Bern
Mehrzahl der Uhren-Fabrikanten für mehr «Swissness»

Vertreter der Uhrenindustrie warben gestern in Bern «für eine starke Marke Schweiz». Mit dabei war auch der Grenchner Uhrenzulieferer Peter Blösch.

Andreas Toggweiler
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Wie viel Swissness muss in einer Schweizer Uhr sein?

Wie viel Swissness muss in einer Schweizer Uhr sein?

Keystone

48500 Arbeitsplätze, 965 Lernende und Warenexporte von 19,3 Milliarden Franken im Jahr 2011. Mit diesen eindrücklichen Zahlen stellte sich gestern die ansonsten als verschwiegen geltende Uhrenindustrie für einmal ins Rampenlicht. Die Uhrenpatrons, darunter Philippe Merk, CEO des Waadtländer Luxusuhrenherstellers Audemars Piguet, Hanspeter Rentsch, Geschäftsleitungsmitglied der Swatch Group, und Peter Blösch, Chef des gleichnamigen Grenchner Uhrenzulieferers, traten dabei Seite an Seite mit dem Berner Gewerkschafter Corrado Pardini auf.

Mitte März im Nationalrat

Am 15. März berät der Nationalrat das Markenschutzgesetz oder die so genannte Swissness-Vorlage. Bei den industriellen Produkten sollen künftig mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen müssen. Die Vorlage war allerdings in der vorberatenden Kommission umstritten: Zwei Anträge, die diesen Anteil auf 50 Prozent senken wollten, wurden mit 9 zu 11 Stimmen bei 3 Enthaltungen abgelehnt und als Minderheitsanträge eingereicht. Zum Sukkurs für die Bundesratsvorlage rief deshalb der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) an der Medienkonferenz auf. Ein von Glaubwürdigkeit getragenes Swissness-Gesetz sei unabdingbar für den Erhalt und die Stärkung des Industrie- und Wirtschaftsplatzes Schweiz, meinte FH-Präsident Jean-Daniel Pasche. Der Uhrenindustrie gehe es zwar im Moment trotz Wirtschafts- und Finanzkrise vergleichsweise gut, räumten die Vertreter ein. Damit dies so bleibe, müsse das Parlament Massnahmen ergreifen. Denn es gebe immer mehr Trittbrettfahrer.

«Für uns als Uhrenzulieferer ist diese Vorlage von grosser Bedeutung, heisst dies doch, dass gegenüber dem heutigen Zustand der Anteil an einheimischer Wertschöpfung erhöht wird», erklärte Peter Blösch gegenüber der az Solothurner Zeitung. Die Grenchner Firma, die im Bereich der Oberflächenveredelung tätig ist, bezieht rund 70 Prozent ihres Auftragsvolumens aus der Uhrenindustrie.

Engagement gefordert

«Wir hoffen, dass sich jetzt auch noch weitere Bereiche der Schweizer Industrie für die Vorlage einsetzen, denn es geht um Arbeitsplätze», sagte Peter Blösch.

Bereits seit 2007 fordert ein Grossteil der Uhrenindustrie strengere gesetzliche Grundlagen. Da diese aber fehlten, sei es heutzutage noch immer möglich, dass sich eine Uhr «Swiss Made» nennen dürfe, auch wenn weniger als 20 Prozent Schweizer Wertanteil darin enthalten seien, erklärt der Uhrenverband FH. So könne einer Uhr das Prädikat «Swiss Made» verliehen werden, selbst wenn der Grossteil ihrer Wertschöpfung zum Beispiel in China anfalle.

Gehäuse einbeziehen

Das aktuelle Bundesgesetz aus dem Jahr 1992 regelt nur die Uhrwerkproduktion, die Einschalung und die Endkontrolle. Branchenintern strebt der Verband sogar an, dass für mechanische Uhren ein Wertschöpfungsanteil von 80 Prozent gelten soll (für Quarzuhren 60 Prozent). Einige Hersteller des mittleren Preissegmentes stellen sich aber gegen die Verschärfung (vgl. links).