Kanton Solothurn

Maskenpflicht «komplett übertrieben»: Schiff und Gondelbahn befürchten erneut wirtschaftliche Einbrüche

Ab Montag muss die Schutzmaske in Bus, Tram, Zug, auf Schiffen und in der Seilbahn getragen werden.

Ab Montag muss die Schutzmaske in Bus, Tram, Zug, auf Schiffen und in der Seilbahn getragen werden.

Am Mittwoch verkündete der Bundesrat, dass ab nächstem Montag in Bus, Tram und Zug, auf dem Schiff und in Bergbahnen eine Gesichtsmaske getragen werden muss. Was bedeutet die Maskenpflicht für hiesige Transportunternehmen?

Während lokale Transportunternehmen wie die Aare Seeland Mobil AG (ASM) und die Oensingen-Balsthal-Bahn die ab Montag geltende Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr als nachvollziehbar bezeichnen, hört es sich bei der Solothurner Seilbahn Weissenstein AG ganz anders an: «Wir bedauern diesen radikalen Entscheid sehr», heisst es. Habe man sie doch seit dem am 15. März verordneten Lockdown nicht zum öffentlichen Verkehr gezählt, weshalb man den Betrieb habe stillegen müssen – und jetzt gehöre man auf einmal dazu. Dieser Entscheid sei «sonderbar und keinesfalls ausgewogen», kritisiert der Geschäftsführer der Seilbahn, Konrad Stuber. Die Seilbahn habe für eine generelle Maskenpflicht in vollen Zügen und Bussen zu Stosszeiten durchaus Verständnis und befürworte diese sogar. Jedoch seien derartige Situationen keineswegs mit den Verhältnissen der 6er-Kabinen der Seilbahn zu vergleichen, beteuert Stuber.

Auch bei der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft (BSG) sieht man dem Montag besorgt entgegen. Wie Thomas Mühleberger, Geschäftsführer der BSG, auf Anfrage erklärt, sehen die Schutzmassnahmen vor, dass Passagiere sowohl beim Warten an den Anlegestellen, beim Ein- und Ausstieg, als auch während der ganzen Schiffsreise eine Maske tragen müssen. Der von den Schifffahrtsgesellschaften in die Diskussion mit den Behörden eingebrachte Antrag, dass auf den Aussendecks keine Maskentragpflicht vorgesehen werden soll, sei nicht bewilligt worden. «Wir wissen nicht, ob unsere Gäste unter diesen Voraussetzungen noch aufs Schiff kommen werden und ihre Zeit an Bord geniessen können», so Mühlethaler. 

Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr grösstenteils befolgt

Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr grösstenteils befolgt

Seit Montag gilt im öffentlichen Verkehr (öV) in der ganzen Schweiz eine Maskentragpflicht. Diese wurde am Montagmorgen grösstenteils eingehalten. So trugen etwa in Berner Zügen, Trams und Bussen fast alle Passagiere eine Maske. Das zeigte ein Augenschein der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am frühen Montagmorgen in zwei Berner S-Bahn-Zügen, einem Tram und einem Postauto. Einige wenige Ausnahmen gab es. Viele Menschen entfernten die Maske unmittelbar nach dem Aussteigen aus Bus, Tram oder Zug.

Schiff und Gondeli «nicht vergleichbar» mit Zügen

Dass die Richtlinien in Bussen, Trams und Zügen nicht mit denjenigen in einer Seilbahn gleichgesetzt werden können, zeigen die Observierungen der unterschiedlichen regionalen Transportunternehmen. Sowohl die OeBB als auch die ASM beobachteten in der vergangenen Zeit nur eine niedrige Anzahl Maskenträgerinnen und Träger. Auf den Schiffen der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft stellte Geschäftsführer Thomas Mühlethaler gar noch eine tendenziell tiefere Anzahl Maskenträgerinnen und Maskenträger fest.

Im Gegensatz dazu beschreibt Stuber von der Seilbahn Weissenstein seit der Wiedereröffnung am 6. Juni «ein sehr diszipliniertes Publikum», das die Abstände und Hygienemassnahmen strikt einhielte und umsetze. Laut Stuber machen Masken in der Seilbahn auch gar nicht wirklich Sinn - da die Gäste, die in einer Gondel sitzen, meist auch zusammen kommen - also ohnehin Kontakt haben. Sei dies nicht der Fall, so könne man in den 65 Gondeln Fahrgäste auch problemlos einzeln auf den Berg transportieren.

So verwenden Sie die Hygienemaske richtig und deshalb sollte man sie nicht unters Kinn klemmen

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Ab Montag gilt die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Melanie Hauser, Fachexpertin für Infektionsprävention vom Spitalzentrum Biel, erklärt, wie Sie die Schutzmaske korrekt verwenden.

Seilbahn und Schifffahrt befürchten wirtschaftliche Einbrüche

Der Geschäftsleiter der Seilbahn Weissenstein AG befürchtet mit dem Inkrafttreten der generellen Maskenpflicht «einen weiteren wirtschaftlichen Schaden und Frequenzeinbussen». Inwiefern die Massnahme das Publikum in Zukunft von einem Ausflug auf den Berg abhalte, werde sich zeigen. Schliesslich könne «gerade in den heissen Sommermonaten eine Bergfahrt im klimatisierten Privat-PW ohne Mund- und Nasenschutz den einen oder anderen Gast dazu bewegen, die Seilbahn aussen vor zu lassen». Zudem sei ein Ausflug auf den Berg freiwillig und könne auch später nachgeholt werden. Dies mache die Seilbahn absolut nicht vergleichbar mit den täglichen Pendlerströmen in Zügen und Bussen, welche aufgrund des Gangs zur Arbeit weiter bestünden.

Auch der Geschäftsführer der BSG macht sich Sorgen: Bereits bis jetzt befänden sich die Einbussen im hohen 6-stelligen Negativbereich, erklärt er. Die Maskenpflicht wirke sich im Tourismus «sicher nicht positiv aus».

«Das kann heikle Situationen geben»

In die nächste Woche blickend stellt sich Mühlethaler auf unangenehme Vorfälle ein, falls Passagiere das Maskentragen verweigern sollten; schliesslich müssten Kunden beim Nichteinhalten der Maskenpflicht des Schiffes verwiesen werden, und das könne «heikle Situationen geben». Trotzdem zeigt sich der Geschäftsführer der BSG zuversichtlich: «Die Situation wird sich in 14 Tagen eingependelt haben und das Maskentragen zur Normalität werden», wagt er den Blick in die Zukunft. 

Auch bei der OeBB können Passagiere bei einem Verstoss gegen die Maskenpflicht des Zuges verwiesen werden. Widersetzt sich die Person, kann dies der Polizei gemeldet und eine Busse wegen ungebührlichem Verhalten zur Folge haben. Stichkontrollen werden in der OeBB von Seiten des Systemführers, sprich der SBB durchgeführt.

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