Landeinzonungen

Mehr Zersiedlung durch grössere Bevölkerung: Wie sich die Prognose auf das Bauland auswirkt

«Nur wenig mehr Spielraum»: Bernard Staub, Chef Amt für Raumplanung.

«Nur wenig mehr Spielraum»: Bernard Staub, Chef Amt für Raumplanung.

Der Kanton hat die Bevölkerungsprognose nach oben angepasst. Gibt es jetzt auch mehr Bauland und weniger Kampf gegen Zersiedelung?

Bevölkerungsprognosen klingen immer ein wenig nach Kaffeesatzlesen. Tatsächlich aber haben sie grosse Auswirkungen – unabhängig davon, ob sie stimmen oder nicht. Denn sie dienen für Berechnungen: Für die Verkehrs- oder die Altersheimplanung. Und sie entscheiden, wie viel Bauland die Solothurner Gemeinden einzonen dürfen: So viel, wie sie in den kommenden 15 Jahren benötigen. Das schreibt das Raumplanungsgesetz vor.

Vergangene Woche hat der Kanton Solothurn nun eine neue Bevölkerungsprognose vorgestellt, die seit Dienstag für Planungen verbindlich gilt. Sie geht von einem Bevölkerungszuwachs aus, der höher ist als bisher vermutet. Von heute rund 271'000 Einwohnern soll der Kanton auf 315'000 im Jahr 2040 wachsen. Für das Jahr 2030 sieht der Kanton neu zwischen 298'000 (mittleres) und 306'000 (hohes Szenario) Einwohner vor. Bisher rechnete man mit 270 000 (mittleres) bis 290 000 (hohes Szenario) Einwohnern im Jahr 2030.

«Wenig mehr Spielraum»

Können die Gemeinden jetzt mehr Bauland einzonen? Theoretisch sei dies so, sagt Bernard Staub, Chef des Amtes für Raumplanung. Die Befürchtung, dass der Kanton nun grosszügiger mit Bauland umgehen könnte, weist Staub zurück. «Wir haben nur wenig mehr Spielraum.» An einzelnen Orten könne dies zum tragen kommen. Insgesamt ändere auch die höhere Prognose nichts daran, dass der Kanton für die nächsten 15 Jahre nach wie vor genügend Bauland eingezont habe. «Wir müssen unsere Stossrichtung nicht anpassen», so Staub weiter. Für die Gemeinden müsse deshalb nach wie vor im Fokus stehen, welche Potentiale innerhalb der bestehenden Bauzone noch ausgeschöpft werden könnten, spricht Staub die Verdichtung nach innen an.

In den vergangenen Jahrzehnten war Solothurn mit Landeinzonungen sehr grosszügig gewesen. Zwar fänden praktisch täglich Diskussionen mit den Gemeinden über die künftige Bauzonengrösse statt. «Jeder will massvoll wachsen», so der Amtschef. Insgesamt aber, so Staub, habe sich das Bewusstsein verändert: Dem Kampf gegen die Zersiedelung werde mehr Verständnis entgegengebracht. Und: «Der Bund schaut uns ebenfalls auf die Finger.»

Übrigens: «Die bisherigen Prognosen waren insgesamt nicht schlecht», hält Staub fest.

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