In der ganzen Nordwestschweiz ist die Zahl der Fälle überdurchschnittlich hoch, ein Hot-Spot ist das Dorneck. Wie die «Sonntagszeitung» berichtete, zählte der Solothurnische Bezirk in den letzten dreissig Jahren 53 Fälle auf 10 000 Einwohner. Die Zeitung berücksichtigte für ihre Berechnungen die Fälle seit 1988. In der «Sonntagszeitung» wurde dazu der Solothurner Kantonsarzt zitiert. Lukas Fenner vermutete einen Zusammenhang zwischen den zahlreichen anthroposophischen Einrichtungen in Dornach und der überdurchschnittlichen Zahlen an Erkrankungen. In der Tat gibt es in der Anthroposophie impfskeptische Strömungen. Oftmals werden Kinder aus anthroposophischen Haushalten nicht geimpft, weil die Eltern der Meinung sind, Kinderkrankheiten müssten «durchgesiecht» werden.


Die Vereinigung anthroposophisch orientierter Ärzte in der Schweiz (VAOAS) mit Sitz in Arlesheim sah sich noch am Sonntag dazu bewogen, eine Stellungnahme zu publizieren. Die VAOAS schreibt, die anthroposophische Medizin unterstütze Impfungen «als wichtige Massnahme zur Vermeidung lebensbedrohlicher Erkrankungen.» Der Verband vertrete keine Anti-Impf-Haltung.


Potenzielle Masern-Infektionsherde sind Kindergärten und Schulen. In Biel kam es an einer Rudolf Steiner-Schule zu einem Massenausbruch. Die Schulleitung schloss nicht geimpfte Kinder vorübergehend vom Unterricht aus, um weitere Ansteckungen zu verhindern.
Thomas Didden von Rudolf-Steiner-Schulen Schweiz mit Sitz in Aesch sagt auf Anfrage, die Steiner-Schulen würden, wie die Volksschule auch, zwar keinen Impfzwang kennen. «Wir fordern aber die Eltern dazu auf, mit ihrem Hausarzt zusammen die Impfproblematik zu diskutieren und dann einen Entscheid zu fällen.» In Steiner-Schulen würde niemandem von Impfungen abgeraten oder vor ihnen gewarnt. «Wir sind Pädagogen, keine Mediziner.»