzusetzen und die Anlage so zu benutzen, dass am Ende mehr dabei rauskommt. Ganz gezielt wollten wir auf diese Weise alle Prozesse optimieren. So haben wir im vergangenen Jahr die Produktivität um fünf bis zehn Prozent gesteigert und gleichzeitig den Stromverbrauch gesenkt. 39 neue Stellen haben wir geschaffen, und der neue Ofen ist das beste Beispiel dafür, dass wir gewillt sind, die Zukunft des Werkes zu sichern.

Ist damit Ihre Arbeit beendet?

Meine Aufgabe ist Ende August erfüllt. Wir haben sehr viel bewegt. Die Führung zum Teil erneuert und gelernt, wie industriell optimiert und gezielt investiert wird. Jetzt braucht es mich nicht mehr. Jetzt braucht es jemanden mit Fachwissen aus der Stahlindustrie, der den Betrieb weiterführt. Alain Creteur wird auf Anfang September übernehmen. Er hat sein Leben lang mit Stahl gearbeitet, zuletzt Stahlwerke in Brandenburg und Berlin geführt.

Sie tun das regelmässig: In Firmen gehen, Prozesse umkrempeln, und nach getaner Arbeit weiterziehen. Reizt es Sie nicht, noch etwas zu bleiben und die Früchte Ihrer Arbeit zu geniessen?

Meine Aufgabe ist es, Unternehmen zurück auf den Erfolgspfad zu bringen. Und, wenn es sein muss, viel zu verändern. Sodass ein Betrieb besser aufgestellt, dass er nachhaltig ausgerichtet ist. Wenn dieses Ziel erreicht ist, braucht es wieder Konstanz und technisches Fachwissen in der Führung. Dann kommt es wieder auf den Stahl darauf an. Diese Fähigkeiten bringt ein Manager aus der Branche mit.

Was nehmen Sie aus dieser Zeit aus Gerlafingen mit?

Dass man eine langjährige Kultur respektieren muss. Dieser Standort verkörpert 200 Jahre von Roll Tradition. Hier ist viel Stolz drin. Doch das allein genügt nicht. Man muss konsequent modernisieren. Ich habe gelernt, dass es nicht nur auf technisches Können ankommt, sondern dass man sich der Welt anpassen muss. Dass man Dinge, die gestern gut waren, aber es heute nicht mehr sind, weiterentwickeln muss. Das ist in jeder Branche so. Und ganz besonders gilt dies für die Schweiz.

Und eine andere Erkenntnis finde ich auch noch wichtig. Viele Leute sind sich nicht mehr bewusst, dass es in der Schweiz eine Basisindustrie gibt und braucht. Denn dass es nur noch High-Tech gibt, stimmt nicht. Wenn man weiss, wie man zu arbeiten hat, und ein Geschäftsmodell hat, funktioniert das. Und Stahl Gerlafingen hat ein solches Geschäftsmodell. Schweizer Stahlschrott einschmelzen und Schweizer Baustahl herstellen: Beides sind grosse Märkte. Industriell richtig umgesetzt, hat ein solches Werk Zukunft. Die Schweiz ist gut im High-Tech Bereich. Aber wir brauchen auch unsere Basisindustrie. Das habe ich nicht nur gelernt, das haben wir hier gemeinsam bewiesen.

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