Pilotprojekt
Mehr Selbstständigkeit im Schulalltag: Erstmals wird mit dem ELMA-Modell an der Kanti Solothurn unterrichtet

An der Kantonsschule Solothurn wird seit August ein neues Unterrichtsmodell getestet. In den ELMA-Klassen haben die Schüler weniger klassische Unterrichtslektionen und dafür mehr Zeit, für sich selbst an ihrem Stoff zu arbeiten.

Sophie Deck
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Eine ELMA-Klasse beim begleiteten selbstorganisierten Lernen in ihrem Klassenzimmer.

Eine ELMA-Klasse beim begleiteten selbstorganisierten Lernen in ihrem Klassenzimmer.

Michel Lüthi

Die gymnasiale Maturität soll Absolventen auf das Studium an einer Universität oder einer Fachhochschule vorbereiten. Da von Studenten ein relativ hoher Grad an Selbstständigkeit erwartet wird, steht ab und an die Frage im Raum, ob der Schulalltag an einer Kantonsschule dem gerecht wird.

Die Kantonsschule Solothurn reagiert darauf nun mit einem Schulversuch: Seit Anfang Schuljahr diesen August wird an drei Maturaklassen das ELMA-Modell getestet. Den Anstoss für das Projekt gaben laut dem Kommunikationsbeauftragten Philipp Imhof Rückmeldungen ehemaliger Schüler, die bei ihrem Studium Schwierigkeiten hatten, sich an die zusätzliche Verantwortung zu gewöhnen. Diese Umstellung soll mit dem neuen Modell für Maturanden weniger gross sein.

Der Begriff «ELMA» steht für «Eigenständiges Lernen mit Anleitung» und ist, sowie auch das Modell, eine Eigenkreation der Kanti. Inspiriert von analogen Projekten in anderen Kantonen haben sich mehrere Lehrpersonen zusammengetan und sich überlegt, wie man den Unterricht anpassen könnte, sodass Schüler die Möglichkeit bekommen, eigenständiger zu arbeiten. Herausgekommen sind Klassen, deren Stundenplan sowie Unterricht sich in mehreren Punkten von dem der regulären Klassen unterscheidet.

Schüler der ELMA-Klassen haben weniger klassische Unterrichtslektionen und dafür mehr Zeit, für sich selbst an ihrem Stoff zu arbeiten. Zeitweise ist dabei auch eine Lehrperson anwesend, die sie bei allfälligen Fragen unterstützt. Ausserdem bekommt jede Schülerin und jeder Schüler eine «individuelle Lernbegleitung», also eine Lehrperson, mir der sie sich regelmässig treffen, um ihr Vorgehen und ihre Fortschritte zu besprechen.

Das ELMA-Modell

Für die ELMA-Klassen ist das Schuljahr in sechs Blöcke unterteilt. Am Ende jedes Blocks finden Prüfungen statt. Während der Blöcke werden weniger Fächer, diese dafür intensiver unterrichtet. Jede Klasse bekommt ihr eigenes Klassenzimmer, in dem die Schüler ihre Materialien lagern können. In diesen Zimmern findet auch der meiste Unterricht statt. Dabei unterscheidet die Kanti zwischen angeleitetem Lernern (klassischem Unterricht), eigenständigem Lernen (EL) und begleitetem selbstorganisiertem Lernen (BSL).

Gute Zwischenbilanz nach drei Monaten

Bei Schülern wie auch bei Eltern fand das Konzept sofort Anklang: Im vorangegangenen Schuljahr wurde es in der Unterstufe angepriesen und es haben sich recht schnell genug Schüler angemeldet, um drei ELMA-­Klassen mit je 23 Schülern zu füllen, so Imhof. Bisher sei der Versuch zufriedenstellend verlaufen, erzählt Konrektorin Barbara Imholz, die das Projekt leitet. «Selbstständigkeit ist lernbar», sagt sie.

Viele Schülerinnen und Schüler seien bereits erstaunlich selbstständig. Manchen, tendenziell eher junge Männer, bereite es zwar mehr Mühe, doch auch sie machen Fortschritte. Ausserdem bringe die Blockstruktur des Stundenplans mit Prüfungsphasen und -pausen «eine gewisse Ruhe» in die Schulwochen.

Allerdings seien die Eindrücke der Lehrpersonen natürlich subjektiv, meint Imhof, weshalb die Kanti bei dem Versuch von der Universität Zürich begleitet wird. Diese werten die vier Maturjahre der ELMA-Klassen aus, um zu ermitteln, ob das Modell erfolgreich ist. Wenn dies der Fall ist, wäre das Ziel, dass ELMA als zusätzliches Angebot an der Kantonsschule definitiv eingeführt wird. Schüler könnten es dann wählen, so wie auch die Bilinguale Maturität oder die Sport- und Kulturklasse.

An der Kantonsschule Olten wird der Versuch nicht angeboten, über eine Einführung des Modells wird aber zu gegebener Zeit noch diskutiert. So wurde bereits das Schwerpunktfach Englisch nach einer Pilotphase in Solothurn auch an der Kanti Olten eingeführt und umgekehrt hat die Kanti Olten die Bilinguale Matur Deutsch-Englisch zuerst im Schulversuch getestet, bevor sie dann auch in Solothurn eingeführt wurde. Allerdings ist Elma nicht die Lernform der Zukunft – zumindest nicht für alle Schüler. «Mehr Freiheit bedeutet auch mehr Verantwortung», sagt auch Barbara Imholz. In Elma-Klassen sollen deshalb nur diejenigen Schülerinnen und Schüler, die auch mehr Verantwortung möchten und damit umgehen können.

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