Polizei

«Massiv tiefere Fehlerquote»: Regierung hält an umstrittenen Drogentests fest

Die herkömmliche Methode des Drogentests

Die herkömmliche Methode des Drogentests

Verlieren Unschuldige nach einem Schnelltest ihren Führerausweis? Das Problem ist offenbar viel weniger schlimm, als kolportiert. Der Solothurner Regierungsrat hält an den Tests fest.

Zwei Wochen lang war der Musiker Adnan Mursula, bekannt als «Ay Dee», seinen Führerausweis los. Bei einer Polizeikontrolle in Biberist wurde er positiv auf Amphetamine getestet, obwohl er nur Energydrinks getrunken hatte. Der Fall schlug im November hohe Wellen.

Falscher Drogentest wegen RedBull-Sucht

Falscher Drogentest wegen Red-Bull-Sucht

Ein Red-Bull-Junkie wurde fälschlicherweise positiv auf Drogen getestet und musste den Fahrausweis abgeben. Nun erhält er sein Auto-Billet zurück.

Fachleute warnten in der Folge vor den eingesetzten Drogenschnelltests – auch beim Konsum von Kaffee oder Käse könnten diese positiv reagieren. Die Kantonspolizei räumte ein, dass offenbar eine Schwierigkeit bei der Anzeige von Amphetaminen bestehe. Tatsächlich bilden etwa einige Käsesorten bei der Reifung sogenannte «biogene Amine», die bisweilen als Amphetamine erkannt werden können.

Drogenschnelltest bleibt

Drogenschnelltest bleibt

Die Kantonspolizei Solothurn setzt weiterhin auf den Drogenschnelltest. Trotz der hohen Fehlerquote will der Regierungsrat nicht darauf verzichten.

Doch für den Solothurner Regierungsrat ist das kein Grund, auf die Tests zu verzichten. Das geht aus der am Dienstag verabschiedeten Stellungnahme zu einer Interpellation des Mümliswiler SVP-Kantonsrats Josef Fluri hervor. Selbst als Käser tätig, spüre er ein grosses Unbehagen, dass «unschuldige Bürger» nach dem Konsum gewisser Produkte ins Visier der Polizei geraten könnten. Fluri verlangte Antworten: Welche Tests werden auf Solothurner Strassen eingesetzt? Und wie hoch ist die Trefferquote?

Problem in der Versuchsphase

Die Kantonsregierung relativiert das Problem in ihrer Stellungnahme nun deutlich. Ein Toxikologe sprach gegenüber dem «Blick» noch davon, dass je nach Anbieter jeder vierte Drogenschnelltest falsche Ergebnisse liefere.

Zumindest im Solothurnischen entspricht dieser Befund jedoch kaum der Realität. Auswertungen der Polizei würden «eine massiv tiefere Fehlerquote» zeigen, so der Regierungsrat. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres kam es demnach bei 8,7 Prozent der Schnelltests zu einem falschen Ergebnis; bis Ende Oktober wurden insgesamt 288 Tests durchgeführt. In den Vorjahren lag die Fehlerquote sogar noch tiefer bei 4,8 Prozent im Jahr 2016 und 4,2 Prozent im Jahr 2015. Mit anderen Worten: In den allermeisten Fällen bestätigte die medizinische Untersuchung das Ergebnis des Schnelltests.

Unabhängig davon erinnert die Regierung daran, dass der Schnelltest nur zeige, «ob mutmasslich eine strafbare Substanz konsumiert wurde oder nicht». Für die Polizei ist das Testresultat «bloss ein weiteres Indiz», das zusammen mit der Wahrnehmung der involvierten Polizisten in die Gesamtbeurteilung einfliesst. Dabei gehe es jeweils darum, einen Anfangsverdacht zu bestätigen oder zu enthärten. Ob tatsächlich ein strafbarer Konsum von Drogen stattgefunden hat, zeigt erst die anschliessende medizinische Untersuchung.

Seit zwölf Jahren nutzt die Kantonspolizei das Produkt «DrugWipe». Die heute verwendete Version habe sich bewährt. Parallel dazu setzt die mobile Polizei seit Mai dieses Jahres das Produkt «Alere DDS2» ein – im Rahmen eines Versuchs, wie jetzt publik wird. «Die öffentliche Diskussion entbrannte über das Resultat eines solchen Tests», hält die Regierung fest. Die Versuchsphase läuft bis Ende 2017. Dann will die Polizei evaluieren, wie es weitergeht. (sva)

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