Solothurner Obergericht
Mehrfache Schussabgabe beim «Rondo» soll keine versuchte Tötung sein

Im Januar wurde der Kosovar wegen einer Schiesserei beim Dancing Rondo in Oensingen vom Amtsgericht zu 8,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Verteidiger verlangt nun vor Obergericht einen Freispruch von den Vorwürfen der versuchten Tötung.

Manuela von Arx
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Von diesem Treppenpodest aus schoss der Verurteilte Ende 2007 mit einer Pistole sechsmal in Richtung der Türe. (Archiv)

Von diesem Treppenpodest aus schoss der Verurteilte Ende 2007 mit einer Pistole sechsmal in Richtung der Türe. (Archiv)

Bruno Kissling

Doch noch eine mildere Strafe für den verurteilten Bojan K.*? Am Mittwoch fand der Berufungsprozess vor dem Solothurner Obergericht statt. Im Januar wurde der Kosovare vom Amtsgericht Thal-Gäu zu 81⁄2 Jahren Gefängnis verurteilt, unter anderem wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung.

Hinzu kommen diverse weitere Delikte wie Einbruchdiebstähle und grobe Verletzungen der Verkehrsregeln. Die Gerichtsverhandlung über einen im Mai 2015 verübten Einbruch in die Basellandschaftliche Kantonalbank steht noch bevor.

Sechs Schüsse abgegeben

Der heute 33-Jährige hatte im Dezember 2007 insgesamt sechs Schüsse auf drei Männer abgefeuert, die sich im Eingangsbereich des Dancings Rondo in Oensingen aufhielten. Dabei stand Bojan K. oben auf der Treppe und schoss in die Richtung der sich im Untergeschoss befindlichen Eingangstür des Lokals. Obwohl der Eingangsbereich nur eineinhalb Meter breit ist, blieben die drei Männer unverletzt.

Die Verurteilung für die versuchte Tötung wollten Bojan K. und sein amtlicher Verteidiger Roland Winiger nicht akzeptieren und gingen deshalb in Berufung.

«Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu verletzen», versicherte der Angeklagte dem Obergerichtspräsidenten. Er habe lediglich seinen Kollegen beschützen wollen, der vor der Tür des Lokals mit einem der zwei anderen Männer in eine Rangelei geraten war. Aus Angst, selber angegriffen zu werden, sei er nicht dazwischen gegangen, sondern habe an den drei Männern vorbei auf den Boden gezielt und geschossen.

Staatsanwalt Raphael Stüdi liess die Erklärungen von Bojan K. nicht gelten. Der Beschuldigte habe keine Ahnung von Waffen und das Risiko nicht einschätzen können. «Schon nur eine kleine Winkeländerung der Waffe in der Hand kann bewirken, dass die Kugel einen Meter weiter oben einschlägt», so der Staatsanwalt.

Die drei Männer seien vor dem Eingang in Bewegung gewesen, der ungeübte Schütze Bojan K. habe deshalb bewusst in Kauf genommen, sie ernsthaft zu verletzen oder zu töten. Es sei reiner Zufall, dass nichts passiert sei. Zudem hätte der Angeklagte andere Möglichkeiten gehabt, um seinem Kollegen zu helfen, beispielsweise einen Warnschuss abzugeben, körperlich einzugreifen oder Hilfe zu holen. Die Verurteilung wegen versuchter Tötung erachtet er deshalb als richtig.

«Es war kein Zufall, dass mein Mandant niemanden verletzt hat», sagte Verteidiger Winiger. Aus der kurzen Distanz hätte Bojan K. die Männer problemlos treffen können, wenn er dies denn gewollt hätte.

Winiger plädiert für einen Freispruch von den Vorwürfen der versuchten Tötung und fordert lediglich eine Strafe von 20 Monaten für die restlichen Delikte.

Das Obergericht wird sein Urteil am Donnerstag eröffnen.

*Name von der Redaktion geändert

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