Rickenbach

Massenentlassung bei Amcor: Verpackungsdruckerei liquidiert 70 Stellen

Schwere Zeiten für Amcor in Rickenbach: Das Unternehmen muss umstrukturieren und Personal abbauen.

Schwere Zeiten für Amcor in Rickenbach: Das Unternehmen muss umstrukturieren und Personal abbauen.

Die Hiobsbotschaft kam per Mitarbeiterbrief: Die Amcor Specialty Cartons Switzerland GmbH (ASC) teilt ihren 152 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Abbau von 70 Stellen in Rickenbach und deren Verlagerung nach Polen mit.

Hiobsbotschaft für die Belegschaft der Amcor Specialty Cartons Switzerland GmbH (ASC) in Rickenbach: Am letzten Montag musste sie per Mitarbeiterbrief zur Kenntnis nehmen, dass das Verpackungsunternehmen umstrukturiert und Teile davon einstellen oder nach Polen verlegen will. Es kommt zu einer Massenentlassung.

70 der 152 Amcor-Mitarbeitenden in Rickenbach könnten laut Unternehmen von der bevorstehenden Umstrukturierung betroffen sein. Die Firmenleitung weist auf die Veränderungen in der Tabakbranche hin, dass volatile Märkte und zunehmende Gesetzgebung zu Änderungen bei den Kundenanforderungen geführt hätten. Tabakschachteln seien standardisiert worden, weshalb bei ASC Rickenbach die Offset-Aufträge eingebrochen seien.

Nach einer umfangreichen Analyse auf der Grundlage verschiedener Szenarien sei man zum Schluss gelangt, dass eine Umstrukturierung unumgänglich sei. Das bedeute, so Amcor weiter, dass in den kommenden Monaten der gesamte Offline- und Offset-Betrieb eingestellt werde. Dieser Prozess solle bis Ende September 2019 abgeschlossen sein. Danach werde sich die ASC Rickenbach ganz auf hochwertigen Gravurdruck konzentrieren, um die Überlebens- und Tragfähigkeit des Werks insgesamt zu verbessern. Im Tiefdruck sieht das Unternehmen in Rickenbach seine Kernkompetenz.

Diese Umstrukturierung habe im Weiteren zur Folge, dass das Unternehmen auch die PrePrint-Ressourcen (Druck-Vorstufe) in Rickenbach reduzieren müsse. Eine Reihe von Positionen würden zum PrePrint-Hub in Lodz (Polen) verlegt. Dies werde dem Unternehmen ermöglich, seine Stärken besser an Marktplatztrends und Kundenanforderungen auszurichten. Im weiteren Verlauf würden sich die verbleibenden Spezialisten im PrePrint-Team in Rickenbach auf hochkomplexe Tiefdruck-Projekte fokussieren.

70 Betroffene

Amcor macht keinen Hehl daraus, dass vornehmlich in den Bereichen Offset und Weiterverarbeitung, aber auch in anderen Werks- und PrePrint-Funktionen zu einem «erheblichen Personalabbau» kommen wird. Konkrete Informationen für das Personal gibt es aber noch nicht. Man befinde sich erst am Anfang der Konsultation und Entscheide seien noch keine getroffen worden.

Doch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekamen vorsorglich ein Schreiben, in dem fett geschrieben steht: «Leider müssen wir Sie darüber informieren, dass auch Sie betroffen sein könnten.» Wie Amcor-Personalchef Jörg Hinder gestern gegenüber dieser Zeitung erklärte, können rund 70 der 152 Mitarbeiter in Rickenbach betroffen. Zur Frage, weshalb das Unternehmen die Öffentlichkeit noch nicht über diese folgenschwere Umstrukturierung informiert habe, meint Hinder, es seien schliesslich noch keine Kündigungen ausgesprochen worden. Diese Zeitung wurde mit einem anonymen Schreiben informiert. Der Amcor-Personalchef verneint die Frage, ob es mit dem Nein zur kantonalen Steuervorlage zu tun habe, dass die Belegschaft just ein Tag nach der Abstimmung informiert wurde.

Sozialplan wird verhandelt

Im Schreiben an die Mitarbeiter stellt Amcor weiter fest, die Firma werde das bei einer beabsichtigten Massenentlassung vorgeschriebene Konsultationsverfahren mit der Personalkommission starten. In den nächsten vier Wochen solle neben dem Rekrutierungsplan auch ein Vorschlag für einen Sozialplan verhandelt werden. In diesem seien zur Vermeidung von menschlichen und wirtschaftlichen Härten folgende Punkte vorgesehen:
Abgangsentschädigung basierend auf Alter und Dienstjahre (vorausgesetzt, der jeweilige Mitarbeiter verlässt das Unternehmen nicht vor Ablauf der vertraglich fixierten Kündigungsfrist und hält die allgemeinen Anstellungsbedingungen ein).

Vorzeitige Pensionierung ab vollendetem 63. (Männer) und 62. (Frauen) Lebensjahr.
Hilfe bei der Suche nach einer neuen Anstellung (Job Center/Replacement) für alle gekündigten Mitarbeiter.

Ergebnis bis Mitte Juni

Mitte Juni 2019 sollten die Ergebnisse vorliegen und über das weitere Vorgehen entschieden werden, schreibt das Unternehmen im Mitarbeiterbrief. Nochmals Personalchef Jörg Hinder: «Wir respektieren und schätzen die Leistung eines jeden Mitarbeiters unseres Teams und werden sicherstellen, dass die Mitarbeiter, die uns verlassen werden, die entsprechenden Ressourcen und die erforderliche Unterstützung erhalten.»

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Autor

Beat Nützi

Beat Nützi

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