Kanton Solothurn
Mehrere Gemeinden haben bei der Solothurner Pensionskasse gekündigt

Eine stärkere Konkurrenz zwingt die Pensionskasse Kanton Solothurn dazu, ihre Strategie zu überdenken. Denn seit zwei Jahren können Gemeinden mit Anschlussverträgen mit der Pensionskasse ihre Verträge kündigen, was vorher nicht möglich war. So ist etwa das Gemeindepersonal von Schönenwerd, Zuchwil und Mümliswil nicht mehr bei der Pensionskasse des Kantons versichert.

Elisabeth Seifert
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Seit die Pensionskasse Kanton Solothurn ausfinanziert worden ist, haben einige Organisationen mit Anschlussvertrag gekündigt.

Seit die Pensionskasse Kanton Solothurn ausfinanziert worden ist, haben einige Organisationen mit Anschlussvertrag gekündigt.

Hanspeter Bärtschi

Lange Jahre war es für viele Einwohnergemeinden, Zweckverbände oder auch Institutionen im Alters- und Behindertenbereich selbstverständlich, ihr Personal bei der Pensionskasse Kanton Solothurn (PKSO) zu versichern. Über Anschlussverträge sind diese Einrichtungen mit der PKSO verbunden. Von den total rund 12 000 aktiv Versicherten der Kasse gehen etwa 1500 Mitglieder (und damit 12 Prozent) auf das Konto der Organisationen mit Anschlussvertrag.
Jetzt aber kommt Bewegung in die Sache.

Während die Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung, die Lehrerinnen und Lehrer oder auch das Personal der Solothurner Spitäler AG zwingend bei der PKSO versichert sind, trifft das auf die Organisationen mit Anschlussvertrag nicht zu. Sie können ihre Verträge auf Jahresende kündigen. Eine Möglichkeit, von der einige Gemeinden und weitere Einrichtungen seit zwei Jahren Gebrauch machen.

Per Ende 2015 haben Wangen bei Olten, Schönenwerd und Oensingen die PKSO verlassen. Per Ende 2016 kündigten auch die Gemeinden Zuchwil und Mümliswil sowie das Sportzentrum Zuchwil ihre PKSO-Verträge. Sie alle wechselten zu anderen Vorsorgeeinrichtungen.

PKSO steht im Wettbewerb

Der Hintergrund für diese Entwicklung: Im Gleichschritt mit dem Kanton waren die Anschlussmitglieder gezwungen, sich an der Ausfinanzierung der Kasse per 1. Januar 2015 zu beteiligen. Damit haben sie alle Freiheiten, sich ohne grossen finanziellen Aufwand aus der PKSO zu verabschieden – und sich nach für sie besseren Lösungen umzuschauen. Mit der Ausfinanzierung sieht sich die PKSO einer neuen Konkurrenz ausgesetzt.

Auffallend ist dabei, dass den Abgängen keine Zugänge gegenüberstehen. Eine Situation, die der Pensionskasse nicht egal sein kann. Pikant ist vor allem: Die aktuellen Anschlussverträge der PKSO lassen es zu, dass Unternehmen mit Anschlussvertrag nur mit den aktiv Versicherten die Kasse wechseln können.

Damit nimmt der Rentneranteil in der PKSO überproportional zu. Das aber ist nicht ganz unproblematisch, da die – unantastbaren – Pensionskassenrenten auf einem aus heutiger Sicht zu hohen Umwandlungssatz beruhen. Zurzeit stehen den 12 000 bei der PKSO aktiv Versicherten etwa 5500 Rentner gegenüber.

«Markant bessere Leistungen»

Von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat die Einwohnergemeinde Zuchwil, die per 1. Januar 2017 mit ihren rund 100 Mitarbeitenden (darunter alle Spitexmitarbeitenden) zur Integralstiftung mit Sitz in Chur gewechselt hat. Da die Rentner bei der PKSO bleiben, profitieren die aktiv Versicherten von besonders guten Bedingungen, wie aus einem Grundlagenpapier der Gemeinde hervorgeht.

«Wir wollten die Anlagestrategie mitbestimmen können», nennt Gemeindepräsident Stefan Hug einen der Gründe für den Wechsel zur Integralstiftung. Während bei der PKSO eine einzige paritätisch zusammengesetzte Verwaltungskommission die Strategie für alle Versicherten festlegt, verfügen bei Sammelstiftungen wie der Integralstiftung die angeschlossenen Organisationen über einen gewissen Handlungsspielraum. Bei der Integralstiftung besteht die Wahl zwischen zwei Anlagestrategien mit unterschiedlich hohem Aktienanteil.

Zuchwil hat sich für das Paket mit einem relativ hohen Anteil an Aktien und Immobilien entschieden. «Wir gehen damit ein gewisses Risiko ein», sagt Stefan Hug. Die Kasse habe aber über die Jahre bewiesen, dass sie verlässlich hohe Renditen erzielt und das Altersguthaben entsprechend gut verzinsen kann.

Verbunden mit etwas höheren Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen als in der PKSO habe dies, so Stefan Hug, «markant bessere Leistungen» zur Folge. Um die Entwicklung des Pensionskassenkapitals zu verfolgen, hat die Gemeinde eine kleine Vorsorgekommission eingerichtet, mit je zwei Vertretern der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite.

Stefan Hug möchte den Wechsel zu einer anderen Vorsorgeeinrichtung trotz der Aussicht auf bessere Leistungen nicht als Grundsatzkritik an der PKSO verstanden wissen. «Die Verantwortlichen der PKSO leisten gute und professionelle Arbeit», betont er. Ebenfalls die Integralstiftung gewählt hat das Sportzentrum Zuchwil. Die «besseren Leistungen» als bei der PKSO waren für Geschäftsführer Urs Jäggi ausschlaggebend.

Auch das Sportzentrum hat dabei die Strategie mit dem höheren Aktien- und Immobilienanteil gewählt. Jäggi spricht von einem «kalkulierten Risiko». Als dritte Solothurner Organisation ist die Gemeinde Dulliken bei der Integralstiftung versichert, und das schon seit Jahren. Der Dulliker Finanzverwalter, Andreas Gervasoni, ist denn auch Präsident der Churer Vorsorgestiftung.

Die Gemeinden Mümliswil, Wangen bei Olten, Schönenwerd und Oensingen, die ebenfalls in jüngster Zeit aus der PKSO ausgetreten sind, haben zu je unterschiedlichen Einrichtungen der beruflichen Vorsorge gewechselt. Ganz ähnlich wie Stefan Hug oder Urs Jäggi spricht auch der Mümliswiler Gemeindepräsident Kurt Bloch von «besseren Leistungen bei gleich hohen Verwaltungskosten».

«Wir sind risikobewusst»

«Wir gewähren gute Leistungen zu niedrigen Verwaltungskosten», hält Reto Bachmann, Geschäftsführer der Pensionskasse Kanton Solothurn, entgegen. Im Vergleich zu den Leistungen seien zudem die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge eher tief. Im Unterschied zu einigen anderen Stiftungen in der beruflichen Vorsorge setze die PKSO auf eine «risikobewusste Anlagestrategie», betont der PKSO-Direktor.

Neben der Anlagestrategie unterscheiden sich die Kassen zudem darin, mit welchen Anteilen sie die erzielten Renditen für die Verzinsung der Altersguthaben verwenden. Die PKSO verzinst diese mit dem vom Bund jährlich festgesetzten BVG-Mindestzinssatz, der Rest fliesst vor allem in den Aufbau von Reserven.

Bei der Ausfinanzierung der Kasse habe man diese nötigen Wertschwankungsreserven noch nicht berücksichtigt, meint Bachmann. Ähnlich wie mit einer eher konservativen Anlagestrategie wolle man die PKSO so langfristig auf solide Füsse stellen.
Die Tatsache, dass seit Ende 2015 doch immerhin sechs Anschlussmitglieder die PKSO verlassen haben, lässt Direktor Bachmann nicht kalt.

«Wir werden uns in diesem Jahr überlegen, wie wir mit unserer Geschäftsstrategie auf diese Entwicklung reagieren.» Handlungsbedarf sieht Bachmann auch bei der Tatsache, dass die aktuellen Anschlussverträge im Fall einer Vertragskündigung den Verbleib der Rentner bei der PKSO ermöglichen.

Dieser Paragraf gehe, so Bachmann, auf jene Zeit zurück, als die an den Anlagemärkten erzielten Renditen um einiges höher waren. Höher vor allem, als die für die Rentenzahlungen nötige Verzinsung des Rentnerkapitals.

Das gilt es bei einem Pensionskassen-Wechsel zu beachten

Pensionskassen-Experten raten Unternehmen und anderen Organisationen bei einem Wechsel der Pensionskasse zu folgendem Vorgehen: Neben dem allgemeinen Renommee gilt es etwa auf die Fachkompetenz innerhalb des Stiftungsrates zu achten. Zudem sollten die technischen Eckwerte gewissen Bedingungen genügen. Den vom Bund für das Obligatorium vorgeschriebenen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent erachten Experten als zu hoch. Er entspricht nicht mehr der Lebenserwartung und der Entwicklung der Verzinsung des Rentnerkapitals (=technischer Zinssatz). Für einen Umwandlungssatz in dieser Höhe braucht es eine Rendite von insgesamt über 4 Prozent. Wird diese Rendite an den Kapitalmärkten nicht erwirtschaftet, ist der notwendige Ertrag von den aktiven Versicherten zu finanzieren. Weiter gilt: Der technische Zinssatz und auch die Verzinsung des Altersguthabens dürfen nie höher sein als die effektiv erzielten Renditen. Beim technischen Zinssatz orientieren sich zahlreiche Kassen an der Empfehlung der Kammer der Schweizer Pensionskassen-Experten (2017: 2,25 Prozent). Bei der Berechnung des voraussichtlichen Alterskapitals schliesslich kommen bei den Kassen ganz unterschiedliche Projektions-Zinssätze zum Zug. Dies gelte es bei einem Vergleich verschiedener Offerten zu berücksichtigen. (esf)