Zu viele Sek P-ler. Das heisst es im Kanton Solothurn jedes Jahr aufs Neue. So viele wie dieses Jahr waren es aber noch nie. 26,1 Prozent der Noch-Sechstklässler kommen nach den Sommerferien in das Progym. Wobei es seit der Sek I-Reform von 2011/12 die drei Stufen B, E und P gibt. Bereits damals machte rund ein Viertel der «Sechsteler» den Schritt in die Sek P. Zu viele sind das, weil der Kanton eine Quote im Laufbahnreglement festgehalten hat. Dort steht, dass rund 15-20 Prozent der «Oberstüfler» die Sek P besuchen sollten.

Weniger Sek B-Schüler

Zu viele Sek P-ler. Dafür wird die angestrebte Quote für Sek B und E Schüler eher knapp erreicht. Rund jeder dritte Sechstklässler geht in die Sek B. Die Vorgabe: 30-40 Prozent. Etwas über 40 Prozent der «Sechsteler» kommt in die Sek E. Die Vorgabe: 40-50 Prozent. Ein Blick zurück zeigt: Damit ähneln auch diese Quoten den Zahlen von 2011/12, als die Sek I-Reform stattfand. Auch dieses Jahr gab es eine Erneuerung, wenn auch eine kleinere. Das Übertrittsverfahren hat sich geändert.

Neu zählt nebst den Notendurchschnitten der 6. Klasse vor allem die Einschätzung der Lehrperson. Haben die Lehrer die Kinder zu hoch eingestuft? «Das sagen jetzt Sie», sagt Elisabeth Ambühl-Christen vom Volksschulamt (VSA) scherzhaft. Sicher sei: «Wir befinden uns in einer Anfangssituation.» Wie bei der Sek 1-Reform müsse sich das Ganze nun einspielen.

Erfahrungsgemäss würden sich die Quoten danach einpendeln, so die Verantwortliche Schulbetrieb. Das bestätigt der Blick in die Statistik des Amtes. So bewegten sich die Quoten nach der Sek 1-Reform vor sechs Jahren Jahr für Jahr ein Stück auf die Vorgaben des Kantons zu.

Auch ohne Sek P an die Kanti

Zu viele Sek P-ler. Muss der Kanton seine Vorgaben ändern? Sollten Lehrpersonen Schulkinder strenger bewerten? Konkrete Massnahmen stehen nicht an. Zumindest noch nicht. Zuerst müsse das neue Übertrittsverfahren analysiert werden, so Ambühl-Christen. Man sammle Rückmeldungen von Verbänden, Lehrern und Schulträgern. Warten, bis sich das Verfahren eingespielt hat. Davon spricht auch FDP-Regierungsrat Remo Ankli (siehe Box). «Das VSA hat dieses neue Übertrittsverfahren schliesslich nicht ‹einfach so› eingeführt», stellt Ambühl-Christen klar. «Sondern in Zusammenarbeit mit Verbänden der Lehrpersonen und Schulleitungen entwickelt.» Deshalb werde jetzt auch nicht einfach so alles geändert.

Eine Ausnahme: Seit diesem Schuljahr sollen Sek E Schüler den Sprung in die Kanti leichter schaffen. Seit dem Sommer 2017 können Schüler der Sek E prüfungsfrei in die Kanti – wenn sie einen Notenschnitt von 5.2 haben. «Wir pflegen auch im Kanton Solothurn ein durchlässiges System», erklärt Ambühl-Christen. Auch nach dem Übertritt in die Sek I können die Jugendlichen noch die Stufe wechseln. Der Weg in die Kanti führt also nicht zwingend über die Sek P. Ebenso wenig der Weg zum späteren Studium: «Die Erfahrung zeigt, dass auch diejenigen ein Studium machen, die vielleicht in der Sek I noch nicht in allen Fächern so leistungsstark waren», schliesst Ambühl-Christen.

Der Berufsbildungs-Kanton

Zu viele Sek P-ler. Der Kanton Solothurn bleibt aber ein Berufsbildungs-kanton. Auch die Abteilungsleiterin Schulbetrieb sagt, im Solothurnischen werde im schweizweiten Vergleich viel Wert auf die Berufsbildung gelegt. So ist die Rede zwar von zu vielen Sek P-lern – in anderen Kantonen sieht das Bild aber ganz anders aus. Zum Beispiel im Kanton Basel-Stadt. Zu viele Sek P-ler bedeutet dort: Über 45 Prozent der Sechstklässler gehen ins Progym. Fast jeder zweite Jugendliche macht die Matur. Im Kanton Solothurn liegt die Maturaquote bei rund 31 Prozent – der Rest macht eine Berufslehre.