Einmal abgesehen davon, dass sie dort Schlimmeres hätten anstellen können – zum Beispiel Wände versprayen oder Fensterscheiben einschlagen: Sie taten etwas, das gemäss einem vor Jahren gefassten Gemeinderatsbeschluss ausserhalb definierter Zeiten verboten ist. Bei ihrem Tun wurden die drei Jungs prompt erwischt und darauf per Brief – unterschrieben auch vom Gemeindepräsidenten persönlich – mit einem Arealverbot belegt.

Rayonverbotewerden in der Regel in Fällen ausgesprochen, in denen handfeste, schutzwürdige Interessen von Dritten auf dem Spiel stehen: Etwa, wenn verhindert werden soll, dass sich ein Täter dem Wohnort eines vormaligen Opfers nähert, oder dass Drogendealer direkt vor Schulhäusern oder auf Bahnhöfen auf Kundenfang gehen.

Hier aber haben die obersten Gemeindebehörden in einem Fall zum Zweihänder gegriffen, in dem ein paar direkte, klärende Worte von Mensch zu Mensch spielend ausgereicht hätten. Es bleibt dahingestellt, ob und wie die drei Jugendlichen in allfälligen früheren Fällen mündlich aufgefordert worden sind, das Fussballspiel ausserhalb der erlaubten Zeiten zu unterlassen. So oder so hätten die Gemeindebehörden nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit zwingend ein Gespräch mit den Eltern suchen müssen, bevor ein formelles Arealverbot ausgesprochen worden ist.

Mit der Toleranz ist es halt so eine Sache. Wir alle erwarten sie lieber von den anderen, als dass wir sie selber leben. In immer hektischeren Zeiten liegen die Nerven immer blanker. Verbote und Vorschriften werden bestenfalls als frommer Wunsch zur Kenntnis genommen. «Mensch» lässt sich nichts mehr gefallen, fühlt sich schnell angegriffen und in Rechten und Freiheiten eingeschränkt. Behördenmitglieder, die sich für das Wohl der Gemeinschaft einsetzen – nach bestem Wissen und Gewissen, wie sie meinen – können es letztlich niemandem recht machen: Von den einen werden sie angefeindet, weil sie etwas tun; von den anderen, weil sie das Falsche tun und von den Dritten, weil sie gar nichts tun.

Und dann setzt sich die Spirale in Bewegung: Vom Lärm auf dem Sportplatz genervte Anwohner beklagen sich bei den Behörden. Diese ärgern sich, dass sie sich schon wieder mit Beschwerden herumschlagen müssen und sprechen ohne angemessene Vorwarnung gleich ein Arealverbot aus. Ein betroffener Vater will diese «Kriminalisierung» seines Sohnes nicht akzeptieren und macht den Fall publik. Und jetzt fehlt nur noch, dass Juristen eingeschaltet werden und der «Fall» am Ende auch noch von Richtern beurteilt werden muss. Aber wenn schon, dann bitte richtig: Dann sollte es doch gefälligst das Bundesgericht sein. Oder noch viel besser: der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ...

Früher ist ein solches «Ereignis» das geblieben, was es tatsächlich ist: Eine Lokalposse, die es im nächsten Frühling bestenfalls in die Fasnachtszeitung schafft. Heute aber, im Zeitalter der sozialen Netzwerke, dieser Drehscheibe der Beliebigkeiten und Banalitäten, wirft das Arealverbot von Oensingen weit über das Dorf hinaus hohe Wellen: Alle möglichen Medien – bis hin zum nationalen TV-Sender – generieren daraus grosse Beiträge und dicke Schlagzeilen. Ja, die Wellen sind gar hoch genug, dass an dieser Stelle ein Wochenkommentar geschrieben wird.

Und was lernen wir daraus?

Statt gleich das Kriegsbeil auszugraben, müsste man halt wieder mehr sprechen miteinander. Dies gilt nicht nur in und für Oensingen.

urs.mathys@azmedien.ch